Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
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Samstag, 20. April 2013

DIE 80ER: AUDIOMEDIEN

Die 80er-Jahre hatten gute "Toy Lines", aber daneben oder damit verbunden auch gute Hörspielserien, Zeichentrickserien und vieles mehr.

Spielzeug der 80er


COMICS

Heft Nr. 1000/1001

Viele Comics, die man in den 80ern las, waren nicht speziell Comics der 80er-Jahre. Die Jugend las Micky Maus und Donald Duck, Fix & Foxy sowie Yps. Darüber hinaus hatte man Comicbände wie Asterix, Lucky Luke oder Tim & Struppi.
Die in den 70ern erfundenen Yps-Hefte können aber am ehesten als "typisch 80er" gesehen werden.
Die Yps-Hefte erschienen von 1975 - 2000. Danach gab es mehrere Versuche, sie in veränderter Form wiederzubeleben. Wir werden sehen, was daraus wird.

Yps-Hefte enthielten mehrere Comicreihen, darunter die des namensgebenden Känguruhs Yps (mit Frosch Patsch, Maus Kaspar und Vogel Willy), Yinni & Yan (Reporter), Gespenster GmbH sowie viele Fremdserien wie Pif & Hercules (aus Frankreich stammend, der PCF nahestehend). Einige Comicreihen waren als Fortsetzungsgeschichten konzipiert. Berühmte Zeichner waren Ivica Litric und Heinz Körner.

Yps galt als sehr beliebt. Das lag einmal an den vielseitigen und kreativen Comics, besonders aber auch an den sogenannten "Gimmicks".  Gimmicks waren Heftzugaben zum Basteln und Abenteuern. Diese bildeten manchmal Themenreihen wie Detektivausrüstung, Astronomie, Zelten. Es gab aber auch beliebte Einzelthemen wie die Urzeitkrebse und die Rose von Jericho.

Gegen Yps-Hefte gab es auch Kritik: Viele Eltern hatten wenig Verständnis für die Kreativschübe ihrer Kinder. Besonders handwerklich begabte Väter ärgerten sich über den "Kunststoffschrott", der als Gimmick den Heften beilag. Insgesamt ist diese Kritik überzogen, in Einzelfällen mag sie aber gestimmt haben.
Auch Feministinnen mussten ihren Senf dazu geben: Die Bezeichnung Yps war nicht zufällig gewählt. Sie war an das männliche Ypsilon-Chromosom angelehnt, weil sich v. a. Jungen für die Themen interessierten. Feministinnen empfanden das unter Gender-Gesichtspunkten als nicht gut.


HÖRSPIELSERIEN ( v. a. EUROPA-Kassetten)


Fünf Freunde (1978)
Burg Schreckenstein (1978)
Die drei ??? (1979)
TKKG (1981)
Die Funk-Füchse (1981)
Masters of the Universe (1984)
Marshall Bravestarr (1987)


Fünf Freunde (1 - 10)

01. Fünf Freunde beim Wanderzirkus
02. Fünf Freunde im Zeltlager
03. Fünf Freunde und das Burgverlies
04. Fünf Freunde als Retter in der Not
05. Fünf Freunde und der Zauberer Wu
06. Fünf Freunde helfen ihren Kameraden
07. Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber
08. Fünf Freunde und ein Zigeunermädchen
09. Fünf Freunde im alten Turm
10. Fünf Freunde im Nebel
...


Burg Schreckenstein (1 - 5)

Von der Serie Burg Schreckenstein gab es bei Europa leider nur 5 Folgen.
Im Schneider-Verlag gab es angeblich 7. Später wurde die Serie neu bearbeitet. 

01. Die Jungens von Burg Schreckenstein
02. Freche Ritter auf Burg Schreckenstein
03. Auf Schreckenstein geht's lustig zu
04. Auf Schreckenstein gibt's täglich Spass
05. Die Schreckensteiner auf der Flucht


Die drei ???

01. Die drei ??? und der Superpapagei
02. Die drei ??? und der Phantomsee
03. Die drei ??? und der Karpatenhund
04. Die drei ??? und die schwarze Katze
05. Die drei ??? und der Fluch des Rubins
06. Die drei ??? und der sprechende Totenkopf
07. Die drei ??? und der unheimliche Drache
08. Die drei ??? und der grüne Geist
09. Die drei ??? und die rätselhaften Bilder
10. Die drei ??? und die flüsternde Mumie
...


TKKG

01. Die Jagd nach den Millionendieben
02. Der blinde Hellseher
03. Das leere Grab im Moor
04. Das Paket mit dem Totenkopf
05. Das Phantom auf dem Feuerstuhl
06. Angst in der 9a
07. Rätsel um die alte Villa
08. Auf der Spur der Vogeljäger
09. Abenteuer der Ferienlager
10. Alarm im Zirkus Sarani
...


Die Funk-Füchse (1 - 15)

01. Der Schatz im Birkenwald
02. Terror im Jugenddorf
03. Die Haschischbande wird entlarvt
04. Unternehmen Nachtschatten
05. Katzendieben auf der Spur
06. Kemals letzte Chance
07. Jagd auf die Automarder
08. Operation Förderkorb
09. Das Ding mit den Briefmarken
10. Die Falle schnappt zu
11. Kampf mit dem roten Blitz
12. Der Unglücksrabe aus Fernost
13. Automatenknacker am Werk
14. Erpresser leben gefährlich
15. Der Goldschatz im Badesee


Masters of the Universe

01. Sternenstaub
02. Das Todestor
03. Sturm auf Castle Grayskull
04. Der unbezwingbare Drache
05. Höhle des Schreckens
06. Im Kerker Skeletors
07. Doppelgänger
08. Der Baum der sterbenden Zeit
09. Die Ebene der Ewigkeit
10. Das Geheimnis der Mystic Mountains
...


