Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
Personen-Link: http://novatlan.blogspot.de/2014/08/personen-pool.html

Dienstag, 28. Juni 2016

STATIONÄRE SPIELEKONSOLEN: 8. GENERATION



PlayStation 4
PlayStation 4

PLAYSTATION 4

Die Playstation 4 ist eine von Sony entwickelte Spielekonsole der 8. Generation.
Anfangs wurde sie auch Orbis genannt, ihr offizieller Codename war Jedai.
Die Konsole wurde offiziell im Februar 2013 angekündigt und soll Ende 2013 auf den Markt kommen.
Konkurrenzprodukte sind die XBox One von Microsoft und die Wii U von Nintendo.
Die PS 4 verfügt ähnlich wie die Konkurrenzprodukte von Microsoft über eine Gestensteuerung.
Diese gehört aber nicht zur Kernkompetenz von Sony.
Der Kontroller ähnelt dem der Vorgängerkonsolen von Sony, ist aber leicht modifiziert.

Schon Anfang 2013 sickerten viele Informationen über die PS 4 über ein Leak ins Internet.

Die Entwicklung der Konsole begann 2008 unter Aufsicht des leitenden Architekten Mark Cerny.
Der hohe Erfolgsdruck kam einmal daher, dass Sony beim Vorgängermodell PS 3 zeitlich hinter seinem Konkurrenten Microsoft zurückfiel und daher, dass Sony generell seit 2008 Verluste einfuhr, was v. a. am schwächelnden TV-Geschäft lag.


Technische Daten:

- AMD Jaguar 8-Kern-Prozessor auf x86-Architektur mit 64 Bit-Erweiterung
- Custom-Grafikeinheit AMD Radeon und 18 Compute Units, kompatibel zu Direct X.11.1
- Physik-Engine PhysX mit Nvidia APEX-Framework
- GPU und CPU auf gemeinsamem Die ("Nacktchip"; Accelerated Processing Unit/APU)


Xbox One (Frontansicht)
XBox One

XBOX ONE

Die XBox One ist eine Spielekonsole der 8. Generation, die von Microsoft entwickelt wurde.
Anfangs wurde sie auch unter anderen Namen wie XBox 720 diskutiert (Durango, Infinity).
Die Konsole wurde offiziell im Mai 2013 vorgestellt und soll Ende 2013 auf den Markt kommen.
Konkurrenzprodukte sind die Playstation 4 von Sony und die Wii U von Nintendo.
Die XBox One erhielt ihren Namen, weil sie eine einzigartige mit dem Internet vernetzte Multimediaplattform sein soll. Dabei wurde auch Kritik geäussert wegen des Onlinezwangs, der Kameraüberwachung und der eingeschränkten Nutzbarkeit gebrauchter Spiele (noch nicht ganz klar).
Die XBox One verfügt über einen personalisierten Startbildschirm und eine Sprach- und Gestensteuerung.
Eine Gestensteuerung hatte schon die XBox 360, die jetzige Steuerung wurde aber verbessert.
Der Kontroller orientiert sich auch an dem der XBox 360, enthält aber leichte Modifikation.
Das standardmässige Betriebssystem der Konsole ist das XBox OS. Sie ist aber auch über Windows oder eine Kombination von beidem bedienbar.

Einzelheiten der Konsole sickerten schon Anfang 2013 durch. Sony passierte ähnliches.
Als sich dann ein Aufschrei anbahnte wegen verschiedener Überwachungsvorgänge und angeblichen Onlinezwang musste die Herstellerfirma in einigen Punkten zurückrudern.


Technische Daten:

- AMD Jaguar 8-Kern-Prozessor auf x86-Architektur mit 64 Bit-Erweiterung mit 4 MB L2-Cache
- Taktrate 1,75 GHz (1,6 geplant)
- Custom-Grafikeinheit mit DDR 3-RAM und 32 MB eSRAM, kompatibel zu Direct X 11.2
- deutlich mehr Shader-Leistung als bei der Playstation 4 (für 3D-Darstellung)
- aber keine Abwärtskompatibilität zur PowerPC-Architektur der XBox360
- die Xbox One verfügt über eine 500 GB grosse Festplatte, USB 3.0 und ein Blu-ray-Laufwerk
   (die Festplatte ist nicht austauschbar)
- die Xbox verwendet als Kamera die Kinect 2.0, eine Weiterentwicklung der Kamera der Xbox 360


Konsole und Gamepad
Wii U

WII U

Die Wii U ist eine Nintendo-Videospielkonsole, die der Wii nachfolgte. Die Konsole ist abwärtskompatibel zu ihrem Vorgängermodell. Die Wii U ist seit 2012 auf dem Markt.

Nachdem Nintendo schon Ende 2006 bei der Wii mit einem Controller mit Bewegungssensoren für Aufsehen gesorgt hatte, wollte man diesmal einen noch besseren Controller bauen, in den auch ein Touchscreen integriert war. Man nannte diese Synthese aus Controller und Tablet "Project Café".
Ein weiterer wichtiger Verbesserungspunkt war die graphische Auflösung. Die Wii war in einigen Punkten nicht schlecht, verfügte aber nicht über HD. Die neue Konsole sollte dieses Manko endlih ausbügeln.
Der Vorgänger, also die Wii, hatte sich durchaus auf dem Markt bewährt, kam aber mit der Zeit bei einigen Hardwaremerkmalen nicht mehr mit. Ab 2011 sank der Marktanteil dann deutlich ab.

