Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
Personen-Link: http://novatlan.blogspot.de/2014/08/personen-pool.html

Freitag, 28. Juni 2013

UNSER KETTENHEMD



Wir haben jetzt neben unseren Offensivwaffen auch unsere Defensivwaffen verbessert und uns Kettenhemden zugelegt. Hier ist eine Blitzaufnahme aus der Hand! Das Ding ist schwerer, als man glaubt. Es wehrt Schnitte von Klingenwaffen sehr gut ab, Stiche mittelgut. Probleme hat es mit Stichen, die von extrem spitzen Spiessen oder Pfeilen kommen, weil die das Hemd punktieren können, sowie mit Wuchtwaffen, die die Knochen unter dem Hemd zerstören können.


KETTENHEMD (Kettenpanzer, Kettenrüstung, Ringpanzerhemd u. a.):

Ein Kettenhemd ist eine Rüstungen aus vielen ineinander verflochtenen Metallringen. Mit der Zeit entwickelte man Methoden, diese Ringe zu verschweissen. Diese Metallringe sind meist nur wenige Millimeter gross.
In der Literatur finden sich verschiedene Bezeichnungen für Kettenhemd. Manche halten den Begriff auch für zu populärwissenschaftlich und verwenden Begriffe wie "Ringpanzerhemd". Allerdings kann man unter Ringpanzern auch Panzer mit grossen aufgenähten Ringen verstehen.

Kettenhemden gibt es seit den Jahrhunderten vor Christus. Ihre Entwicklung wurde den Kelten zugeschrieben. Einzelheiten sind aber nicht mehr nachweisbar. Bislang sind seit dem 4. Jhd. v. Chr. Exemplare nachweisbar.
Die Römer übernahmen dieses Rüstungsprinzip für Jahrhunderte. In der Hochzeit ihrer Macht trugen die Legionäre aber auch Lamellenpanzer. Sie nannten Kettenhemden lorica hamata.
Im Mittelalter blieben verschiedene Modelle des Kettenpanzers weiter in Gebrauch. Allerdings wurden seit dem Hochmittelalter die Panzerbrechenden Nahkampfwaffen sowie die Fernwaffen incl. Feuerwaffen so gut, dass der Kettenpanzer durch Metallplatten verstärkt werden oder gar durch einen Plattenpanzer ersetzt werden musste.
In der Neuzeit wurden Panzerungen für Soldaten (ausser spezieller Stahlpanzerung) generell fragwürdig und man verwendete das Rüstungsmaterial v. a. im Handwerk.

Der Vorteil von Kettenhemden ist ihr guter Schutz gegen Schnitte bei einer relativen Flexibilität der Rüstung. Die Rüstung ist auch relativ leicht, obwohl sich Anfänger wundern, dass sie doch einiges auf die Waage bringen kann.
Der Nachteil von Kettenhemden besteht in ihrem mangelhaften Schutz gegen besonders angespitzte Stichwaffen sowie gegen Wuchtwaffen, die Gewebe unterhalb des Kettenhemdes zerstören können.




Samstag, 22. Juni 2013

JESS BRAVIN: SQUEAKY


Squeaky, by Jess Bravin


INHALT bis Kapitel 5 einschliesslich:

Kapitel 1: Die Kindheit und Jugend von Lynette Fromme.

Kapitel 2: Die Formung von Charles Manson bis zu seiner Freilassung im Summer of Love 1967.

Kapitel 3: Der freigelassene Manson beginnt, Anhänger um sich zu scharen und zu einer Gruppe zu formen.
(Frühjahr 1968)

Kapitel 4: Manson beschliesst, dass man nicht immer an einem Ort bleiben kann und will das Haus von Dennis Wilson verlassen. Dabei ergibt sich mit der Spahn Ranch eine neue Alternative. Doch die Auseinandersetzungen im Drogenmilieu spitzen sich zu und Manson beschliesst, die später so genannten Tate-LaBianca-Morde zu begehen.
(Sommer 1968 - Sommer 1969)


Kapitel 5: Die Ermittlungsbehörden kommen den Tate-LaBianca-Morden langsam auf die Schliche und am Ende wird Charles Manson der Prozess gemacht. Einer der Anwälte der Family ist Paul Fitzgerald.
Die freien Mitglieder der Gruppe versuchen, Zeugen zu beeinflussen (z. B. mit LSD im Hamburger).
Dann verschwindet der Anwalt Ron Hughes. Der Prozess endet trotzdem mit der Todesstrafe.


KAPITEL 6

S. 144

Nachdem der Prozess aus Sicht der Manson-Anhänger fehlgeschlagen war, wollte sich Lynette Fromme einem grossen Buchprojekt widmen.

(...)

S. 147 f

Mitte 1971 traf Lynette Fromme Steve Bekins, ein Mitglied der Aryan Brotherhood. Bekins hatte eine lange Liste von Delikten angesammelt, darunter Einbruch, bewaffneter Raubüberfall und Drogenvergehen.
Bekins war mehrere Jahre in San Quentin und Folsom inhaftiert. Er wurde dann zum Staatsgefängnis Chino gebracht, um an einem Wiedereingliederungsprogramm teilzunehmen (und erhielt dafür einen Tagespass).
Das war eine Bedingung für eine Freilassung auf Bewährung.

Steve Bekins hatte schon vorher Kontakt zu den Manson-Frauen und nutzte nun seine kurze Freiheit, um an der Ecke Temple/Broadway vorbeizuschauen. Dort traf er für kurze Zeit Brenda, Sandy und Lynette. Bekins war aber irritiert über die kahlgeschorenen Frauen, die Charles Mansons ("Charlies") seltsame Botschaften herunterbeteten. Bekins wollte stattdessen lieber Heroin kaufen.

Bekins ging daraufhin nach Chino. Er sollte an einem sechsmonatigen Kurs teilnehmen, um andere Verurteilte beraten zu können. Bekins hatte jedoch keine Lust, sich so einem Programm anzupassen und landete stattdessen in Einzelhaft.
Trotzdem stand seine Chance auf Bewährung noch offen, weil Gouverneur Reagan den Staatshaushalt durch eine Reduzierung der Gefängnispopulation ausgleichen wollte. Innerhalb von zwei Jahren wurde deshalb fast ein Drittel der Gefängnisbesatzung freigelassen (was die Verbrechensrate drastisch erhöhte!).

