Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
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Freitag, 14. März 2014

MAUREEN O'HARA


* 17.08.1920, Ranelagh/Dublin

Maureen O'Hara (Maureen FitzSimons) ist eine aus Irland stammende Schauspielerin, die später die US-amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Sie spielte für ihre Zeit relativ abenteuerorientierte Frauenrollen, in denen seit der Farbfilmzeit (Technicolor) ihre roten Haare gut zur Geltung kamen.
Sie arbeitete dabei häufig mit dem Regisseur John Ford zusammen und war mit John Wayne befreundet.

O'Haras Vater war ein Geschäftsmann und ihre Mutter war Altistin. Sie stand im Alter von 14 Jahren stand sie im Abbey Theatre in Dublin zum ersten Mal auf der Bühne. Mit 17 Jahren konnte sie in London erste Probeaufnahmen machen, musste dazu aber zuerst überredet werden.
Dort traf sie Charles Laughton. Trotz ihrer Unerfahrenheit wurde ihr ein Vertrag angeboten. 1938 spielte sie in "Kicking The Moon Around" und "My Irish Molly". 1939 hatte sie in Alfred Hitchcocks "Riff-Piraten" (Jamaica Inn) eine grössere Rolle. Dies war ihr Sprungbrett nach Hollywood.
Noch im selben Jahr gelang O'Hara an der Seite von Charles Laughton im "Glöckner von Notre Dame" (The Hunchback of Notre Dame) als Esmeralda der Durchbruch.
In der Folge spielte sind in verschiedenen Filmen mit, v. a. aber Seeräuberfilme und Western. Ein Klassiker wurde sicher ihr Film "Gegen Alle Flaggen" (Against All Flags) von 1952, wo sie an der Seite von Errol Flynn agierte. Allerdings sollen in dem Film beide Egos ordentlich aneinander geraten sein.
Berühmt wurden auch diverse Western, in denen sie oft an der Seite von John Wayne spielte. Berühmt ist z. B. ihr Auftritt in "Rio Grande" (1950), aber auch in "MacLintock" (MacLintock!; 1963), wo sie von John Wayne über's Knie gelegt wurde, aber auch Rancho River (1966) und Big Jake (1971).
Ihre eigentliche Karriere beendete O'Hara Anfang der 1970er-Jahre. Später trat sie nur noch vereinzelt in Filmen auf. 
Ihre letzte bekannte Rolle war 2000 in Last Dance.
Maureen O'Hara trat auch in Gesangsrollen auf. In Glengariff hat sie im örtlichen Pub ihren festen Stammtisch.



Mittwoch, 12. März 2014

EILMELDUNG FÜR ALLE FREUNDE DES 'REAL CRIME':

Vor wenigen Minuten wurde gemeldet, dass Bruce Davis, ein Mörder der Manson Family, entlassen wird. Der Mann ist seit über 4 Jahrzehnten im Gefängnis und nicht mehr bei guter Gesundheit, aber er wird sich wahrscheinlich freuen.
Allerdings Vorsicht: Es gibt noch juristische Einspruchsmöglichkeiten!

Hoffen wir nur - auch für ihn - dass sich der Verdacht nicht bewahrheiten wird, dass er an noch (viel) mehr Morden der Manson Family beteiligt war!

Sonntag, 9. März 2014

LYNETTE FROMME



* 22.10.1948 in Santa Monica/Kalifornien

Lynette Alice Fromme, genannt "Squeaky" (wegen ihrer mädchenhaft-quietschenden Stimme) ist eine US-amerikanische Politaktivistin, Manson-Anhängerin, Umweltaktivistin und Präsidentenattentäterin.

Jugend

Lynette Frommes Mutter, Helen Benziger Fromme, war Hausfrau. Ihr Vater, William Millar Fromme, war Luftfahrtingenieur.
Die Eltern Frommes galten als sehr ehrgeizig, die Werte ihrer Familie waren bürgerlich.

Als Kind tanzte sie bei den "Westchester Lariats", einer damals berühmten Tanzgruppe, die im ganzen Land Auftritte hatte, darunter in der Lawrence Welk Show im Fernsehen und im Weissen Haus.
Der Vater von Lynette Fromme verhielt sich psychisch äusserst problematisch und wurde von anderen Schülern als furchteinflössend beschrieben. In einem Jähzorn schrie er Fromme an oder weigerte sich umgekehrt für lange Zeit, überhaupt mit ihr zu reden. Obwohl die Familie an sich wohlhabend war, durfte die Mutter kein Auto fahren. Über Themen wie psychische Probleme oder Sexualität wurde in der Familie gar nicht gesprochen.

Im Jahre 1963 zog die Familie nach Redondo Beach um. Als sich die innerfamiliären Verhältnisse nicht mehr zu bessern begannen, begann Lynette Fromme, Alkohol und Drogen zu nehmen. Daraufhin verschlechterten sich ihre Schulnoten. Wenn sie z. B. einen Ferienjob im handwerklichen Bereich ausübte, schoss sie sich Metallstücke in die Arme, um sich selbst zu spüren. Trotzdem riss sie sich noch einmal zusammen und schaffte mit Mühe und Not 1966 den Highschoolabschluss. Danach zog sie aus dem Elternhaus aus.