Marshall Brave Starr

01. Ein Sheriff für New Texas
02. Kampf um die Kerium-Mine
03. Überfall auf den Kerium-Transport
04. Duell in der Wüste
05. Das Vermächtnis der Ur-Bewohner
06. Der große Kampf


FERNSEHSERIEN


Serienaufzählung (deutsche Titel):

- Airwolf (1984 - 1986)
- A-Team (1983 - 1986)
- Agentin mit Herz (Scarecrow & Mrs. King, 1983 - 1987)
- ALF (1986 - 1990)
- Besucher, Die (Expedition Adam 84, 1981 - 1983)
- Cheers (1982 - 1993)
- Colt für alle Fälle, Ein (The Fall Guy, 1981 - 1986)
- Cosby Show, Die (1984 - 1992)
- fliegende Ferdinand, Der (Letajici Cestmir/Der Zauberstein, 1983 - 1984)
- Hart aber herzlich (Hart to Hart, 1979 - 1984)
- Inspector Gadget (1983 - 1986)
- Jack Holborn (1982)
- Knight Rider (1982 - 1986)
- Lucky Luke (1983)
- Luzie, der Schrecken der Strasse (1980)
- MacGyver (1985 - 1992)
- Patrik Pacard (1984)
- Pumuckl (1982 - 1989)
- Schlümpfe, Die (Smurfs, 1981 - 1989)
- Eine schrecklich nette Familie (Married with Children, 1987 - 1997)
- Silas (1981)
- Sledge Hammer! (1986 - 1988)
- Trio mit vier Fäusten (Riptide, 1984 - 1986)



Freitag, 19. April 2013

DIE WONDERLAND GANG (DROGENGANGS - GESCHICHTE DES ILLEGALEN DROGENHANDELS

Crime-Pool

Die Wonderland Gang war eine Bande von Drogendealern, die hauptsächlich in der Gegend um Los Angeles in den 70er-Jahren operierte. Die Gruppe war aber auch in andere kriminelle Aktivitäten wie Raub und Einbruch verwickelt. Dabei ging die Wonderland Gang auch gegen konkurrierende Gangs vor. Mit der Zeit stahl man sich die illegale Handelsware lieber, anstatt sie sich mühsam über Verbindungen aus Mexiko oder anderswo zu besorgen.
Angeführt wurde die Wonderland Gang von Ron Launius, einem ehemaligen Vietnam-Veteranen, der wie viele bei seinem Einsatz in Südostasien auf den Geschmack gekommen ist und später Probleme mit der Reintegration in die Gesellschaft hatte. Launius hatte beim Aufbau seiner Handelsnetzwerke schon früh Kontakt zu Bikern, die ihn mehrfach bedrohten, deren Geschäftspolitik er aber ebenso eiskalt erwiderte. Dabei soll es zu vielen Morden gekommen sein.
Später konzentrierte sich die um Launius entstehende Bande stärker auf den Raum um LA selber. Dort war aufgrund der Geschäftswelt und insbesondere aufgrund der blühenden Medienbranche einschließlich Hollywood eine nie enden wollende Nachfrage (Computer waren zu dieser Zeit in Privathaushalten noch wenig verbreitet). Vermutlich hatte die Gang auch Kontakte zum Drogendealer Bill Vlick.
Ihr Hauptquartier wurde das Haus 8763 Wonderland Avenue im Laurel Canyon. Es war von Joy Miller angemietet worden, die ebenfalls zu der Gang gehörte. Miller war durch ihre Scheidung von einem erfolgreichen Anwalt, ihre Drogensucht und Brustkrebs-Behandlungen auf dem absteigenden Ast, verfügte aber über genug Geld und Kontakte, das HQ der Bande aufrecht zu erhalten. Sie lebte jetzt mit ihrem Freund Billy DeVerell und anderen Vertretern der Gruppe in diesem Haus.
Doch die Gang konnte die illegalen Aktivitäten verbunden mit von ihr selbst eskalierten Konflikten mit anderen Banden nicht auf Dauer aufrecht erhalten. 1981 führte diese Eskalationsspirale im Hauptquartier der Wonderland Gang in LA zu einem blutigen Finale.



Die Bandenmitglieder:
→ Unten eine genauere und bebilderte Beschreibung! ←

Hauptakteure:

Ronnie Lee Launius
William Ray "Billy" DeVerell (Deverell)
Joy Audrey Gold Miller
David Clay Lind
Tracy Ray McCourt

Assoziierte:

Susan A. Launius
Barbara Lee Richardson
John Holmes


Die Lage des Drogenmarktes zur damaligen Zeit

Die Drogen der Wahl waren neben Haschisch Kokain, Heroin und synthetische Drogen.
Die Kokain-Welle schwappte in den 1970er-Jahren über Nordamerika. Die Droge war somit eine Spätwirkung der Hippiebewegung (zuerst Cannabis, LSD, Pilze o. ä; dann synthetische Drogen). Eine gewisse Startwirkung hatte der Film Easy Rider von 1969/70. Es war aber anfangs auch so, dass die Haschisch-Schmuggler aus Südamerika einfach nur mal probeweise ein paar Pakete mit Kokain zu ihren Sendungen dazulegten und dann über die explodierende Nachfrage überrascht waren.
Eigentlich war Kokain eine Wiederentdeckung, denn es war seit dem 19. Jhd. in seiner chemischen Zusammensetzung bekannt und schon die Indios kannten die (leichtere) Wirkung der Koka-Pflanze. In den 1970er-Jahren schwappte eine Kokainwelle über die gesamten Vereinigten Staaten.
Die Probleme dieser Entwicklung liegen auf der Hand: Die steigenden Summen beim illegalen Handel heizten die Machtkämpfe an. Illegale können bei Geschäftsstreitigkeiten nicht einfach ein Gericht anrufen und greifen dann leicht zur Waffe, um ihre Geschäftsinteressen durchzusetzen und nicht als Schwächlinge dazustehen. Außerdem waren viele Händler selber Verbraucher und führten einen flamboyanten Lebensstil, der ihren Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbrachte, ihre Gesundheit angriff und sie launisch machte. Das galt auch und insbesonder für die Wonderland Gang.


John Holmes, Eddie Nash und die Wonderland Gang

Berühmt wurde die Gruppe auch durch ihre Verbindung zum Pornostar John Holmes. Holmes war als "Filmgröße" mit der Zeit abhängig von Kokain geworden, nachdem er - konservativ erzogen - anfangs den Drogenkonsum noch abgelehnt hatte.
Holmes stammte aus einer bigotten Familie mit einem gleichgültig bis autoritären Vater und einer frustriert-christlichen Mutter, die den Laden mit Mühe zusammenhalten wollte. Von seinen Geschwistern wurde er auch unterdrückt. Der Armeedienst in Europa diente ihm als Flucht. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten übernahm er mehrere einfache Jobs und begann mit Frau und Haus ein bürgerliches Leben. Um seine Situation zu verbessern, erwog er einen Einstieg in die Pornobranche, die gerade erst dabei war, legalisiert zu werden. Dabei half es ihm, dass er von einem Unternehmer der Branche angesprochen wurde.
Dieser Entschluss - wenn auch aus bürgerlicher Moral heraus fragwürdig - half dem Ehepaar, eine recht wohlhabende Existenz aufzubauen.
Mit der Zeit kamen jedoch auch gewisse Nachteile dieses Lebensstils zu Tage. Der anstrengende Job und das Partyleben führten dazu, dass Holmes Upper und Downer brauchte. Und davon immer mehr...