Bekins nutzte seine Zeit in Einzelhaft dazu, verschiedene Texte zu lesen, darunter auch die Artikel im "Esquire" über die Manson Family. Dann erhielt er einen Brief von Brenda, die mitteilte, dass man von seiner bevorstehenden Freilassung gehört habe. Sie lud ihn ein, zum neuen Aufenthaltsort der Familie in Hollywood zu kommen.

Die Manson-Frauen hielten zwar immer noch gelegentlich Mahnwachen vor der Hall of Justice ab, lebten aber ansonsten auf Initiative Fromms in einem sechsstöckigen historischen Gebäude in der Melrose Avenue 5244 (nahe Wilton Place, nahe den Raleigh Studios und nahe dem Haus der Paramount Pictures).
Die Gegend war nicht besonders gut in Schuss. Sie war aber sehr anonym und die Vermieter stellten nicht viele Fragen. In der Nähe lebten auch Crystal und andere Manson-Anhänger. Lynettes Wohnung (Nr. 107) war einfach eingerichtet. Auf dem Boden lagen die Matrazen der Kommune. Man hatte wenig Geld, kam aber durch. Statt Acid nahm die Kommune jetzt aber Amphetamine und Lynette Marihuana.

Fromme schrieb weiter an ihrem Buch auf einer tragbaren Schreibmaschine und beobachtete die Nachbarschaft. Sandra Good war wegen ihrer Beihilfe beim Como-Fluchtversuch immer noch in Haft. Lynette ("Lyn") und Sandy waren besonders eng befreundet. Fromme kümmerte sich auch um andere Gefangene und den Kontakt zum Anwalt Paul Fitzgerald.
Der freie Teil der Manson-Family hatte aber auch noch Kontakte zu diversen anderen Akteuren, darunter vielen AB-Mitgliedern. So kam auch Steve Bekins anfang 1972 vorbei.
Dabei war Bekins, der per Anhalter von Chino nach Hollywood gelangt war, überrascht, welch junge und hübsche Frauen er vorfand. Diese waren nicht mehr kahlgeschoren, wie noch bei den Protesten vor dem Gerichtsgebäude. Er selbst kam aus der Mittelschicht und hatte sich dann für die Rebellion entschieden.

Steve Bekins stammte aus einer Familie, die durch eine Umzugsfirma wohlhabend geworden ist, deren nordwestlichen Zweig von Steves Vater, Bruce Bekins, von Portland aus gelenkt wurde. Steve Bekins geriet schnell in Konflikte. Seinte Mutter starb, als er neun war und sein Vater heiratete deren Krankenschwester.
Das löste in der Familie zahlreiche Konflikte aus, so dass Steve in Heime und ins Militär geschickt wurde.
Das führte aber nur dazu, dass sich Bekins erst recht mit den Idealen von Kriminellen und Ausgestossenen identifizierte. Dabei lernte er auch Gary Gilmore kennen (MacLaren School for Boys, Woodburn, Oregon), der 1977 für seine Verbrechen erschossen wurde. Der Fall Gilmore wiederum inspirierte den Schriftsteller Norman Mailer, "The Executioner's Song" zu schreiben.
Steve Bekins nahm mit 17 schon Heroin und flog ein Jahr später wegen Autodiebstahls aus der Army.
Wegen Einbruchs und bewaffneter Raubüberfälle landete er später im Oregon State Penitentiary in Salem und in San Quentin. Bekins wurde daraufhin von seiner Familie enterbt.
Durch seine körperliche Fitness und seine Redegewandtheit kam er aber bei Frauen gut an.


(...)


S. 154

Manson hatte den Frauen beigebracht, dass sie sich Männern unterzuordnen hatten. Da er nun nicht mehr körperlich erreichbar war, mussten sie sich neue Lebensgefährten suchen. Dabei orientierten sie sich an der AB.

Lynette Fromme lebte nicht mit Männern, sondern mit Heather und Reni Willett zusammen.
Sandra Good lebte mit Steve Bekins zusammen, Nancy Pitman mit "Red Eye".

(...)

---

AUTOMATIC TRANSLATION:
(babylon.com)

p. 147

Mid 1971 met Lynette Fromme Steve Bekins, a member of the Aryan brotherhood. Bekins had accumulated a long list of offenses, including burglary, armed robbery and drug-trafficking. Bekins was several years imprisoned in San Quentin and Folsom. He was then brought to the state prison in Chino, to participate in a rehabilitation program (and received a one-day pass). That was a condition for a release on probation.

Steve Bekins already had contact with the Manson women and used his brief freedom, in order to visit the corner Temple/Broadway on Saturday. There he met for a short time Brenda, Sandy and Lynette. Bekins was somewhat irritated by the shaven-headed women, citing Charles Manson's ( "Charlie'ss") strange messages. Bekins instead wanted to buy heroin.

Bekins then went to Chino. He should be on a six-month course, condemned to other advice. However Bekins had no desire to adapt a program instead and ended up in solitary confinement. Nevertheless, it was his chance to leave prison with his sentence still open, because the state budget governor Reagan by wanted to compensate the state budget for a reduction of the prison population.
Within a period of two years was therefore almost a third of the prison population released (what the crime rate drastically increased! ).

Bekins used his time in solitary confinement, to read different texts, including the article in the "Esquire" on the Manson family. Then he received a letter from Brenda, announced that they have heard of his imminent release. They invited him to the new place of residence of the family in Hollywood.

The Manson women vigils were still occasionally before the Hall of Justice, but they otherwise lived on the initiative of Fromm in a six-story historic building in the 5244 Melrose Avenue (near Wilton place, near the Raleigh Studios and near the house of Paramount Pictures). The area was not very well maintained. But it was very anonymous and the landlord did not ask many questions. Also lived in the nearby Crystal and other Manson followers.
Lynettes apartment (no 107) was simply furnished. On the floor were the mattresses of the commune. They had little money, but as a result the family lived on. But now the municipality instead of acid took amphetamines and Lynette marijuana.