Einige Monate später überredete sie ihr Vater, sich doch an einer höheren Bildungsanstalt einzuschreiben und sie ging an das örtliche Community College. Doch als es zu weiterem Streit mit ihrem Vater kam, liess auch dort ihre Motivation nach und sie wurde obdachlos.

Lynette Fromme, 1965

Mitglied in der Manson-Family

Fromme zog als Obdachlose nach Venice Beach in Los Angeles. Hier traf sie auf den später berüchtigten Charles Manson, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war und nun eher zufällig auf die Bewegung des "Summer of Love" 1967 traf. Manson war im Gefängnis von Terminal Island bei Long Beach inhaftiert. Während seiner langen Haftzeit hatte er sich mit Psychotechniken und Gitarrespielen beschäftigt.

Jetzt entdeckte Charles Manson Lynette Fromme weinend auf einer Parkbank. Manson gab sich verständnisvoll und fortan zogen beide durch die Gegend.
In der Folgezeit gabelte Manson weitere Ausreisserinnen auf. Er war froh, nach seiner langen Haftzeit wieder Frauen um sich zu haben und nahm den offensichtlich liberaler gewordenen Zeitgeist gerne an. Mit der Zeit bildete sich eine relativ grosse Gruppe um Manson, die man aber erst später die Manson Family nennen sollte. Der Anfang dieser später so berüchtigte Gruppe war relativ harmlos. Sie musste ihre gefährliche Eigendynamik erst entwickeln.

Am Anfang war Manson noch in einem kleinen Bus unterwegs, den er gegen ein Klavier eingetauscht hatte. Dann besorgte sich die Gruppe ihren berühmten schwarzen Schulbus, mit dem sie vom Sommer of Love aus in San Francisco durch Kalifornien ziehen konnte. Der Bus wurde innen von den Frauen sehr wohnlich eingerichtet. Es ist aus heutiger Sicht nicht ganz klar, ob die Gruppe damals schon Straftaten beging. Mit der Zeit überlegte man, ob man sich nicht langsam wieder an einem festen Ort niederlassen sollte. Manson schickte einige seiner Mädchen aus, um als Anhalterinnen Kontakte in die Film- und Musikbranche herzustellen. Sie stiessen auf den für seinen ausschweifenden Lebensstil berüchtigten Dennis Wilson von den Beach Boys. Manson hatte hier Glück - anders als bei anderen Kontaktversuchen - und erhielt Zugang zu Dennis Wilsons Haus. Angeblich fand die Manson Gang auch Zugang zu den Strandhäusern anderer Stars.
Manson soll auch zu Schauspielern und Filmmanagern versucht haben, Kontakt aufzunehmen, was sich aber als schwieriger herausstellte, als gedacht. Oft spielte bei solchen Anbahnungsversuchen Sex eine Rolle.
Record Mirror, 21.12.1968

Derweil ging es bei den Feiern in Dennis Wilsons Haus wüst zu. Die Gruppe soll sogar Goldene Schallplatten von Wilson verkauft haben. Manson versuchte nach der Kontaktanbahnung mit Dennis Wilson, über dessen Berater Gregg Jacobson auch Kontakt zu Terry Melcher zu bekommen, den Sohn von Doris Day. Dessen Haus wiederum wurde von Rudi Altobelli vermietet. Melcher war aber nicht so überzeugt von Manson wie Wilson und Jacobson.
Angeblich soll die Schickeria der Manson Gang auch ein oder zwei Luxusautos zur Verfügung gestellt haben, die diese aber bald zu Schrott fuhr. Es ist nicht ganz klar, ab wann man von der Manson Family sprach. Die Gruppe sah sich auf jeden Fall selbst mit der Zeit als Familie an. Manson gefiel der Gedanke, weil er selber aus sehr prekären Sozialstrukturen stammte.

Auf jeden Fall wurde mit der Zeit klar, dass man nicht ewig bei Dennis Wilson bleiben konnte und so sahen sich einige Frauen nach einer neuen Bleibe um. Man fand die Spahn Movie Ranch, einen Aufenthaltsort, der bald als Inbegriff des Hauptquartiers der Manson Family galt. Die Spahn Movie Ranch war eine Filmranch, auf der früher Filme und Serien wie Bonanza gedreht wurden. Man befand sich ja in Kalifornien in der Nähe der finanzstarken Medienbranche. Die Spahn Movie Ranch hatte zwar die besten Zeiten hinter sich, war aber noch halbwegs funktionsfähig und wurde ab und an nochmal zu Dreharbeiten eingesetzt. Auf der Ranch arbeiteten einige Cowboys und Cowgirls. Der schon ältere Besitzer George Spahn konnte da etwas Unterstützung gut gebrauchen und erlaubte der Manson Family, auf dem Grundstück zu leben, wenn sie auf der Ranch mit anpackten. Auf der Ranch gab es als Helfer z. B. Donald "Shorty" Shea, einen Cowboy und Stuntman, der trotz seines Spitznamens ein Hüne war und mit den Mitgliedern der Manson Family nicht immer gut klar kam.

Die Manson Family dachte strategisch und suchte im Umfeld nach weiteren Ranches, auf die sie sich im Falle eines Falles zurückziehen konnte.