Einer seiner Hauptversorger wurde mit der Zeit Eddie Nash. Holmes hatte ihn wahrscheinlich Ende 1980 durch Vermittlung von Chris Coxx, dem Besitzer des Nachtclubs Odyssey, kennengelernt.
Nash war als palästinensischer Flüchtling (Adel Nasrallah), dem in den Kriegen um Israel/Palästina noch die Kugeln um die Ohren geflogen waren, in die USA gelangt. Dort hat er sich nach einem kurzen Gastspiel als Filmkomparse in relativ kurzer Zeit vom Hot-Dog-Verkäufer zum Disko- und Nachtclubunternehmer hochgearbeitet und eine beachtliche Entourage aus Showstars und Kriminellen um sich herum versammelt.
Nachdem aber Holmes Sucht so eskalierte, dass auch Eddie Nash nicht mehr für ihn geradestehen wollte, ging er zur berüchtigten Wonderland Gang. Hier versuchte er in dem Machtspiel zwischen den verschiedenen Machtgruppen zu lavieren.

Durch seine nie enden wollende Sucht kam Holmes auch hier nicht aus den Schwierigkeiten heraus. Auch bei der Wonderland Gang eckte er an, weil er immer mehr Stoff wollte. Holmes war für die Gang als Dealer tätig und ließ gerne Stoff und Geld für sich verschwinden.
Gleichzeitig sollen ihn Vertreter der Gang, insbesondere ihr Boss Ron Launius, schlecht behandelt und mehrfach vor Publikum vorgeführt haben. Als er dann auch noch ein wertvolles historisches Revolverpaar der Gruppe zu Geld machte, war das Maß voll.
Holmes wurde massiv unter Druck gesetzt, für die Bande Geld reinzuholen und dachte sich etwas aus. Dabei spielten seine vorherigen Kontakte zu Nash eine Rolle.



Raubüberfall auf Eddie Nash:


Die Wonderland Gang plante zur Verbesserung ihrer Finanzen für die Nacht auf den 29.06.81 einen Überfall auf das Haus von Eddie Nash (Adel Nasrallah), einen Discobesitzer und Drogendealer. Es wurde aufgrund der Drogenprobleme der Gangmitglieder Morgen.
Der aus Palästina stammende Nash (s. o.) hatte sich in kurzer Zeit vom einfachen Ladenbesitzer zum Vergnügungsunternehmer hochgearbeitet.

Es war nicht der erste Angriff auf konkurrierende Banden. Bei diesem Angriff sollte aber der Pornodarsteller und Drogenkonsument John Holmes eine bedeutende Rolle spielen, weil er - der eigentlich Nashs Vertrauter ("brother") war - für die Gang als Türöffner fungieren sollte.
Er gab gegenüber Nash vor, nur an einer Drogenparty im Haus teilnehmen zu wollen und ließ dann beim Verlassen des Hauses die Tür für die Gang offen. Angeblich musste er die Tür mehrmals öffnen, weil sie entweder von alleine wieder zuging oder die drogenabhängige Gang nicht fit genug für den Angriff war. Möglicherweise war Holmes sogar zu dieser Beihilfe erpresst worden, weil er der Wonderland Gang vorher Geld und Wertgegenstände gestohlen hatte.

Nach dem Öffnen der Türe durch John Holmes stürmten Ron Launius, Billy Deverell und David Lind die Wohnung. Tracy Ray McCourt wartete draussen in einem Fluchtauto, einem gestohlenen Ford Granada. Möglicherweise trugen die Angreifer zur Tarnung Polizeiuniformen. Ihre Finger waren mit Pflasterflüssigkeit "getarnt" (erschwert Fingerabdrücke).

Der Angriff verlief äusserst brutal. Holmes war aber wahrscheinlich nicht dabei. Die Überfallenen wurden gefesselt, geschlagen, beleidigt und rassistisch beschimpft. Eddie Nash wurde ein Waffenlauf in den Mund geschoben, sein Leibwächter Gregory Diles wurde durch einen Schuss verletzt. Es blieb unklar, ob aus Absicht oder aus Versehen. Anscheinend haben die Angreifer auch im Haus Drogen konsumiert. Die Beute, die sie schliesslich davontrugen, war äusserst opulent: Kokain, Heroin, Tabletten, Waffen, Geld, Edelsteine.
Man wusste, dass Nash viele Wertsachen gebunkert hatte und erpresste ihn, die Lage der Verstecke preiszugeben. Wahrscheinlich bekam die Gang aber nicht alles.

Doch der Gegenschlag liess nicht lange auf sich warten!


Die Wonderland-Morde:

Eddie Nash hatte keine Probleme, Holmes als Helfer des Überfalls zu identifizieren. Er hatte sich auf der Party zu auffällig benommen und war später noch mit einem Ring aus der Beute gesehen worden. Einige Quellen berichten auch, David Lind, der Holmes nicht mochte, habe Nash einen Hinweis gegeben.
So oder so wollte Nash Holmes jetzt unbedingt haben und ausquetschen. Es  existieren verschiedene Versionen, wie das geschah: Entweder überfielen ihn Nashs Helfer bei einem seiner Besuche in Nashs Haus oder er wurde entführt. Holmes wurde in der Folge gefoltert und "umgedreht".
Einer der Zeugen, der aber erst viele Jahre später aussagte, war Scott Thorson, der Liebhaber des berühmten homosexuellen Pianisten Liberace. (Liberaces Leben wurde mit Michael Douglas und Matt Damon verfilmt; Kinostart 2013).
Holmes sollte jetzt als Helfer gegen die Wonderland Gang dienen, die nämlich ihr Heim gut elektromechanisch und mit Hunden gesichert hatte.

Am 01.07.81 drangen gegen 3 Uhr morgens unbekannte Täter in das Hauptquartier der Wonderland Gang ein. Trotz des späteren Schweigens kann man sich denken, dass es sich bei den Angreifern um Nashs Freunde gehandelt haben musste.
Die Täter verschafften sich durch einen perfiden Trick Zugang zum gesicherten Haus. An der verriegelten Eingangstür, die man konventionell schlecht überwinden konnte, ließen die Täter John Holmes den Vortritt, der an der Tür schellte und von der im vorderen Zimmer ruhenden Barbara Richardson geöffnet bekam. Richardson war als Assoziierte der Gruppe nicht über alle Hintergründe der Sachlage informiert. Doch damit hatte die Wonderland Gang schon verloren - die Täter waren im Haus!