Fromme wrote her book on a portable typewriter and observed the neighborhood. Sandra Good was because of her aid when Como's attempt to escape was still in custody. Lynette ( "Lyn") and Sandy were particularly close friends. Pious took to other prisoners and the contact with the lawyer Paul Fitzgerald. The free part of the Manson-Family but also had still have some contacts to various other actors, including many members of the AB.
As a result, Steve Bekins arrived early in 1972. It was Bekins, hitchhiking from Chino to Hollywood, who was surprised how young and pretty women he has found. These girls were not more bald-headed, as still in the protests in front of the courthouse. He himself came from the middle class, and then had decided for the rebellion.

Steve Bekins came from a family that has become wealthy by a moving company, whose north-west branch by Steve's father, Bruce Bekins, was directed from Portland. Steve Bekins soon ran into conflicts. His mother died when he was nine and his father married the nurse. This has caused a number of conflicts in the family, so that Steve went to reform schools and was sent in the military.
The only resulted to that Bekins identified with the ideals of criminals and outcasts much more. He also met with Gary Gilmore now (MacLaren School for Boys, Woodburn, Oregon), who was shot dead in 1977 for his crimes. The case Gilmore in turn inspired the writer Norman Mailer, to write "The Executioner's Song".

Steve Bekins took heroin at the age of 17 and was thrown out of the army one year later. Because of  burglary and armed robbery he later was sent to the Oregon State Penitentiary in Salem and in San Quentin. Bekins was then disinherited by his family. By his physical fitness and his eloquence he was liked by women.



Freitag, 21. Juni 2013

MORDOPFER AUF ST. PAULI - DIE 80ER-JAHRE

Anhang:
Die Banden auf St. Pauli



03.80 Peter Klingebiel
V-Mann;
Tod auf den Gleisen des U-Bhf.s Borgweg


Spiegel










29.09.81 Fritz Schroer Zuhälter und Drogendealer;
genannt "Chinesen-Fritz";
in der Ritze (Kneipe) erschossen;

Täter unbekannt, 
Dietmar Traub? (Vermutung: D. Lindlau) 



Quick, Spiegel, stern
Ende 81 Christian Christiansen
V-Mann;
Tod durch Alkohol und Tabletten;
vermutlich Mord



Spiegel
Ende 81 Uwe Kommander
V-Mann;
Tod durch Alkohol und Tabletten;
vermutlich Mord


Spiegel










01.82 Helmut Ohlerich
V-Mann;
Tod durch Schläge auf den Kopf und Werkstattbrand;
vermutlich Mord



Spiegel
12.04.82 Dieter Mohr
Kassier der GMBH;
Stellvertreter von Michael Luchting;
erschossen in Kiel;
Täter klingelte(n) als Polizist(en) verkleidet an Wohnung des Opfers;

Ähnlichkeiten zum Mord an Jehuda Arzi;
Zusammenhang mit Fall Luchting? 



Quick
31.05.82 (vorher) Heinz Dieter Förster Der „Wucherer von St. Pauli“;
Erschlagen im Auto (Audi) gefunden.
Zusammenhang mit Fall Luchting?




Quick
03.06.82 Dieter Glocke bedeutender Zuhälter;
starb, nachdem er 2 Tage zuvor von einem Auto überfahren wurde (gelber VW Variant);
wollte ein Bordell für Frauen errichten




Quick
11.10.82 Hans Wenck Wirtschafter im Eros-Center;
erstochen, nachdem er sich in einen Streit zwischen Zuhälter und Prostituierter einmischte



Quick
16.10.82 Michael Luchting
das M der GMBH; 
genannt "Schöner Mischa"; 
erhängt bei Hamburger Hochsitz;
möglicherweise erzwungener Selbstmord;
Täter: unbekannt, mglw. GMBH, Pinzner oder Kombinationen von Tätergruppen



stern, Spiegel
20.10.82 f Jürgen Becker,
Klaus Breitenreicher
Zuhälter;
im Eros-Center erschossen;

Täter: Schmidt, Gebauer, Pohndorf aus dem Kreis
der GMBH



Spiegel, 
Quick
25.11.82 Frank Schrubarz
„Sachsen- Franky“
von Ex-Freundin in seiner Wohnung in Blankenese erschossen (Potosistrasse 33);
möglicherweise aber geplanter Mord, Mittäter


HA










07.07.84 Jehuda Arzi Zuhälter (Drogengeschäfte); 
aktiv in Frankfurt, Konstanz, Kiel und anderswo 



Spiegel
13.09.84 Peter Pfeilmeier
Wirtschafter;
in seinem Auto erschossen (Pontiac Firebird)
Täter: Werner Pinzner, Armin Hockauf 


Spiegel
11.84 Charly Lienau
Diskobetreiber und Zuhälter (Drogengeschäfte); 
mit 3 Schüssen getötet und in Ölfass betoniert



Spiegel
14.11.84 Dietmar Traub
Zuhälter und Friseur; 
auf einer Fahrt in Bayern an einem Waldstück erschossen.


Spiegel










04.85 Waldemar Dammer
genannt "Neger-Waldi";
Zuhälter (Drogengeschäfte);
Partner u. a. von Stefan Hentschel;
Erschossen in seinem Haus, während er mit Komplizen über Kokaingeschäfte verhandeln wollte;
Täter: Werner Pinzner, Siggi Träger;
Auftraggeber: umstritten (Peter Nusser? Chikago?)

Spiegel










06.87 Bernd Wünsch erschossen;
Leiche auf/hinter einem Komposthaufen gefunden;

unklar, ob Mord oder Selbstmord



Spiegel
11.87 Uwe Bolm
mit einer Schrotflinte erschossen;
verschiedene Tattheorien:
- Verhinderung seiner Aussage Prozess um Pinzner-Hintermänner
- Streit mit Walter Vogeler von der GMBH
- Streit mit Geldeintreiber 



Spiegel u. a.