Derweil entwickelte die Family eine erstaunliche Gruppendynamik. Man veranstaltete gruppendynamische Sitzungen und schmiss Trips ein. Nachts wurden bei Feuern und Verkleidung so etwas wie satanische Messen zelebriert. Zur Versorgung mit Lebensmitteln veranstaltete Manson sogenannte "Garbage Runs", bei denen er seine Frauen vor Supermärkten Müll durchwühlen liess, um noch verwertbare Lebensmittel zu finden.

Die Gruppe hatte auch schon gefallen an kriminellen Aktivitäten gefunden. So schlich man nachts durch die Gegend, das sogenannte "Creepy Crawling", drang in Wohnungen ein, verrückte Möbel und stahl Wertgegenstände. Auch soll es zu skurilen Veranstaltungen wie Pornodrehs an Villenpools gekommen sein, was sich aber heute nicht mehr genau nachweisen lässt. Das Filmmaterial ist möglicherweise im Versteck in der Wüste kaputt gegangen. Man muss dazu wissen, dass es in der damaligen Zeit noch lange keine Videorekorder und Camkorder gegeben hat und schon gar keine Smartphones mit eingebauter Kamera. Eine Videoausrüstung kostete damals ein Vermögen und liess auf gute Kontakte in die Filmbranche schliessen. Möglicherweise wurden solche Pornos auch gedreht, um damit Handel zu treiben. In den 60er-Jahren waren Pornos offiziell noch illegal, so dass entsprechende Filme, die von Regisseuren oder reichen Privatleuten heimlich gedreht wurden, auf dem Schwarzmarkt viel Geld einbrachten.

Die eigentliche Versorgung mit Geld und Ausrüstung brachte aber der Autodiebstahl, zu dem man sich regelmässig nachts aufmachte.

Solange das ganze Ausmass der kriminellen Aktivitäten noch nicht bekannt war, war die Spahn Ranch jedoch ein berühmter Pilgerort für Künstler und Politaktivisten, die sich irgendwie als progressiv einordnen liessen.

(...)

Nachdem sich Ende 1969 der Verdacht erhärtete, dass Manson und viele seiner Anhänger für die Tate-LaBianca-Morde verantwortlich waren, bereitete die Staatsanwaltschaft den Prozess gegen die Täter vor.
Haupt-Gegenspieler der Manson Family war der ehrgeizige Staatsanwalt Vincent Bugliosi.
Die noch freien Teile der Gruppe präparierten sich im Gegenzug für Protestmassnahmen vor dem Gerichtsgebäude. Im Zentrum von Los Angeles kampierten Fromme und viele andere Family-Mitglieder und demonstrierten, sprachen Passanten an oder liefen auf allen Vieren über den Gehweg.
Mit dabei waren oft Sandra Good, eine enge Freundin von Lynette Fromme und Catherine Gillies.
Für die Protestierenden war Manson unschuldig und in der Tat musste man ihm erst nachweisen, die betreffenden Mordtaten angestiftet zu haben.
Fromme wurde selber später angeklagt, weil sie versucht haben soll, die Zeugenaussagen von Manson-Anhängern zugunsten Mansons massiv zu beeinflussen. Sie selber weigerte sich, auszusagen. Für ihr Verhalten erhielt sie kurze Freiheitsstrafen.
Doch alle die Massnahmen nutzten letztendlich wenig. Charles Manson sowie Susan Atkins, Leslie van Houten und Patricia Krenwinkel wurden zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Staatsanwalt Bugliosi hatte ihnen mehrfach den "Green Room" angedroht.
Bugliosi war insgesamt um kernige Aussagen nicht verlegen und drohte auch der Manson-Anhängerin Sandra Good bei einer der Mahnwachen der jungen Frauen:

  • "We're gonna get you because you sucked Charlie Manson's dick!" 

(Diese berichtete es später dem Kabarettisten und Journalisten Paul Krassner.)
In separaten Verfahren wurden auch Tex Watson und Bruce Davis zu hohen Strafen verurteilt.

Eigentlich hatte Bugliosi damit auf ganzer Linie gewonnen, nur erklärte der Oberste Gerichtshof von Kalifornien die Todesstrafe 1972 für unzulässig, wodurch die Strafen in lebenslange Freiheitsstrafen umgewandelt wurden. Die Inhaftierten haben damit sehr viel Glück gehabt.

Manson musste jetzt aber umdisponieren: Statt des Green Rooms wartete jetzt eine lange Haftzeit auf ihn. Er musste sich gegen Angriffe anderer Gefangener schützen und schloss ein Bündnis mit der Aryan Brotherhood. Diese weisse Gefangenengang war damals noch recht neu, sie wurde in den 60er-Jahren gegen die erstarkenden schwarzen Gefangenenbünde gegründet. Der Pakt mit der AB dauerte aber nur eine Zeit lang an, da Manson der Gang nicht rassistisch genug war und keinen Schwarzen als Loyalitätsbeweis töten wollte.