Man geht davon aus, dass an dem Angriff Gregory Diles (Nashs Leibwächter), vielleicht sein Bruder Samuel Diles, John Holmes und eventuell auch Eddie Nash selber beteiligt waren. Aus Andeutungen über die Tat vermutet man jedenfalls, dass es mindestens 3 Täter waren.
Holmes' Rolle bei diesem "Gegenüberfall" ist umstritten. Klar ist aber, dass er dabei war, weil danach ein blutiger Handabdruck (s. u.) von ihm im Haus gefunden wurde.
Aussagen zu seinen Gunsten behaupteten, er habe die Gruppe der Rächer nur zum Ziel geführt. Andere Aussagen stellten ihn jedoch als aktiv an der Tat beteiligten Mittäter dar. Seine damalige Lebensgefährtin sagte Jahre später aus, er sei danach völlig blutüberströmt zu ihr gelangt. Auch sein blutiger linker Handabdruck über dem Bett von Ron Launius deuten in diese Richtung.

Die Täter fackelten auf jeden Fall nicht lange und veranstalteten ein blutiges Gemetzel. Sie waren mit Schlagwaffen und wohl auch mit Schusswaffen bewaffnet. Wenn man von den späteren Untersuchungen am Tatort ausgeht, hatten sie als Hauptwaffe geriffelte Metallrohre, vielleicht aus Stahl oder Blei. Es kann auch sein, dass sie Hämmer oder Baseballschläger einsetzten.

Für fast alle der Hauseinwohner endete der Angriff tödlich:
Barbara Richardson, die in einem Zimmer in Eingangsnähe schlief, war als erstes tot. Sie war nicht am Überfall auf Nashs Anwesen beteiligt.
Ron Launius und Billy DeVerell wurden ebenfalls getötet. Sie waren am Nash-Überfall beteiligt. Joy Miller, die Frau von deVerell und Organisatorin im Hintergrund, erwischte es ebenfalls tödlich.
David Lind überlebte, obwohl er auch am Überfall beteiligt war, weil er angeblich gerade andernorts mit Prostituierten und Drogen zu Gange war. Er sollte 1995 an Heroin sterben.
Tracy McCloud befand sich auch ausser Haus. Er starb 2006.
Bei Lind und McCloud wurde auch spekuliert, ob sie wirklich zufällig nicht am Tatort waren. Lind stand Richardson sehr nahe und so hätte er sie bei einer Furcht vor einem Überfall wahrscheinlich nicht alleine gelassen. Bei McCloud ist es wahrscheinlich, dass er zumindest von einem irgendwann bevorstehenden Überfall etwas ahnte.

Susan Launius war auch im Haus zugegen. Sie hatte sich nach Phasen der Entfremdung kurz zuvor wieder mit Ron Launius versöhnt. Sie überlebte als einzige Person im Haus den Angriff schwer verletzt. Ihr Kopf wurde durch die Hiebe getroffen, dass der gebrochene Schädelknochen die Blutung abklemmte. Von weiteren Mitgliedern im Haus ist nichts bekannt.
Als später die Polizei geholt wurde, waren die Beamten erschrocken ob der Mengen an Blut am Tatort. Einige fühlten sich an die gut 10 Jahre vorher stattgefundenen Morde der Manson Family vom Sommer 1969 erinnert. Zum ersten Mal wurde ein Tatort auch ausgiebig gefilm (Speichermaterial: Band).

Es ist erstaunlich, dass die Nachbarn nicht die Polizei holten. Es muss zu enormen Schreien gekommen sein, wie später durchsickerte. Insbesondere soll Billy DeVerell um Gnade gefleht haben. Entweder die Anwohner wollten sich nicht die Finger verbrennen oder sie glaubten, die Schreie seien Teil des auch sonst recht lauten Auftretens der Hausbewohner.
Interessant ist noch, dass in derselben Nacht noch ein Haus in der Nähe überfallen wurde, nämlich das des dubiosen Bill Vlick.

Von den mutmasslichen Angreifern starb John Holmes 1988 an AIDS, Gregory Diles 1995 an Leberversagen und sein Bruder Samuel Diles 2002.

Die Taten konnten von den Ermittlern in Grundzügen aufgeklärt werden, obwohl sich die Beweislage vor Gericht als problematisch erwies.
David Lind, dessen Freundin bei dem Angriff getötet worden war, machte bei der Polizei umfassende Aussagen, die die Verbindungen zu John Holmes und der Bande um Eddie Nash offenlegten.

Holmes weigerte sich, gegenüber den Ermittlungsbehörden zu dem Fall auszusagen und man musste ihn freilassen. Es war aber klar, dass diese am Ball bleiben würden. Deshalb versuchte Holmes zu fliehen, indem er seine junge Freundin Dawn Schiller mitnahm, sie zwang, als Botin gegenüber Eddie Nash (vor dessen Haus) Schweigegeld einzufordern, und sich dann mit ihr und dem Geld auf den Weg machte. Unterwegs erlebten beide eine kurze schöne Zeit, aber als das Geld wieder knapp wurde, zwang er sie, sich an Urlaubsorten und Hotels zu prostituieren. Irgendwann fielen beide dort zu negativ auf, mussten weiter fliehen und wurden schließlich festgenommen.
Nach fast 5 Monaten auf der Flucht wurde Holmes dann am 04.12.1981 von Tom Lange und Frank Tomlinson in Florida festgenommen und später nach Kalifornien (Los Angeles) ausgeliefert. Im März 1982 kam es zu einem mehrwöchigen Prozesses, bei dem Holmes wegen der vier Morde angeklagt war. Aus Mangel an Beweisen musste aber die Anklage fallengelassen werden. Der Prozess ging dennoch in die Rechtsgeschichte ein, weil es der erste Prozess war, in dem Videomaterial offiziell zugelassen war.