Mittwoch, 12. Juni 2013

VORTRAG: KAPITALISMUSKRITIK ALS SÄKULARE HEILSLEHRE - DIE ENTWICKLUNG DES SOZIALISMUS VON DER UTOPIE ZUR WISSENSCHAFT


Französische Erstausgabe, 1880

1. Der Anspruch auf eine Wissenschaftlichkeit des (eigenen) Sozialismus -  
Hauptschrift: "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" (F. Engels)

Die "Entwicklung" ist eine Schrift von Friedrich Engels aus dem Jahre 1880 und gleichzeitig auch ein Postulat, einen Sozialismus auf wissenschaftl. Grundlage zu entwickeln, der sich vom früheren, "utopischen abgrenzt.

Die Schrift basiert auf der Schrift "Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft" ("Anti-Dührung")
von Karl Marx und Friedrich Engels, die 1877 f  im Vorwärts publiziert wurde. Die Schrift war ursprünglich (Titel!) als eine Auseinandersetzung mit Eugen Dühring innerhalb der Sozialdemokratie konzipiert, wurde aber de facto zu einer Programmschrift, die Grundzüge des Marxismus darlegt. Dabei geben Marx und Engels aber ihre Version des Sozialismus wieder und grenzen diese von anderen Vorstellungen deutlich ab.

Kernaussagen:

- Def. "moderner Sozialismus":
1. Inhalt: Erzeugnis der Anschauung der gesellschaftlichen Klassengegensätze und der in der Produktion herrschenden Anarchie
2. Theorie: Anknüpfung an die Ideen der franz. Aufklärung, zentrale Rolle des "denkenden Verstandes"
-> Gegensatz zwischen (materiellem) Inhalt und Theorie; "Welt auf den Kopf gestellt" (Hegel)

- das "Reich der Vernunft" der frz. Aufklärung ist materiell nichts anderes als das "Reich der Bourgeoisie":
a) Gerechtigkeit > Bourgeoisjustiz
b) Gleichheit > bürgerliche Gleichheit vor dem Gesetz
c) Menschenrecht auf Eigentum hat Priorität
-> Vernunftstaat (Rousseaus Gesellschaftsvertrag) > bürgerlich-demokratische Republik

- Hauptproblem: die bürgerliche Klasse gibt sich als Vertreterin der ganzen (nicht-feudalen) Gesellschaft;
sie nimmt aber nicht die Interessen des citoyens (Staatsbürger) wahr, sondern des bourgeois (Besitzbürger)

- bei jeder bürgerlichen Bewegung zeigten sich aber schon proletarische Anteile (unfertige Klasse):  Reformation/Bauernkrieg > Wiedertäufer und Thomas Müntzer, englische Revolution > Leveller,
französische Revolution > Baboeuf;

- daneben gab es auch erste Ansätze einer modernen Theoriebildung:
a) frühe utopische Schilderungen idealer Gesellschaftszustände,
b) kommunistische Theorien (Morelly, Mably; "asketischer/spartanischer Kommunismus"),
-> Gleichheitsforderung nicht nur auf politische Rechte beschränkt
c) utopischer Sozialismus (heute: Frühsozialismus), vertreten durch Saint-Simon, Fourier, Owen u. a.
-> Befreiung nicht einer Klasse, sondern der ganzen Menschheit;
trotzdem ist für Engels eine Abgrenzung von der "unvernünftigen" bürgerlichen Welt der Aufklärer nötig;
dass die wirkliche Vernunft jetzt erkannt wird, liegt am "genialen einzelnen Mann"

- die "ewige Vernunft" der Aufklärung war nichts anderes als der "idealisierte Verstand des (...) zum Bourgeois sich fortentwickelnden Mittelbürgers"

- französische Revolution: der "Vernunftsstaat" (Rousseauscher Gesellschaftsvertrag) ging in die Brüche und brachte eine Schreckenszeit (la terreur), ein korruptes Direktorium und dann napoleonischen Despotismus hervor
-> endloser Eroberungskrieg statt ewigem Frieden

- die Beseitigung der Privilegien wurde zu einer "Freiheit des Eigentums", aber sie verstärkte den Druck auf die wirtschaftliche Abhängigen (Kleinbürger und Kleinbauern);
[mit der Beseitigung der Privilegien wurden auch kirchliche Sozialeinrichtungen dezimiert]
-> die Freiheit des Eigentums wird erlebt als "Freiheit vom Eigentum"

- zusätzlich zur französischen Philosophie des 18. Jhd.s trat die deutsche Philosophie und fand - nach Engels Meinung - in Hegel ihren Abschluss
-> Wiederaufnahme der Dialektik der alten Griechen (v. a. Aristoteles) als der "höchsten Form d. Denkens"
-> der Mensch erkennt die Bedeutung von Bewegung, Veränderung, historischer Zielgerichtetheit...

- in der neuzeitlichen Philosophie gab es zwar auch Dialektiker (z. B. Descartes und Spinoza), diese Ansätze blieben aber durch englischen und später französischen Einfluss immer mehr in der Metaphysik stecken

- trotz seiner Leistungen ist der Hegelsche Idealismus nicht ausreichend, weil er epochal beschränkt war und "alles auf den Kopf stellte"; er musste daher durch den Materialismus abgelöst werden

- naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinn, ökonomische Umwälzungen und Klassenkämpfe im 19. Jhd. unterstützten diesen Prozess

=> der Weg zu einem wissenschaftlichen Sozialismus ist geebnet


2. Friedrich Engels und der Historische Materialismus

- Engels beansprucht eine exakte Wissenschaft zu betreiben

-> Historischer Materialismus soll objektiver Wahrheit entsprechen

- der Historische Materialismus betrachtet den Geschichtsverlauf als eine durch sozioökonomische Prozesse gesetzmässig bestimmte Entwicklung der menschlichen Gesellschaft

- materielle Triebkräfte der Gesellschaftsentwicklungen sind sozioökonomische Widersprüche, die die Gesellschaftsformationen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen kennzeichen

- es kommt gesetzmässig zur Herausbildung einer neuen Gesellschaftsformation

- Anwachsen der Produktivkräfte vergrößert Widersprüche der Produktivverhältniss

-> Widersprüche verschärfen den Klassenkampf – Produktionsverhältnisse werden umgeworfen
und auf nächste Stufe gehoben.