Während Manson sich im Gefängnis eine Zeit lang mit der AB zusammentat, sollten aussen seine Frauen mit den freien AB-Mitgliedern zusammenarbeiten. Dem kamen auch viele Frauen nach, allerdings führte das auch zur Spaltung der Manson Family. Während ein Teil der Family nämlich weiterhin Manson treu blieb, darunter v. a. Lynette Fromme, Sandra Good und weniger stark Nancy Pitman, liefen andere zu Kenneth Como von der AB über, darunter Catherine Share und Mary Brunner. Man sprach auch von Mansonites und Comoites. Como half zwar bei einigen fehlgeschlagenen Befreiungsversuchen von Manson und anderen Family-Mitgliedern, wollte aber trotzdem der Chef sein.

Lynette Fromme, Nancy Pitman, Priscilla Cooper

Später zog Fromme ins nordkalifornische Stockton. Stockton galt für unangepasste junge Menschen als zu provinziell, andererseits stand man hier nicht mehr so im Mittelpunkt. Dort wohnten die Manson-Frauen Lynette Fromme, Nancy Pitman und Priscilla Cooper, die man kurz vorher angeworben hatte. Sandra Good lebte mit ihrem AB-Freund Steve Bekins an einem anderen Ort, kam aber manchmal vorbei.
Als Partner der Manson-Frauen lebten in Stockton Michael Montfort, James Terrill Craig und zeitweise William Goucher.
Ausserdem hatte sich der Gruppe das befreundete Ehepaar James und Lauren Willett angeschlossen. James Willett war in Vietnam eingesetzt worden, konnte sich aber mit dem Krieg nicht mehr identifizieren und hatte sich die Haare lang wachsen lassen.

Bill Goucher
(mit Maria Alonzo)
Michael Montfort u. James Craig

Zwischen dem Ehepaar und den anderen Manson-Anhängern, zumindest denen der Aryan Brotherhood, muss es aber zu deutlichen Verstimmungen gekommen sein. Möglicherweise wollte James Willett sich auch von der Gruppe lösen und Polizeiinformant werden. Auf jeden Fall beschlossen die Männer der AB, dass er sterben müsse, lockten ihn in einen Hinterhalt und erschossen ihn.
Unklar ist, ob seiner Frau erzählt wurde, dass er erfolgreich geflohen sei oder ob sie in die Tat eingeweiht war. Auf jeden Fall traute man auch ihr nach einiger Zeit nicht mehr, liquidierte sie und vergrub sie unter dem Hausboden.
Auf jeden Fall blieb die Gruppe nicht lange unentdeckt, da AB-Mitglieder Überfälle auf Supermärkte verübten und dabei den Ausweis von Michael Montfort trugen.
Als die Polizei ihre Spur aufgenommen hatte und mit Festnahmen begann, stellte sie zunächst falsche Identitäten fest, was aber bald aufflog. Pitman, Cooper, Montfort und Craig wurden wegen der Taten verurteilt. Fromme hatte Glück und wurde freigesprochen.

Red & Blue

Daraufhin zog Lynette Fromme mit ihrer Freundin Sandra Good nach Sacramento. Good war nicht mehr mit Steve Bekins zusammen, weil dieser infolge seiner Straftaten wieder in Haft war.
Auch die Mentalität hatte sich geändert. Während man in den frühen Jahren der Family noch "hippieesk" in freier Liebe mit wechselnden Partnern gelebt hatte, zogen sich die beiden Frauen jetzt Nonnengewänder an, lebten asketisch und kämpften für die Umwelt. Manson hatte aus dem Knast die Impulse dazu gegeben: Er hatte den "Order of the Rainbow" ins Leben gerufen und Fromme und Good hatten von sich aus den International People's Court of Retribution gegründet. Der IPCR sollte wohl eine sozialutopische Guerillatruppe im Stile der damals aktiven Symbionese Liberation Army sein, bestand aber im Kern nur aus Fromme, Good und einigen Helfern, u. a. aus der Aryan Brotherhood, aber auch sonstigen Naivlingen.

Lynette Fromme nannte sich jetzt Red und Sandy Good Blue. Beide liessen diese Namen auch offiziell eintragen. Charles Manson hatte wahrscheinlich schon früher den Frauen Farbcodes zugeteilt, aber jetzt nahmen sie diese Rolle komplett an.

Der Kampf für die Umwelt und soziale Gerechtigkeit verlief aber ergebnisarm und das Medieninteresse am Fall Manson nahm auch ab. Einen neuen Medienpeak setzte das Erscheinen des Buches "Helter Skelter" von Vincent Bugliosi im Jahre 1974. Vielleicht hat das die beiden Frauen zu neuen Aktionen angestachelt.

Am Morgen des 05.09.1975 ging Fromme nach Sacramento in den Capitol Park, weil sie angeblich mit dem Präsidenten über Schutzmassnahmen für die Küstenmammutbäume sprechen wollte. Stattdessen richtete sie eine Waffe vom Typ Colt M 1911 (Kal. .45) auf Präsident Ford. Es ist unklar, ob sie den Präsidenten töten wollte oder nicht. In der Waffe waren vier Patronen enthalten, aber keine davon im Lauf. Andererseits hatten Fromme und Good im Vorfeld häufig vom Töten einflussreicher Personen gesprochen.
Was Fromme genau wollte, konnte jedoch nicht mehr festgestellt werden, weil sie vorher von den Agenten des Secret Service entwaffnet wurde. Sie soll dabei "It didn't go of!" gesagt haben. Man stellte später fest, dass sie die Pistole von ihrem "Sugar Daddy" Harold "Manny Boro" erhalten hatte und verdeckt unter ihrem Nonnengewand um ihren Oberschenkel geschnallt getragen hat.
Im Prozess gestaltete sich die Zusammenarbeit Frommes mit ihrem eigenen Verteidigungsteam als schwierig und so wurde sie des versuchten Attentats auf einen US-Präsidenten für schuldig befunden und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Nach dem geglückten Attentat auf Präsident Kennedy im vorangegangenen Jahrzahnt waren weder Gesetzgeber noch Justiz milde gestimmt.