Einige Akteure ("Starring"):

John Holmes: 


John Holmes
  • konservatives Aufwachsen, Konflikt mit Eltern und Geschwistern 
  • Militärdienst als Flucht 
  • nach Rückkehr einfache Jobs 
  • Kontakt zur Erotikindustrie (teilweise noch illegal)
  • rasanter Aufstieg aufgrund seines großen Penis ("Johnny Wadd") 
  • Kontakte zu Drogen trotz der anfänglichen Ablehnung 
  • starke Abhängigkeit; Beschäftigungskriminalität durch Diebstahl (sogar an Flughäfen) und Prostitution 
  • Kontakte ins kriminelle Milieu, u. a. zu Eddie Nash und zur Wonderland Gang

Ron Launius:
Ron Launius
  • bürgerliches Aufwachsen 
  • Militärdienst im Vietnamkrieg, aber auf thailändischer Seite 
  • erwischt beim Schmuggeln von Opium in Leichensäcken 
  • Schwierigkeiten bei der Reintegration nach der Rückkehr 
  • Drogenhandel mit den üblichen Machtkämpfen 
  • als äußerst kaltblütig beschrieben 
  • die Mutter hielt nach der Inspektion der Leiche weiter zu ihm, behauptete, er habe unter kriegsbedingten Krankheiten gelitten

William "Billy" Deverell:


Billy Deverell

  • Deverell war ein Komplize von Ron Launius und Freund von Joy Miller 
  • er hatte Phasen, in denen er das Gangleben genoss und Phasen, in denen er Reue zeigte 
  • dachte über einen Ausstieg nach

Joy Miller:

Joy Miller

  • Joy Miller war einst mit einem erfolgreichen Anwalt verheiratet. 
  • Später stürzte sie durch Scheidung, Drogen und gesundheitliche Probleme ab. 
  • Miller wurden nach einer Brustkrebs-OP beide Brüste amputiert.
  • Miller verfügte über genügend Geld, das Hauptquartier der Wonderland Gang zu mieten. 
  • Aufgrund des lauten Auftretens der Gang musste sie mehrmals die Vermieter beruhigen.


David Lind (bei viel späterem Prozess):
David Lind
  • David Lind war ein Biker und über die dortigen Kontakte in kriminelle Geschäfte verwickelt.
  • So bekam er Kontakte zur Wonderland Gang. 
  • Lind war nicht besonders gut auf John Holmes zu sprechen. 
  • Aufgrund seiner guten Kontakte zu Barbara Richardson verriet er die Angreifer nach ihrem Tod an die Polizei. 
  • Er starb 1995 an Heroin.


Tracy Ray McCourt:
Tracy Ray McCourt

  • Tracy McCourt wirkte in der Wonderland Gang als Händler und Fahrer mit. 
  • Beim Überfall auf das Nash-Anwesen war er der Fluchtfahrer. 
  • Später hatte er Skrupel, dass Nash der Gang auf die Schliche kommen könne. 
  • Nash verfügte über ein gewisses technisches Talent, was ihm Jahre später erlaubte, in die Mobiltelefonbranche einzusteigen.

Susan A. Launius:

Susan Launius

  • Susan Launius war die Frau von Ron Launius. 
  • Beide haben sich mehrfach getrennt. 
  • Der Wiedereinzug in das Haus an der Wonderland Avenue erfolgte unglücklicherweise gerade zu dem Moment, als die Gang um Eddie Nash zuschlagen wollte. 
  • Launius überlebte als einzige den Überfall, war aber schwer verletzt und konnte sich an keine Einzelheiten erinnern.

Barbara Lee Richardson:

Barbara Richardson


  • Barbara Richardson (Name des Vaters: Easton) wuchs zwar in bürgerlichen Verhältnissen auf, hatte aber früh einen Faible für Biker. 
  • Die Ehe der Eltern galt als zerrüttet. 
  • Easton freundete sich mit David Lind an und geriet so in den Umkreis der Wonderland Gang, ohne zu ihrem harten Kern zu gehören. 
  • Richardson nahm Drogen und hatte Tattoos. 
  • Als sie dann noch John Holmes und den hinter ihm wartenden Angreifern von Nash die Tür öffnete, war ihr Schicksal besiegelt.

QUELLEN/LITERATUR:

Wikipedia
Schiller, Dawn/Val Kilmer/Kate Bosworth: The Road Through Wonderland. Surviving John Holmes; 2010



Samstag, 6. April 2013

GESCHICHTE DER EROTISCHEN KUNST UND PORNOGRAPHIE (HISTORIA EROTICA)


[SCHWERPUNKT: EUROPA & USA]


Erotische und pornographische Darstellungen sind uns schon seit Jahrtausenden bekannt. Die genaue Abgrenzung zwischen Erotischen Darstellungen bzw. Erotica (Erotika) und Pornographie ist jedoch schwer. Erotische Darstellungen gelten noch als Kunst, während die Pornographie als härter ("gröber") und auf den Geschlechtsakt zentriert gilt. Es können aber Eigenschaften beider bei beiden vorkommen.
Die Unterscheidung zwischen Erotica und Pornographie kann auch juristische Konsequenzen haben. Im heutigen Deutschland ist das nicht mehr der Fall, in den USA aber schon. In der Wissenschaft wird für den Grenzbereich auch der Begriff "Erotographie" (Erotografie) verwendet.

Diese Darstellung konzentriert sich thematisch auf die bildende Kunst (schöne Künste; Malerei, Bildhauerei) und die darstellende Kunst (Theater, Film) und geographisch auf Europa und das moderne Nordamerika. Literatur und Musik spielen nur eine Nebenrolle.



DIE JAHRTAUSENDELANGE VORGESCHICHTE BIS ZUR ERFINDUNG DER FOTOGRAPHIE


Bereits in jungsteinzeitlichen Darstellungen wurden nackte Körper gezeigt. Dabei muss man aber unterscheiden, ob man Pornographie im engeren Sinne als Darstellung sexueller Handlungen definiert (übliche Definition) oder im weiteren Sinne als Darstellung nackter Körper.
Spätestens in den antiken Hochkulturen wurden dann die pornographischen Darstellungen verfeinert.
Im Alten Ägypten findet man erotische Darstellungen sowohl in offiziellen Monumenten wie auch beim einfachen Volk. Offizielle Darstellungen finden sich z. B. auf Tempelwänden, auf Papyri oder in Palastgebäuden. Private Darstellungen findet man z. B. auf Papyri von Bauarbeitern.
Das Phallussymbol kam sogar in der Hieroglyphenschrift vor.

"Turiner Erotischer Papyrus" (20. Dynastie)


Bei den Griechen finden sich ebenfalls erotische Darstellungen, die besonders seit der Zeit der Klassik sehr plastisch herüberkommen. Archaische Statuen wirken dagegen noch sehr statisch. Besonders in der späteren Zeit des Hellenismus waren die Skulpturen sehr "barock" und ausdrucksstark. Ihre Dynamik übertraf oft noch diejenige der Natur. Ähnliche Darstellung gab es auch auf Wandmalereien, von denen aber nicht mehr viele überliefert sind.
Erotische Darstellungen finden sie ebenso auf den zahlreich erhaltenen Vasen oder Scherben.