- die verschiedenen Stufen des Historischen Materialismus:

Urgesellschaft/Stammesgesellschaft: gemeinsames Eigentum, keine Klassen
Sklavenhaltergesellschaft: Sklavenarbeit, Sklavenhalter und Sklaven
Feudalismus: Ständegesellschaft, Lehnsherrn und Leibeigene
Kapitalismus: Lohnarbeit, Bourgeoisie und Proletariat
Sozialismus: Diktatur des Proletariats (verschärfung des Klassenkampfes), Produtionsmittel in
der Hand des Proletariats
Kommunismus: Klassenlose Gesellschaft, absterben des Staates

- Kommunismus als statisches Ende der Geschichte

- Verschärfung des Klassenkampfes kann als Automatismus aufgefasst werden

-> Determinismus

- Geschichtsverlauf führt unausweichlich zum Kommunismus (ähnlich einem endzeitlichen
Versprechen; Eschatologie)

-> Gefahr, der Auffassung des Historischen Materialismus als Versprechen des
Paradieses im Diesseits.


3. Lenins Geschichtsverständnis: Historischer Materialismus mit Modifikationen

- Lenins Geschichtsverständnis beruht auf der Grundlage des Historischen Materialismus von Marx und Engels; Lenin führt aber aufgrund der ausbleibenden Revolution in den entwickelten Industrieländern an ihrer Lehre eine Reihe von Modifikationen durch

- bestimmte Entwicklungsstufen müssen durchlaufen werden

- aber: in den entwickelten Industrieländern hat sich eine "Arbeiteraristokratie" herausgebildet, die nur noch über ein trade-unionistisches (gewerkschaftliches) Bewusstsein verfügt und nicht mehr über ein revolutionäres; diese Arbeiteraristokratie profitiert von der Ausbeutung unterentwickelter Länder auf dem Weltmarkt
[der Begriff Arbeiteraristokratie wurde schon von Marx/Engels gebraucht, aber von Lenin verschärft]
-> Imperialismustheorie

- aber: Möglichkeit des schnelleren Durchlaufen einer Stufe (mit nachgeholter kaptitalistischen Entwicklung und unter Herrschaft der Kommunistischen Partei)
-> gerade bei Lenin von besonderer Bedeutung: Gewalt

- Gewalt = integraler Bestandteil von Revolutionen; notwendig zum stürzen einer
Klasse und dem etablieren einer neuen Klassenherrschaft (bei Marx bzw. Engels war dieser
explizite Bezug noch nicht derart konkret).


4. Problematische Wirkung des wissenschaftl. und historisch-determ. Sozialismusverständnisses:
Hauptschrift: "Der Dampf-Marxismus von Friedrich Engels" (Michael Vester)

- es gibt viele Marxismen;
Bsp.: den von Marx und Engels, von Lenin, den der Frankfurter Schule, den der Unterentwicklung/III. Welt

- es besteht ein Dualismus von Wissenschaft und sozialer Bewegung;
Bsp.: einige Schriften von Marx/Engels wirken deterministisch und abstrakt, andere wie das "Manifest" oder der "Brumaire" konkret und voluntaristisch-verändernd

- der Determinismus (Automatismus): wenn man etwas als vorherbestimmt betrachtet, kann das zu einer Fixierung des Denkens/Handelns führen; der Weg erscheint klar, das Endziel per se als notwendig und gut

- reagiert dieses Sozialismusverständnis nicht auf zeitgenössischen "Wissenschaftsmoden"?
Bsp.: Linkshegelianismus, Evolutionslehre von Charles Darwin

- ein festes und auf ein bestimmtes Endziel fixiertes Geschichts- und Gesellschaftsbild, kann die Frage aufwerfen, ob man den Weg dorthin nicht etwas "verkürzen" könne, z. B. durch Terror und Gewalt

- diejenigen, die dem als wissenschaftlich begriffenen Weg und Endziel im Wege stehen, könnten als "Feinde des Sozialismus" gebranntmarkt werden;
Bsp.: Wladimir I. Lenin, Leo Trotzki, Mao Tse-tung, Lin Piao, Pol Pot/Saloth Sar

- wenn man so von der Richtigkeit des Sozialismus' und von einem bestimmten Weg dahin überzeugt ist, stellt sich die Frage, ob man trotz des vorgeblichen Atheismus nicht eine neue Heilslehre vertritt

- hat dieses Sozialismusverständnis nicht in Wahrheit religiöse und irrational-psychologische Motive?
a) christlich-jüdischer Kulturhintergrund mit Vorstellung einer Eschatologie, einer Lehre von den letzten Dingen (τα εσχατα/ta eschata) - bei Marx und Engels selbst und bei vielen ihrer Anhänger
b) psychologische Motive:
Friedrich Nietzsche: Sozialismus als Philosophie des Neids und Grolls (Nivellierung nach unten);
Walter Theimer: Sympathie für Marxismus aus persönlicher Unzufriedenheit (nicht aus Wissenschaftlichkeit)


5. Literaturliste

- Engels, Friedrich: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft;
  in: Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd. 2, S. 103 - 140
- Kolakowski, Leszek: Der Mythos der menschlichen Einheit
  in: Der Mensch ohne Alternative, München 1976, S. 287 - 310
- Lenin, W. I.: Staat und Revolution
  in: Lenins Werke Bd. 25, Berlin 1981, Kap. III., S. 426 - 440
- Marx, Karl: Randglossen zur Kritik des Gothaer Programms
  in: Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd. 2, S. 11 - 28
- Marx, Karl: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte;
  in: MEW Bd. 8, S. 111 - 207
- Marx, Karl/'Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei; London 1848;
  in: MEW Bd. 4, S. 459 - 493
- Nietzsche, Friedrich: Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister; 1878 - 80 KSA 2
- Thaa, Winfried: Marx und die Entfremdung.
  Verdienste und falsche Versprechungen der Entfremdungskritik,
  in: Sowi 28 Jg. H 3/1999, S. 208 - 214
- Theimer, Walter: Der Marxismus - Lehre, Wirkung, Kritik; Graz 2005
- Vester, Michael: Der Dampf-Marxismus von Friedrich Engels
  in: Prokla 43, 11. Jg., S. 85 - 102