Im Jahre 1979 verlegte man Fromme von Dublin/Kalifornien in das Alderson Federal Prison Camp/West Virginia. Sie hatte die kroatische Nationalistin und Flugzeugentführerin Julienne Busic mit einem Hammer angegriffen.

Im Jahre 1987 hörte sie die falsche Nachricht, dass Charles Manson an Krebs erkrankt sei und floh am 23.12.1987 aus dem Gefängnis in Richtung Westen. Nach zwei Tagen wurde sie wieder festgenommen. Damit drohte ihr ein "Nachschlag" auf die lebenslange Freiheitsstrafe. Fromme, die ähnlich militant wie Sandra Good war, verzichtete lange Zeit auf Bewährungsanhörungen, lenkte dann jedoch ein. Angeblich wurde ihre Gesundheit durch die lange Haft deutlich angegriffen, aber es ist nicht klar, ob körperlich und/oder psychisch. Sie wurde zuletzt im Gefängniskrankenhaus in Carswell behandelt. Erst im Jahr 2009 wurde sie nach 34 Jahren am 14.08.2009 auf Bewährung entlassen.

Die Nachricht über die Entlassung machte medial schnell die Runde. Während ihr Name jüngeren Amerikanern nicht mehr viel sagten, wurden ältere Amerikaner hellhörig. Ein Kamerateam wartete Fromme und ihrem Begleiter auf einem Wal-Mart-Parkplatz auf, als diese in einen Geländewagen steigen wollten. Fromme hatten offensichtlich nichts von ihrem Temperament eingebüsst und schlug nach der Kamera. Auf dem Heck des Autos klebte der Sticker "Proud Born Again Pagan"!

Fromme greift das Team von INSIDE edition an.


Samstag, 8. März 2014

ABITURAUFGABEN 1936

Hier werden einige Beispiele für Abituraufgaben aus der Nazizeit ('Drittes Reich') publiziert.
Die Aufgaben stammen aus dem Jahr 1936 und sollen einen Einblick in die damals herrschende ideologische Ausrichtung geben.
(Nicht zur Nachahmung empfohlen!)

DEUTSCH

1. Je höher ein Mensch geistig steht, desto mehr muss er erkennen, dass er dazu berufen ist, Diener an der Gemeinschaft "Volk" zu werden.
2. Der Nationalsozialismus ist keine Partei, sondern Deutschland und Nationalsozialismus sind eins. Nehmen Sie Stellung zu diesem Satz!
3. Die Welt ist nicht da für feige Völker.


ENGLISCH

1. Show how rearmament is working upon your native place.
2. Great Britain's colonizing spirit as illustrated by the career of one of its agents.
3. Why does the British Government vehemently object to the African policy of the Italians following the well-known British principle: "right or wrong, my country"?
4. Life in a Hitler-Youth camp (a letter to an English friend).


GESCHICHTE

1. Bismarcks politischer Werdegang bis zu seiner Berufung zum preussischen Ministerpräsidenten.
2. Des deutschen Volkes Wehrgeist und Wehrmacht seit dem Diktat von Versailles.
3. Die nationalen Minderheiten deutschen Blutes in Europa; ihre Bedeutung für die Beziehungen der europäischen Staaten.


MATHE

1. Der Kreis x^2 + y^2 - a^2 = 0 schneidet die x Achse in A. Ein Punkt B wandert auf dem Kreis. Welche Kurve beschreibt dabei den Schwerpunkt des Dreiecks AOB?
2. 3 Beobachtungszellen A, B und C der Artillerie haben in einem Netz mit dem Massstab 1:25.000 (Masseinheit 1 cm) die Netzzahlen A (2/0), B (-2/0), C (8/3). Der Mündungsknall eines feindlichen Geschützes gelangt nach B 2 sec, nach C 1,5 sec später als nach A. Schallgeschwindigkeit 340 m in der Sekunde. Zeichne die beiden Hyperbeln, in deren einem Schnittpunkt das Geschütz steht, und ermittle ihre Gleichungen!
3. In einem Volk von 62 Millionen sind 25 % erbkranke Menschen. Wenn nun die jährliche Zunahme der Erbkranken 1,5 % beträgt, die jährliche Abnahme der ERbgesunden 1,2 %, wieviel Prozent erbkranke Menschen hat das Volk in 30 Jahren, falls keine Gegenmassnahmen ergriffen werden?
4. Der Bestand an Personenkraftwagen im Deutschen Reich betrug in den Jahren 1929 - 1933 nacheinander in 100.000 rund: 4,3, 5,0, 5,2, 5,0, 5,2. Stelle diese Entwicklung zeichnerisch dar und ermittle die Gleichung der ausgleichenden Trendgeraden nach der Methode der kleinsten Quadrate (1931 als Nullpunkt der Zeitachse). Welche Ziffer hätte sich auf Grund dieser Trendgeraden für 1934 ergeben? (tatsächliche Ziffer 6,7)
Anstelle einer Aufgabe oben Ziff. 1 - 4 konnte gewählt werden:
Astronomie
Inwiefern ist Johannes Kepler - besonders im Hinblick auf Kopernikus - berechtigt, sein erstes astronomisches Hauptwerk über die Bewegung des Mars als "Nova Astronomia" zu bezeichnen=?