Griechische Vasenmalerei


Die Römer haben künstlerisch viel von den Griechen, aber auch von den Etruskern übernommen. So entwickelte sich auch ihre erotische Künst entsprechend. Neben erotischen Statuen gab es auch entsprechende Gemälde. Wie bei den Griechen sind Gemälde schlechter erhalten. Wir haben aber z. B. aus Pompeji noch viele Darstellungen.

Cubiculum in Pompeji

Durch den christlichen Einfluss wurde die Sexualität problematisiert. Das heisst aber nicht, dass es nicht schon in heidnischer Zeit Zensurversuche gab.
Im europäischen Mittelalter konnten aber trotz Kritik der Kirche erotische Darstellungen nicht ganz unterdrückt werden. In der Volkskultur lebten sie sowieso fort.
Erst in der Renaissance beschäftigte man sich wieder sachlicher mit dem menschlichen Körper. Man stellte ihn in der Kunst realistischer dar und erforschte ihn medizinisch. In die Renaissancezeit fällt aber auch die Erfindung des Buchdrucks (mit beweglichen Lettern) und eine generelle Verbesserung der Druckkunst. Die Malerei erhielt so einerseits Konkurrenz, andererseits aber auch die Möglichkeit zur schnelleren Verbreitung einiger ihrer Erzeugnisse.

Agostino Carracci: Jupiter und Juno (16. Jhd.)

Dieser Trend setzte sich auch im Barock fort, wo man einen recht üppigen Malstil pflegte. Barock gedeihte an absolutistischen Höfen und in der Kirche und wurde dort politisch zur Legitimation von Herrschaft und zu gegenreformatorischen Zwecken eingesetzt. Einflussreich wurde neben vielen anderen Darstellungsformen das Tafelbild. Das Programm war durch Allegorien gekennzeichnet.
Im darauffolgenden Klassizismus setzte man wieder auf eine nüchterne und rationalistischere Formensprache, die den griechischen und römischen Idealen der Antike folgte oder zumindest dem, was man dafür hielt. Das traf auch für Akt-Darstellungen zu.
Im 19. Jhd. folgten dann romantische und historistische Strömungen. In dieses Jahrhundert fiel aber auch die Erfindung der Photographie, so dass die herkömmliche Kunstdarstellung einerseits wieder Konkurrenz durch ein neues Medium bekam (wie beim Buchdruck), andererseits aber auch die Möglichkeit zu einer eigenwilligeren Entfaltung wie im Impressionismus und Expressionismus.

Erotische Kunst konnte in bestimmten historischen Phasen nicht offen ausgestellt werden. Antike Erotica aus Pompeji wurden z. B. in Neapel im "Gabinetto Segreto" verstaut. Im British Museum in London gab es des "Secretum" und in der Bibliothèque Nationale in Paris "L' enfer" (die Hölle). Dort wurden sogenannte Remota gelagert. Heute haben diese verborgenen Museumsbereiche zumeist ihre einstige Bedeutung verloren und führen eher zu Schmunzeln.
In den USA gibt es die Ausstellung des "Kinsey Institute for Research in Sex, Gender, and Reproduction" in Bloomington (Indiana) und die des "Institute for the Advanced Study of Human Sexuality" in San Francisco.

Es gibt aber auch bedeutende private Sammlungen.


DIE MODERNE PORNOGRAPHIE SEIT DER ERFINDUNG DER FOTOGRAPHIE

Unter moderner Pornographie versteht man erotische Darstellungen, die mit modernen Bildträgern aufgenommen und weitergereicht werden.

Diese Phase begann mit der Erfindung der Photographie im 19. Jhd. Das genaue Datum der Erfindung ist umstritten, weil es frühe Methoden der Photographie wie die Daguerreotypie gab. Man kann davon ausgehen, dass ungefähr zur Jahrhundertmitte einigermassen brauchbare Schwarzweissphotos zur Verfügung standen.

Der Film, also die bewegten Bilder, wurde auch im 19. Jhd. erfunden, und zwar gegen Ende des Jahrhunderts. Auch hier lässt sich nicht eine genaue Datierung vornehmen, da es schon vorher Experimente mit hintereinandergestellten Einzelbildern gab. Erst gegen 1895 gab es die ersten akzeptablen Filme und dann erste Vorführhäuser, die bald zu Kinos wurden.

Kaum waren diese neuen Technologien auf der Welt, folgten ihnen pornographische Werke auf dem Fuss.
Im Jahre 1896 liessen Eugene Pirou und Albert "Lear" Kirchner eine Frau für seinen Film strippen. Der Film hiess "Le coucher de la Marie" und die Darstellerin war Mlle. Louise Willy. Erste Entkleidungsszenen (Voyeurismus) waren aber schon in Georges Méliès' "apres le bal - le tub" und im Trickfilm von Émile Reynaud "autour d'une cabine" zu sehen.
Die Möglichkeiten des neuen Mediums Film faszinierten aber auch die Künstler der aufstrebenden USA.
In Österreich-Ungarn erschien 1896 der Film "Endlich allein", in dem ein Mann eine Frau auf der Toilette beobachtet.
Richtige Pornographie lieferte der französische Film "A l'Ecu d'Or où la bonne auberge" (Zum goldenen Ecu oder die gute Herberge) von 1908. Aus dieser Zeit stammt auch der argentinische Porno "El Sartorio", dessen genaue Datierung aber umstritten ist.
Auch in Deutschland blieb man nicht tatenlos: Im Jahre 1910 wurde der Film "Am Abend" gedreht. In diesem zehnminütigen Film werden weibliche Masturbation, konventioneller Sex, Oral- und Analverkehr gezeigt.

Erotischer Kurzfilm von 1905

Einmal erfunden, verbreitete sich der erotische Film rasend schnell. Schon zu Beginn des 20. Jhd.s machten aber auch die Gegner mobil und setzten viele Verbote durch. So blieb diese gerade entwickelte Kunstrichtung bis in die 1970er-Jahre problematisch.
Die ersten Filme waren oft nur wenige Minuten lang und wurden gerne in Wanderkinos gezeigt, bevor sich feste Kinos durchsetzten. Die Vorführungen fanden nur zu bestimmten Zeiten statt und wurden im deutschsprachigen Raum mit "pikante Films (für Herrenabende)", "Herren-Vorstellung mit pikantem Programm" o. ä. gekennzeichnet.
Hergestellt wurden erotische Kurzfilme in vielen Ländern, besonders oft aber in Frankreich. Dort war eine Zeit lang sogar die grosse Filmgesellschaft "Pathé" in die Herstellung involviert, bis man Angst um seinen Ruf und den Absatz regulärer Filme hatte.
In Deutschland gab es die "Venus Film" und in Österreich-Ungarn die "Saturn Film".
Man sieht, dass aus einzelnen Filmexperimenten schnell nach etablierten Regeln gedrehte Stummfilme geworden sind. Leider sind viele der frühen Produktionen nicht mehr erhalten.