Sonntag, 9. Juni 2013

VORTRAG:
DIE AUSSENHANDELSBEZIEHUNGEN THAILANDS


1. Grundzüge der Aussenhandelsbeziehungen

Aussenhandel (internationaler Handel): Aussenhandel ist der Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital über internationele Grenzen (Hoheitsgebiete). Er weist in vielen Ländern eine bestimmte Abhängigkeit vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf.
Die Exportquote gibt das Verhältnis der Exporte zum BIP an. Der Offenheitsgrad ist der Mittelwert von Exportquote und Importquote.

Thailand exportiert traditionell in die Grossregionen Nordamerika, Japan und Europa.
Der grösste Exportmarkt Thailands waren lange Zeit die USA, Japan und die EU. Auf der Seite der Einfuhren standen die USA hinter Japan an zweiter Stelle. Durch das wirtschaftliche Anwachsen der Region Südostasien sowie Chinas änderten sich aber die Exportströme etwas.
Nach der Überwindung diverser Wirtschaftskrisen (Flutkatastrophen, Finanzkrisen) konnte Thailand auch in diese neuen Wirtschaftsregionen seine Ausfuhr steigern. Auch Afrika wird inzwischen als Markt anvisiert.
Heute erfolgen thailändische Exporte in die ASEAN-Staaten (24,7 %), China (11,7 %), Japan (10,2 %), die USA (9,9 %) und die EU (9,5 %).
Wenn man die ASEAN-Staaten nicht als Einheit sieht, dann sind China, Japan und die USA die Hauptexportländer. Innerhalb der EU ist Deutschland Thailands wichtigster Handelspartner.
Importländer sind Japan (20 %), die ASEAN-Staaten (16,3 %), China (14,9 %), Naher Osten (12,9 %), EU (8 %), USA (5,2 %).

Im Jahre 2012 erreichten die thailändischen Exporte eine Höhe von 177 Mrd. €.
Die thailändischen Importe beliefen sich 2012 auf 194 Mrd. €.

Quelle: Auswärtiges Amt 2012

Exportierte Waren sind: Elektronikwaren, Autos, Autozubehör, Chemie, Textilwaren, Möbel, Schmuck und Edelsteine und landwirtschaftliche Produkte (Reis (Mekong-Region!), Kautschuk, Meeresfrüchte).
Dadurch, dass Thailand auch Autos japanischer Provenienz exportieren kann (Toyota, Nissan usw.), verbessert es seine Handelsbilanz im Autosektor.
Exportierte Dienstleistungen sind: Restaurants, Bäder; neuerdings aber auch Architekturberatung, Unterhaltungsindustrie und Medien (sog. "Content Industry").

Die Exporte lassen sich noch weiter aufschlüsseln:
Die Elektroindustrie liefert ungefähr 1/3 der Exporteinnahmen. Dieser Industriezweig ist besonders berühmt für seine Festplatten (HDD) und seine Integrierten Schaltkreise (IC) und liegt damit hinter Singapur in der Region vorne.
Die Autoindustrie ist ebenfalls sehr wichtig. Fast alle internationalen Autohersteller haben in Thailand Niederlassungen, darunter Ford, GM, BMW, Daimler-Chrysler, Mitsubishi, Mazda, Toyota, Isuzu, Honda und Nissan.
Berühmte Firmen sind Star Microelectronics als Full-Service-Hersteller der Mikroelektronik mit grossen Entwicklungskapazitäten und die Charoen Pokphand Group, die ein Mischunternehmen in den Bereichen Landwirtschaft, Einzelhandel und Telekommunikation ist.

Importierte Waren sind: Maschinen, Maschinenteile, integrierte Schaltkreise, Chemikalien, Rohöl, Treibstoffe, Eisen und Stahl.

Thailand ist Mitglied der WTO und und der Cairns Group und ist als Mitglied der ASEAN Teil der "ASEAN Free Trade Area" (AFTA), an deren Aufbau es massgeblich mitarbeitete.

Thailand besitzt eine aufstrebende Wirtschaft und wird als Schwellenland bzw. NIC (Newly Industrialized Country) bezeichnet. Zwischen 1985 und 1996 betrug das Wirtschaftswachstum durchschnittlich 12,4 % pro Jahr. Dann kam es durch die Finanzkrise (die v. a. durch Thailand ausgelöst wurde) zu einem herben Dämpfer, der die Regierung Chavalit Yongchaiyudh das Amt kostete.
Die thailändische Wirtschaft konnte sich aber schon 1999 und 2000 gerade durch die hohen Exporte erholen und wuchs wieder um gut 4 % pro Jahr. Im Jahre 2001 erhielt die Wirtschaft des Landes wieder einen leichten Dämpfer durch die weltweite Konjunkturabschwächung, aber schon in den folgenden Jahren lag das Wachstum wieder > 5 % und ab 2005 knapp < 5 %. Anhänger des damaligen Regierungschefs Thaksin Shinawatra (2001 - 2006) führten das auf seine weise Wirtschaftspolitik zurück ("Thaksinomics").
2008 geriet das Land aber wieder in den Strudel der weltweiten Wirtschaftskrise, erholte sich aber wieder.
Es sieht aber so aus, als ob dem Land weiterhin Wachstumsraten um 5 % gelängen.