LATEIN

Germanisches Volkstum im Kampf gegen den römischen Imperialismus.
Civilis, auctor seditionis gentis Bataviae (Tacitus)

Freitag, 7. März 2014

KOPFFÜSSER

Die zoologische Klasse der Kopffüsser (Zephalopoden, Cephalopoda; von griech. κεφαλή/kephalē und ποδός/podós) ist eine Tiergruppe, die zu den Weichtieren (Mollusca) gehört. Ihre Vertreter kommen nur im Meer vor.
Die Arten können freischwimmend (pelagisch) sein oder am Boden leben (benthisch). Zur Zeit leben noch ungeführ 1000 Arten, über 30.000 sind fossil.
Zu den noch lebenden Kopffüssern gehören die Tintenfische und die wenigen Arten der Nautiliden (Perlboote).
Die Unterklasse der Tintenfische (Coleoidea) wird in die Überordnung der Zehnarmigen Tintenfische (z. B. Sepien, Kalmare) und in die der Achtarmigen Tintenfische (z. B. Kraken) unterteilt. Sie gehören zu den Neukopffüssern, die heute die Klasse der Kopffüsser dominieren.
Die Ordnung der Nautiliden bzw. die Familie der Perlboote umfasst die wenigen noch existierenden Altkopffüsser. Sie bilden je nach Einteilung eine oder zwei Gattungen - Nautilus und Allonautilus - mit einigen Arten. Nautiliden bzw. Perlboote haben sehr grosse Ähnlichkeiten mit früheren Formen der Kopffüsser.

Sepie
Roter Krake
Nautilus

Die Klasse der Kopffüsser gehört ihrerseits zum Stamm der Weichtiere (Mollusca), zu denen auch Muscheln und Schnecken gehören.

Kopffüsser besiten einen Körper, der aus einem Rumpfteil mit Eingeweidesack, einem Kopfteil mit anhängenden Armen und einem taschenförmigen Mantel (auf der Bauchseite) besteht (Körpergliederung an Fortbewegungsrichtung orientiert). Der vordere Teil des Fusses ist bei Kopffüssern zu einem Trichter und zu acht oder zehn streckbaren Fangarmen (Tentakeln) entwickelt, im bestimmten Fällen auch über 90.
Die Mantelhöhle birgt zwei (oder vier) Kiemen und mündet über ein Rohr (Trichter, Hyponom) nach aussen.
Am von Tentakeln umgebenen Mund befindet sich bei rezenten Arten ein Schnabel ähnlich dem eines Papageien mit Ober- und Unterkiefer sowie eine Raspelzunge (Radula).

Die ursprünglicheren Arten der Kopffüsser, von denen es früher viele Vertreter gab (z. B. Ammoniten) und von denen bis auf die Nautiloiden fast alle ausgestorben sind, verfügen über ein kalkiges Gehäuse aus Aragonit. Man spricht von einem Exoskelett (Aussenskelett). Seine Schale ist dreischichtig. Sie besteht aus dem Periostracum/Schalenhäutchen (aus Conchin), dem Ostracum/Prismenschicht (aus prismat. Aragonit) und dem Hypostracum (aus Perlmutt).
Die Gehäuse sind in die Wohnkammer und mit Gas gefüllte Kammern unterteilt. So kann das Gehäuse in der Wassersäule schwebend gehalten werden. Für die Fortbewegung (auch vertikal) benutzt der heutige Nautilus aber das Rückstossprinzip des Trichters.

Die meissten der heutigen Kopffüsser sind aber innenschalig. Dazu gehören auch die Sepien, die Spirulae (nur noch: Posthörnchen) und die Kalmare. Bei ihnen sind die Hartteile vom Mantel umschlossen.
Die ausgestorbenen Belemniten haben die Wohnkammer sukzessive bis auf einen dorsalen Löffel (Proostracum) reduziert, die Spirulae besitzen eine in Richtung Bauch orientierte Spirale aus Kalk, die gasgefüllte Kammern enthält.
Bei den Sepien sind dagegen die ursprünglich ungefähr senkrecht zur Längsachse stehenden Septen schräg gestellt und zu einem Schulp umgeformt. Dieser Schulp hat noch eine gewisse Auftriebsfunktion.
Bei den Kalmaren ist das ursprünglich kalkige Gehäuse unter Mineralisationsverlust zu einem langen Hornstreifen (Gladius) reduziert und stabilisiert nur noch ohne Auftriebsfunktion.
Bei den Octopoden hat das ehemalige Gehäuse nur noch knorpelähnliche Reliktstrukturen.
Kalmare und Octopoden haben teilweise alternative Auftriebssysteme (Ammonialk, ölige Substanzen).