In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Filmtechnologie kontinuierlich weiter. Die Filme waren zwar zunächst weiterhin stumm, bekamen aber immer öfter eine "externe" Tonspur. Allmählich setzten sich dann reguläre Tonfilme durch.
Aus den weiter wirtschaftlich fortschreitenden USA sind etliche pornographische Szenarien bekannt. Beispielsweise fährt eine Gruppe von Männern und Frauen mit einem der frühen Automobile (vgl. Tin Lizzy/Model T) ins Grüne und hat anschliessend Sex.
Die Herstellung und Vorführung der pornographischen Filme war aber weiterhin problematisch. Entweder produzierten gewöhnliche Regisseure "nebenher" einige Pornofilme oder private Akteure entwickelten ihre Filme im Badezimmer. Die Herrstellung war nicht nur juristisch, sondern auch technisch noch schwierig. Einige Produktionseinrichtungen waren auch in den Händen des organisierten Verbrechens.
Die Vorführung erfolgte dann z. B. in sogenannten Pornokinos.

In den 40er-Jahren sprach man in den USA von "stag films" (stag = Hirsch; Junggeselle) oder "blue films/blue movies".
Ihre Bewertung solcher Filme passte man wie so vieles pragmatisch der Gesamtlage an: Zunächst sah man die pornographischen Darstellungen zwar als moralisch fragwürdige Machwerke an, im Zweiten Weltkrieg wurden sie aber gerne zur Hebung der Truppenmoral eingesetzt.
Man kann aber davon ausgehen, dass der intensive Konsum von Pornofilmen im Zivilbereich nur der Oberschicht vorbehalten war.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Sexualität in Industrieländern noch stark reglementiert. Es gab aber weiter heimliche Filmvorführungen. Vorteilhaft für die Entwicklung eines Massenmarktes war die Einführung des 8mm-Films. Jetzt hatten auch Amateurfilmer die Möglichkeit, in dieser Branche besser mitzuwirken. Es wird aber auch gemunkelt, dass sich viele etablierte Regisseure mit dem Dreh und der Vermarktung von Pornos ein grosses "Zubrot" verdienten. Bekannt waren die Namen Harrison Marks und Lasse Braun. Viele Regisseure wollten aber unerkannt bleiben.

Neben den Regisseuren sollen sich auch Schauspieler als Nebenerwerb in erotischen Filmen betätigt haben. Das gilt besonders für Neulinge, die sich erst noch in der Filmbranche etablieren müssen.
Nur wenige Filme mit später bekannten Schauspielern gelangten an die Öffentlichkeit. Eine Ausnahme ist der Film "Smart Alec (Smart Aleck)" von 1951. Die Hauptdarstellerin in diesem zwanzigminütigen Schwarzweissfilm ist Candy Barr. Der Film wurde vermutlich in einem Hotel in Dallas gedreht.

In den 60ern kam mit der sog. Sexuellen Revolution auch eine Debatte über das Pornographieverbot auf. Durchgesetzt wurde in vielen Industrieländern aber erst in den 70ern. Bis heute ist aber Pornographie ein auch juristisch umstrittenes Thema.
Allgemein hatten innovative Regisseure der damaligen Zeit immer weniger Lust, in ihren Filmen nur den schönen Schein aufrecht zu erhalten, sondern wollte auch die Schattenseiten der Gesellschaft zeigen. Auch Gewalt und Sexualität wurden jetzt anders dargestellt. Kennzeichnend für diesen Sinneswandel ist der Film "Easy Rider", allerdings werden hier keine Pornoszenen dargestellt.
Als in den späten 60er-Jahren die Manson Family für ihre brutalen Exzesse berühmt wurde, fragte man sich welcher Art ihre Beziehungen zur Musik- und Filmindustrie waren. Möglicherweise hat die Family mit etablierten Regisseuren bei der Herstellung von pornographischen Filmen zusammengearbeitet.
Manson hatte nicht nur Kontakte zu den Beach Boys und vielen berühmten Künstlern und Schauspielern seiner Zeit, sondern möglicherweise auch zu Managern berühmter Filmstudios. Mitglieder seiner Family spielten nicht nur in satanistischen Filmen mit, sondern auch in sog. Sexploitation-Movies wie "The Ramrodder" von 1969. Auch der Film "The Female Bunch" (1969) spielte auf der Spahn Movie Ranch, als die Family dort zugegen war, es ist aber in diesem Fall keine Zusammenarbeit nachweisbar.

Der eigentliche Durchbruch der progressiven Ideen der 60er-Jahre erfolgte in den 70ern. Allerdings wurden die anfangs rebellischen oder gar revolutionären Ideen dabei oft zu systemimmanenten und kapitalismuskonformen Ideen transformiert.
Der erste explizit pornographische Film, der in die US-Kinos kam, war offiziell "Mona/Mona the Virgin Nymph" aus dem Jahre 1970 (Bill Osco, Howard Ziehm). Auch homosexuelle Filme kamen auf: "Boys in the Sand" von 1971 parodierte "The Boys in the Band".
1972 entstanden dann schon die Klassiker "Deep Throat", "Behind the Green Door" und 1973 "The Devil in Miss Jones". In diese Reihe gehört auch der weniger bekannte Film "Score".