2. Perspektiven der Aussenhandelsbeziehungen

Thailand treibt die Integration der Märkte im Zusammenhang der ASEAN mit Nachdruck und Erfolg voran.
Das Land hat bereits seit 2007 mit Japan ein Freihandelsabkommen.
Seit Anfang 2010 gibt es innerhalb der ASEAN-6-Länder ("Top 6") für fast alle Produkte Zollfreiheit.
Auch gegenüber China visiert man eine Politik der Zollfreiheit an, deren Umsetzung aber langsam vorangeht.
Gegenüber Südkorea verhält man sich ähnlich.
Ebenso ist die Position gegenüber der EU und Deutschland. Hier stehen die Verhandlungen aber noch ganz am Anfang: Thailand will unter der Führung der USA an Verhandlungen zu einem "Trans Pacific Partnership"-Freihandelsabkommen teilnehmen.
Thailand hat auch bereits bestehende Freihandelsabkommen erweitert, wie z. B. mit Australien und Neuseeland (2009) oder strebt eine solche Erweiterung an, wie mit Indien.

Wenn die ASEAN bei der Regulierung von Thailands Aussenhandelsbeziehungen eine immer wichtige Rolle spielt, muss man ihre Struktur untersuchen : Was ist die ASEAN?

Die ASEAN ist die Association of Southeast Asian Nations. Sie wurde 1967 (8.8.) im Bangkok-Vertrag gegründet. Die Gründerstaaten waren Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Singapur.
Der Sitz ihrer Organe (nicht: Hauptstadt) liegt in Jakarta.

Die Mitgliedsländer sind:
- Brunei
- Kambodscha
- Indonesien
- Laos
- Malaysia
- Myanmar (Burma)
- Philippinen
- Singapur
- Thailand
- Vietnam

Die ASEAN gilt neben Japan und China als dritte Wachstumsmaschine Asiens. Sie umfasste 2012 605 Mio. Einwohner (Thailand 68, Indonesien 238!) und ihr BIP 2011 2.178,148 Mrd. US$. (Thailand 346, Indonesien 847) Ihre Wachstumsraten sind zwar in den letzten Jahren gefallen, betrugen aber nach 2010 noch ungeführ 5 % p. a.
Die ASEAN erstreckt sich dabei auf eine Fläche von 4,4 Mio. qkm.

Quelle: ASEAN stats


3. Der Aussenhandel mit den USA

Aussenhandel mit den USA (in Mio. US$; Quelle: www.census.gov)

2013                                     4047,0                                 8339,1                            -   4292,1
2012                                   10888,0                               26108,0                            - 15220,0
2011                                   10901,1                               24831,9                            - 13930,9
2010                                     8976,4                               22693,6                            - 13717,2
2009                                     6918,4                               19082,5                            - 12164,1
2008                                     9066,6                               23538,3                            - 14471,7              
2007                                     8336,4                               22754,7                            - 14418,2
2006                                     7915,4                               22466,3                            - 14550,9
2005                                     7256,6                               19889,8                            - 12633,1
2004                                     6368,4                               17578,9                            - 11210,5
2003                                     5835,3                               15178,5                            -   9343,2
2002                                     4860,2                               14792,9                            -   9932,7
2001                                     5989,4                               14727,0                            -   8737,6
2000                                     6617,3                               16385,4                            -   9768,1
1999                                     4984,5                               14330,0                            -   9345,5
1998                                     5238,8                               13436,4                            -   8197,6
1997                                     7349,5                               12601,4                            -   5251,9
1996                                     7197,5                               11336,0                            -   4138,5
1995                                     6665,0                               11348,1                            -   4683,1
-
1990                                     2995,2                                 5288,6                            -   2293,4                  
-
1985                                       849,1                                 1428,3                            -     579,2


4. Illegaler Aussenhandel

Der Aussenhandel kann naturgemäss auch eine illegale Seite haben. Dieser illegale Handel ist die Handelskomponente der Schattenwirtschaft ("shadow economy").
Unter Schattenwirtschaft versteht man alle wirtschaftlichen Tätigkeiten, die nicht von der amtlichen Statistik erfasst werden und damit Regelungs und Revenueansprüchen des Staates entzogen sind.
In bezug auf Thailand kommen hier v. a. 3 Bereiche in Frage:
- Drogenhandel
- Menschenhandel (Arbeit, Sex)
- Handel mit Tieren und Tierprodukten (seltene Tierarten, Hundefleisch)

Bsp. 1 - Drogenhandel:


Thailand galt lange als klassisches Drogenexportland. Das lag unter anderem an der Nähe zum "Goldenen Dreieck" (v. a. Burma, Laos, Thailand) im Norden, dass für den Opiumhandel stand und steht.
Lange Zeit unternahmen die thailändischen Regierungen nichts oder wenig gegen diese Zustände und einige Vertreter waren sogar selbst in den Drogenhandel verwickelt.
Seit einigen Jahren hat sich das aber geändert. Thailand wollte mit zunehmendem Wirtschaftsaufschwung und aufgrund eines schrittweisen Mentalitätswandel nicht mehr als "Weltdealer" gelten. Ausserdem gab es Druck aus den USA, die allerdings selber als grosse Nachfragemacht den weltweiten Drogenmarkt anheizen.
Das Umdenken in der Drogenpolitik geschah sukzessive in den 80ern, bis Ende der 90ern wurde der Mohnanbau drastisch reduziert, aber erst im Jahre 2003 erklärte Thaksin einen grossangelegten Krieg gegen die Drogen.
Die Regierung in Thailand erliess drakonische Strafen bis hin zur Todesstrafe und versuchte gleichzeitig, den Bauern im Norden Alternativen zum Opiumanbau anzubieten. Institutionell wurden diese Bemühungen durch die von den USA mitfinanzierte International Law Enforcement Academy (ILEA) unterstützt.

Die Erfolge gegen den Drogenanbau und -handel heissen jedoch nicht, dass diese Geschäfte im Goldenen Dreieck komplett ausgetrocknet ist. Der Anbau wurde nur noch stärker nach Myanmar (Burma) verlagert. (Vor allem im Osten von Myanmar kämpfen ethnische Minderheiten (Shan, Wa) gegen die Zentralregierung und finanzieren ihren Kampf mit Drogen.)
Thailand bleibt weiterhin ein Transitland für Opiate. Das liegt einmal an seiner geographischen Lage und auch daran, dass Burma lange Zeit politisch isoliert war und die Händler ein "offenes" Land brauchen.