Die innenschaligen Kopffüsser (Coleoidea/Dibranchiata) haben sich weitgehend durchgesetzt. 
Die aussenschaligen Kopffüsser gibt es noch in wenigen Arten der Gattung Nautilus, von denen sich die Art Allonautilus etwas absetzt und fasst eine eigene Gattung bildet. 
Früher war das anders: Die Nautiloiden (Perlboot-Artige) haben mit Tausenden von Arten besiedelt, die ausgestorbenen Ammoniten waren zu zig-Tausenden anzutreffen. 


QUELLEN:

Wikipedia
Focus Online
Spiegel Online
Geo
-
WAS IST WAS: Muscheln, Schnecken, Tintenfische; Bd. 51
Siegfried Jaeckel: Kopffüsser. Tintenfische; 2006



Samstag, 1. März 2014

KYRENAIKER

Die Kyrenaiker bildeten eine antike Philosophenschule, die von Aristipp(os) von Kyrene gegründet wurde.
Aus der Zeit nach Sokrates sind v. a. 4 Philosophenschulen bekannt, die Akademie (Akademiker), der Peripatos, die Stoa und der Kepos. Es gab aber noch einige mehr.
Von den Kyrenaikern sind leider keine Ganzschriften erhalten. Es existieren aber noch einige Fragmente.
Ausserdem verfügen wir über zahlreiche Testimonien (Berichte über Leben und Lehre) aus der Antike.
Einige Hinweise gibt auch die Suda, ein byzantinisches Lexikon.

Die Kyrenaiker haben alle eine gemeinsame Theoretische Grundkonzeption. Zur weiteren - auch theoretischen - Unterteilung kann man aber die Familie des Begründers Aristipp von weiteren Vertretern trennen. Einige sehen in deren Lehren sogar eigene Unterschulen.
Zur philosophisch aktiven Familie des Begründers gehören Aristippos von Kyrene, seine Tochter Arete von Kyrene und deren Sohn Aristippos der Jüngere. Die anderen Vertreter wären Hegesias, Annikeris und Theodoros von Kyrene). Darüber hinaus gibt es noch einige heute fast unbekannte Vertreter wie Antipater von Kyrene, Paraibates und Aristoteles von Kyrene.

Auch die ungefähre zeitliche Einordnung der Schule ist möglich. Aristipp von Kyrene war noch ein Schüler des Sokrates, also gehört er in das 5. und 4. Jhd. Seine Tochter und sein Enkel gehören in das 4. Jhd.
Die weiteren kyrenaischen Nachfolger überschneiden sich in ihrem Wirken mit den Nachkommen Aristipps, wirken aber noch bis in das 3. Jhd. fort. Danach fiel es den Kyrenaikern schwer, sich gegen die Anhänger des Platon und des Aristoteles sowie gegen Stoiker und Epikureer zu behaupten.


Die Lehre der Kyrenaiker

Die Lehre der Kyreniker war, wie gesagt, ziemlich einheitlich. Einige Abgrenzungslinien sind aber erkennbar.
Im Zentrum steht die Ethik. Darin orientiert sich die Schule des Aristippos an dessen Lehrmeister Sokrates.
Andere Bereiche der Philosophie wie die Erkenntnislehre (Epistemologie), die Dialektik oder die Naturphilosophie kommen vor allem dann zum Tragen, wenn sie für die Ethik von Relevanz sind.
Eine Beschäftigung mit der Naturphilosophie und speziell der Physik allein galt als wenig nützlich.

Die Ethik wurde in fünf Teilbereiche unterteilt:

- Von dem, was zu erstreben (airetṓn) und zu meiden (pheuktṓn) ist.
- Von den Empfindungen (pathṓn).
- Von den Handlungen (práxeōn).
- Von den Ursachen (aitíōn). [Physik?]
- Von den Beweisen (píseōn).

Man sieht hier, dass einige Punkte auch auf nicht-ethische Disziplinen führen. Bei der Erörterung der "Ursachen" kamen vermutlich auch naturphilosophische und physikalische Themen zur Sprache, bei den Beweisen auch dialektische und logische. Die kyrenaische Erkenntnistheorie ist in Testimonien belegt.


Ethik

Das System der kyrenaischen Ethik geht von der bereits erwähnten Einteilung in fünf Teilbereiche aus.
Die Eigenschaften gut und schlecht sind ausserdem für die Kyrenaiker nur an Empfindungen zu finden. 
Erkenntnistheoretisch kann es ja keine guten und schlechten Dinge geben. 
Gute Empfindungen werden bei den Kyrenaikern mit lustvollen (hēdú) gleichgesetzt, schlechte mit schmerzvollen (lypērón). Das sehe man daran, dass alle Lebewesen die Lust suchten und den Schmerz zurückwiesen. Demnach ist die Lust das "höchste Gut" und das "Ziel all unseres Tuns (télos)". 
Physikalisch betrachtet seien Lust und Schmerz Bewegungen (Qu: Diogenes Laertios, Sextus Empiricus).
Sanfte Bewegungen werden als lustvoll, rauhe als schmerzhaft empfunden. Einige Kyrenaiker gingen auch von einem dritten Zustand aus, in dem keiner der beiden Empfindungen verspürt werde.
Diese Lustphilosophie wird heute allgemein als Hedonismus bezeichnet. In der philosophischen Diskussion wurde immer wieder darüber gestritten, wie intensiv die Lust und das Streben nach ihr sein sollten.