Linda Lovelace

Deep Throat wurde von Gerard Damiano produziert und die Hauptrollen von Linda Lovelace (Linda Boreman) und Harry Reems (Herbert Streicher) gespielt. Die Handlung besteht darin, dass die Hauptdarstellerin sexuelle Probleme hat, mit Hilfe von Dr. Young (Harry Reems) feststellt, dass sie im Oralsex ihre Erfüllung findet und schliesslich seine Assistentin wird. 
Deep Throat bedeutete für den Pornofilm den Durchbruch und holte ihn aus den Schmuddelecken (Pornokino) in reguläre Kinos. Kritisch gesehen muss aber werden, dass der Film mit Hilfe von Mafiageldern realisiert wurde. Berühmt wurde er auch, weil dem Hauptinformanten bei der Watergate-Affäre der Name "Deep Throat" verpasst wurde.
Damiano zeichnete auch für "The Devil in Miss Jones" (1973) mit Georgina Spelvin (Michelle Gravin) und Harry Reems verantwortlich. In diesem Film geht es darum, dass Justine Jones sich das Leben nimmt und in der Hölle landet. Dort bekommt sie vom Teufel das Angebot, ihr Leben noch einmal in sexueller Freizügigkeit zu wiederholen.
In "Behind the Green Door" (1973) führten die Mitchell Brothers, Artie und James Mitchell Regie. Hauptdarstellerin war Marilyn Chambers (Marilyn Ann Briggs). Der Film handelt davon, dass die Hauptdarstellerin in ein Sextheater mit einer grünen Tür im Hintergrund entführt wird und es dort zu verschiedensten sexuellen Handlungen kommt.
(Namen wie George/Georgina Spelvin oder Alan Smithee werden in den USA gerne für Schauspieler bzw. Regisseure verwendet, die ihren richtigen Namen nicht angeben wollen. In diesem Fall übernahm die Pornodarstellerin diesen Namen aber für sich.)
Durch diese Frühwerke entstand ein regelrechter "Porn(o) Chic", eine Pornowelle. Gleichzeitig setzte aber auch eine Welle der Erotikfilme ein, die nicht unbedingt sexuelle Handlungen darstellten.
Hierher gehört der Film "Emmanuelle", eine französischer Film von Just Jaeckin aus dem Jahre 1974. Grundlage dieses Films ist ein autobiographischer Roman der Thaifranzösin Emmanuelle Arsan (Marayat Bibidh).

Zu dieser Zeit gehört auch der Name eines der berühmtesten Pornodarsteller überhaupt: John Holmes, auch (Johnny) Wadd genannt.


John "Wadd" Holmes

Holmes wurde 1969 darauf angesprochen, ob er Pornofilme drehen wolle. Damit begann eine einzigartige Karriere durch die 70er und 80er-Jahre. Holmes soll in ungefähr 2000 Filmen mitgespielt haben. Durch seine hohen Einnahmen legte er sich aber auch einen exzessiven Lebensstil zu, der ihn mit Parties, Drogen und Kriminalität in Verbindung brachte. Dadurch schwächte er seine Gesundheit, was sich wiederum auf seine Karriere negativ auswirkte und ihn noch weiter in das kriminelle Milieu verstrickte. Dies gipfelte darin, dass er Kontakte zum Diskobesitzer und Drogendealer Eddie Nash (Adel Nasrallah) und zur Wonderland Gang aufnahm und schliesslich letzterer dabei half, Nash brutal auszurauben. Nash durchschaute das Vorgehen und erpresse Holmes, ihm bei der Rache an der Wonderland Gang behilflich zu sein. Am 1. Juli 1981 überfielen Nashs Helfer das Hauptquartier der Gang und töteten 4 der 5 Anwesenden im Haus mit Schlagwaffen.
Holmes kam juristisch relativ glimpflich aus der Angelegenheit heraus und begann wieder mit dem Dreh von Pornofilmen. Dabei zog er sich aber das AIDS-Virus zu (wahrscheinlich dabei). Trotzdem drehte er weiter Filme und hielt sogar seine Infektion geheim. 1988 starb er dann in einem Krankenhaus an den Folgen der Erkrankung.

Neben der sexuellen Liberalisierung wirkte aber auch wieder die technische Revolution als Impulsgeber: Die Erfindung der Videokassette und ihre schnelle Verbreitung in den 70ern und 80ern machte die Pornographie massenhaft verfügbar. Man nimmt an, dass die Durchsetzung des Standards VHS gegen seine Konkurrenten Betamax und Video 2000 auch darauf zurückzuführen war, dass VHS als "Pornostandard" galt.

Gegen Ende des Jahrhunderts brachen dann im Pornobereich alle Dämme: Die Verbreitung leistungsfähiger Personalcomputer, die Verfügbarkeit des WWW auch in Privathaushalten, die Verbreitung von Breitbandanschlüssen und die verbesserten Speichermedien wie DVD, Festplatte, Memory Stick usw. machten Pornos nicht nur nahezu frei verfügbar, sondern auch relativ günstig. Das bedeutet nicht, dass exquisite Pornographie nicht auch danach noch teuer sein konnte, aber eine gute "Grundversorgung" war zumindest in den Industrieländern gesichert.

Die Pornobranche verzeichnet aber trotz der Mengenerhöhung des frei verfügbaren Materials noch sehr hohe Umsätze. Wirtschaftsmagazine wie der "Economist" berichten darüber. Die Gratis-Konkurrenz hat aber bei einigen Anbietern schon zu deutlichen Umsatzeinbrüchen geführt. Bekannt sind besonders Web-Portale wie Youporn, Tube8, XVideos, XHamster uvm. Durch deren Verbreitung werden auch Pornos mit bestimmten sexuellen Spielarten weiter verbreitet. Ebenso verbreitet sich die "Fachsprache" der Pornobranche. Vorher kannten die Leute vielleicht noch Begriffe wie SM oder BDSM, aber kaum Bezeichnungen wie Femdom, Maledom, CBT, CFNM, Pony Play usw.
Kostenpflichtige Web-Seiten arbeiten häufig mit Kreditkarten, aber zunehmend auch mit Micropayment-Systemen. In der Anfangszeit des WWW gab es auch Dialer, die aber durch die weite Verbreitung von DSL-Leitungen an den Rand gedrängt wurden.
Rechtlich sind Anbieter in vielen Ländern dazu verpflichtet, eine Altersabfrage durchzuführen, die aber bislang leicht umgangen werden kann.

Das Internet und das generelle wirtschaftliche Aufblühen vieler Weltregionen haben die Konkurrenz generell steigen lassen. Für die europäische Pornobranche ist die Konkurrenz v. a. aus den USA und Asien ein zunehmendes Problem. Besonders das Unternehmen Kink.com, das pornographische Websites anbietet, konnte hohe Marktanteile erobern. Kink.com bietet qualitativ recht hochwertige Filme an und bedient viele sexuelle Spielarten. Das Unternehmen wurde 1997 von dem Engländer Peter Acworth gegründet, der gerade an der Columbia Universität tätig war. 2006 kaufte man die "San Francisco Armory", ein ehemaliges Waffenarsenal der Nationalgarde, das dann zum Wahrzeichen der Firma wurde.
Für Kink.com sind oder waren Stars tätig wie Jasmine Byrne, Steve Holmes, Lorelei Lee, Shy Love, Maitresse Madeline, Mika Tan, Cherry Torn.