Mit der Zurückdrängung des Mohnanbaus und einiger drakonischer Massnahmen gegen Dealerringe ist aber weder der Drogenkonsum noch der Drogenhandel in Thailand massiv zurückgegangen.
Es kam jedoch zu einer deutlichen Verlagerung. Von den "klassischen" Naturprodukten wie Mohnprodukten oder auch Cannabisprodukten ging man über zu synthetischen Produkten wie z. B. Amphetaminen und Methamphetaminen. Diese können in Labors nicht nur leichter und ortsunabhängiger hergestellt werden, sondern sind auch nicht so witterungsabhängig und zeitintensiv wie Mohnfelder und können entsprechend auch nicht so leicht entdeckt werden.
Der Handel mit synthetischen Drogen hat sich für die thailändische Gesellschaft jedoch als Riesenproblem herausgestellt. Weckmittel werden von vielen Schülern, Studenten, Arbeitern und Angestellten konsumiert.

Opiate/Heroin: 
- Anbau im Land stark reduziert
- Anbau für Eigenbedarf und Export in die USA und nach Malaysia
- Heroin wird von chinesischen und afrikanischen Banden meist entlang der Grenze zu Burma synthetisiert

Cannabinoide: 
- Marihuana wird überall in Thailand gepflanzt (v. a. NO), aber auch aus Laos, Kambodscha, Nepal und Pakistan importiert
- Export nach Japan, Singapur und in die Schweiz 

Amphetamine: 
- Amphetamine werden im wesentlichen in Bangkok und Umgebung hergestellt, 
  aber manchmal auch aus Kambodscha importiert
- Amphetamine aus Thailand sind ein Exportschlager nach Europa, Japan, Singapur, Indonesien, Brunei, Malaysia, S-Korea 

weitere Drogen: 
- Ecstasy ist weit verbreitet und wird meist aus Singapur oder Malaysia importiert, manchmal aber auch im Land hergestellt 
- Kokain ist im Ggs. zu anderen Weltregionen nicht so verbreitet und findet sich v. a. in Touristenhochburgen
- Ketamin (eigtl. Schmerzmittel, aber mit Rauschwirkung) wird v. a. unter Prostituierten verwendet


Bsp. 2 - Menschenhandel:

Thailand dient als Quelle, Ziel(land) und als Durchgangsland für Menschenhandel.

Die gehandelten Menschen stammen häufig aus abgelegenen Gebieten wie bspw. im Norden oder aus den Kreisen von Immigranten. Diese Immigranten können aus der Mekong-Region, Burma (politische Gründe) oder sogar aus Zentralasien (Usbekistan) und den Fiji-Inseln stammen.
Viele dieser Menschen werden entweder direkt gezwungen oder durch Formen der Schuldknechtschaft.
Häufig sind dabei thailändische Unternehmer, aber auch einige Behördenmitarbeiter verstrickt.
Die Arbeitskräfte finden sich dann in der Fischereiwirtschaft, Landwirtschaft, Textilwirtschaft oder in Haushalten wieder. Sexarbeiter gelangen in die Prostitution oder Kinderprostitution.
Häufig verläuft die Migration entlang der Stadt-Land-Schiene oder in Richtung der Tourismusregionen.

Die Bekämpfung des Menschenhandels lief ähnlich langsam an wie die des Drogenhandels (oder sogar noch langsamer). Erst um 2010 konnte Thailand sich auf Druck der USA, von NGOs und eigener progressiver Kräfte durchdringen, mit Nachbarländern Abkommen zu unterzeichnen, die den Menschenhandel eindämmen sollen.

Herkunftsländer (wenn Ausland): Nordkorea, China, Vietnam, Pakistan, Burma
Zielländer: Golfstaaten, Malaysia, Indonesien, Singapur, ggf. Sri Lanka, Russland, Westeuropa (Deutschland), Südkorea, USA


5. Kernthesen

- Thailand betreibt einen regen Aussenhandel
- Handelsprodukte sind: Electronica, Autos, Chemieprodukte, Edelsteine, Landwirtschaftsgüter
- Thailand setzt auf ein liberales Wirtschaftsmodell und will nach aussen seinen Freihandel ausbauen
   (mit staatlicher Rahmenlenkung)
- das insgesamt gute Wirtschaftswachstum - mit einigen temporären Rückschlägen durch Flutkatastrophen
   und Finanzkrisen - bietet eine gute Grundlage für einen weiter florierenden Handel
- traditionell ist die USA der Haupthandelspartner, daneben auch Japan und Europa, aber die Bedeutung der
   Region Südostasien und China wächst (es ist also eine Trendwende erkennbar, aber keine Revolution)
- politisch und militärisch bleibt Thailand aber loyal zu den USA
- der illegale Handel wird weiter eine erhebliche Intensität haben;
   Bekämpfungsmassnahmen gegen den Mohnanbau zeigten zwar Wirkung,
   der Handel mit synthetischen Drogen ist aber weiterhin sehr hoch
- der Menschenhandel wird inzwischen auch bekämpft, kann aber vermutlich erst dann deutlich eingedämmt werden, wenn auch die Nachbarländer Thailands wohlhabender werden


Literatur und Internetquellen (Auswahl)

Auswärtiges Amt; www.auswaertiges-amt.de
CIA, bes. The World Factbook; www.cia.gov
EIU: Country profile. Thailand; London 1996 - 2011
Far Eastern Economic Review (FEER; 2009 eingestellt)
Fischer Weltalmanaach; www.weltalmanach
GEOSpecial: Thailand; 2001.01
Germany Trade & Invest; www.gtai.de
HSBC; www.hsbc.com

Humantrafficking.org
Office of the United States Trade Representative; www.ustr.gov
Spiegel, Der; www.spiegel.de
Stahl, Sabine (Hg.)/Ulrich Mihr: Die Krallen der Tiger und Drachen. Wirtschaftsboom und Selbstbewusstsein in Asien; München 1995

United States Census Bureau (US Department of Commerce); www.census.gov