Im Gegensatz zu den anderen philosophischen Strömungen der Zeit war für die Kyrenaiker die Glückseligkeit (eùdaimonía) nicht das Ziel allen Tuns. Die Eudaimonie war für sie nämlich ein kaum erreichbarer Zustand der ewigen Aneinanderreihung von Lustempfindungen. Stattdessen solle man zeitlich begrenzte Lustempfindungen erreichen. Die Kyrenaiker liessen es dabei offen, wie die Lust erreicht werden könne und ob die Gesellschaft dieses billige. Sie trennten hier nicht "anständig" und "unanständig".
Die als höchstes Gut angesehene körperliche Lustempfindung war für die Kyrenaiker ein körperlicher und seelischer Prozess. Ein von aussen kommender Impuls löst dabei eine innere Bewegung aus.

Laut Diogenes haben die Kyrenaiker auch eine als tiefer stehend gedachte rein seelische Form der Lust gekannt, die chará. Dazu gehörten der Patriotismus und der Kunstgenuss.

Da für die Kyrenaiker die Lust das höchste Gut war, schrieben sie anderen Dingen einen geringeren Wert zu. Reichtum, Freundschaft und Einsicht (phrónēsis) erhalten ihren Wert dann, wenn sie auf Lust bezogen sind.
In manchen Fällen sieht man z. B. besser ein, dass es besser ist, gesellschaftliche Situationen einzuhalten, auch wenn diese willkürlich sind.

Man sollte aufgrund dieser Einsicht auch bestimmte Gefühle wie Neid, Verliebtheit und Aberglauben meiden, da sie mit Schmerz verbunden sind. Diese Gefühle seien aufgrund leerer Einbildungen entstanden, von denen man sich auch durch Einsicht befreien könne.
Neid ist auch eine Einbildung. Verliebtheit ist auch eine Einbildung, weil man glaubt, man könne nicht ohne die Zuneigung einer anderen Person auskommen. Aberglaube ist auch eine Einbildung, nämlich dass man mächtigeren und strafenden Wesen untergeordnet sei.
Eine andere Art von Gefühlen sind Kummer (lýpē) und Angst (phóbos). Hierbei handelt es sich um keine leeren Einbildungen, sondern um natürlich (physikṓs) zustande gekommene Gefühle.
Auch Cicero berichtet in seinen Tusculanae Disputationes, dass man Kummer manchmal vorhersehen und abwenden könne. Dieses Vorherbedenken wird lateinisch "praemeditatio" genannt. Neben mentalem Training empfahlen die Kyrenaiker aber auch körperliches Training (áskēsis).

Aristippos von Kyrene soll als erster den Begriff der Menschlichkeit (anthropismós) in die Philosophie eingeführt haben. Laut mehrerer Quellen hat er auch einen Kosmopolitismus vertreten (Xenophon, Teles von Megara und Plutarch).

Als Hedonisten hatten die Kyrenaiker einen grossen Einfluss auf Epikur und die Epikureer. Da sie nicht zu den 4 "klassichen" Philosophenschulen des Hellenismus gehörten, sind sie bei dieser Thematik leider hinter den Epikureeismus zurückgetreten.


Erkenntnislehre (-theorie)


Die kyrenaische Erkenntnislehre wird bei Sextus Empiricus beschrieben. Im Zentrum steht die These: "Allein die Empfindungen (páthē) werden erkannt und sind untrüglich, von den Dingen, die die Empfindungen hervorgerufen haben, ist dagegen keines erkennbar und untrüglich." Daran ändert sich auch nichts, wenn verschiedene Menschen die gleiche Aussage über die Beschaffenheit eines Dinges tätigen und diese mit "gemeinsamen Wörtern/Begriffen" (koinà onómata) bezeichnen. Nach Ansicht der Kyrenaiker sind zuverlässige Aussagen über die Beschaffenheit der Dinge unmöglich und die Dinge unerkennbar.
Das Zustandekommen von Empfindungen wird als körperlich-seelischer Vorgang betrachtet. Durch die Einwirkung äusserer Gegenstände und Ereignisse werden im Körper Bewegungen (kinḗseis) ausgelöst. Diese werden über die Sinnesorgane in die Seele übermittelt und kommen dort als Empfindungen an. Die Kyrenaiker haben angeblich Sätze wie "Ich sehe etwas Weisses" durch "Ich werde geweisst" ersetzt, um zu zeigen, dass der betreffende Gegenstand nicht die Eigenschaft "weiss" hat. Dieser Ansatz entspricht Erkenntnissen der modernen Optik, nach der eine Farbe keine feste Eigenschaft eines Gegenstandes ist. Allerdings hängt die Farbwahrnehmungen nicht nur vom empfangenen Subjekt ab, sondern auch von der Wellenlänge des auf den Gegenstand auftreffenden Lichtes und von der Oberfläche des Gegenstandes. Allgemeiner sagten die Kyrenaiker: "Ich werde von etwas in einer bestimmten Weise bewegt."