Die neue Wii U wurde dann im Juni 2011 auf der E 3 spielbar vorgestellt. Die offizielle Veröffentlichung war aber erst Ende 2012. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf den neuen Controller gelegt, obwohl die Konsole auch mit anderen Controllern spielbar ist.
Die meisten Spiele sowie das meiste Zubehör sind zur Wii abwärtskompatibel. Einige Spiele sind auch Stereoskopie-fähig (3D).
Die Reaktionen auf die Wii U waren aber verhalten bis leicht-optimistisch. Die neue Konsole war zwar nicht schlecht und ihre Anlehnung an den Vorgänger durchaus pragmatisch, jedoch galt sie nicht als großer Wurf. Ihre HD-Fähigkeit wurde aber gelobt.


Technische Daten:

- CPU: IBM PowerPC-basierter Tri-Core Prozessor mit dem Codename
  "Espresso"
- GPU: AMD-Radeon-basierter Grafikprozessor, Codename "Latte"
- Arbeitsspeicher: 2 GB RAM 




Sonntag, 26. Juni 2016

BREXIT

UK location in the EU 2016.svg
Großbritannien und die EU


Der Begriff Brexit beschreibt den möglichen und am 23.06.2016 durch Volksabstimmung beschlossenen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU). Er ist ein Kunstwort aus den Begriffen "Britain" und "exit".


Vorgegebene Gründe

Der wesentliche Grund für den Austrittswunsch ist die Unzufriedenheit vieler Briten mit der europäischen Union, die schrittweise gewachsen ist. Großbritannien ist aufgrund seiner Insellage und seiner Geschichte als Seemacht und Empire und seiner "special relationship" zu den USA traditionell etwas skeptischer gegenüber dem Gedanken an ein wie auch immer geeintes Europa. Das Land ist entsprechend auch erst spät in die EG (die EU gab es erst später) eingetreten.

Großbritannien empfindet sich als Land, das viel in die EU einzahlt, aber dafür wenige Leistungen erhält. Gleichzeitig erscheint es nicht ganz klar, wofür die EU im positiven Sinne steht.
Die EU wird generell als Instrument der Fremdbestimmung gesehen, die darüber hinaus sehr ineffektiv und bürokratisch ist. Außerdem wird die Tendenz zur Reise- und Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU kritisch gesehen.
Es gab in den Jahren vor der Abstimmung diverse Einwanderungswellen, darunter von osteuropäischen Arbeitern und Handwerkern und dann in der Flüchtlingskrise infolge des syrischen Bürgerkrieges und Instabilitäten in Nordafrika recht kurz vor der Abstimmung.
Die Einwanderer wurden als wirtschaftliche Konkurrenz empfunden und es entstanden auch kulturelle Probleme.

Es geht also bei der Bewegung gegen die EU um (sozio-)ökonomische wie identitäre Konfliktlinien. 

Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die EU Großbritannien diverse Zugeständnisse gemacht hat, so dass die britischen Beiträge reduziert und die Bewegungsfreiheit in Richtung GB reduziert werden konnten.

Die Anhänger eines Brexit machen auch immer wieder geltend, dass europäische Länder ohne EU-Mitgliedschaft wie Norwegen oder die Schweiz gute ökonomische Daten vorweisen können. Auch gibt es Vergleiche mit Singapur in Ostasien, also einem reichen und auf Handel setzenden Stadtstaat mit britischer kolonialer Vorgeschichte. 


Tieferliegende Gründe

Hinter diesen "offiziellen" Gründen gibt es für die Brexit-Kampagne aber auch tieferliegende Gründe.

  • eine stetige Schwächung von Arbeitnehmerrechten, die aber nicht den schwächenden Politikern und Wirtschaftslobbyisten angelastet wird, sondern Immigranten, die als Konkurrenz empfunden werden. 
  • eine Veränderung des Arbeitsmarktes, die gut qualifizierte Menschen bevorzugt hat 
  • die Computerisierung und damit Fragmentierung/Veruneinheitlichung und Komplizierung der Gesellschaft 
  • innerhalb der konservativen Partei (Tories) gibt es auch Gegner von David Cameron, die nach einem Grund suchen, ihn zu schwächen 
  • einige vorgebliche EU-Gegner und Brexit-Befürworter wollten eigentlich dem britischen Establishment eins auswischen

Nachteile eines Brexits

Ein Brexit hat jedoch auch Nachteile. Einige dieser Nachteile sind aber hypothetisch und zwischen Befürwortern und Gegnern eines Brexits umstritten.

  • Der Zugang zum gemeinsamen Binnenmarkt für GB ist gefährdet.
    Es gibt zwar auch Beispiele wie die Schweiz, die über bilaterale Verträge Marktzugänge erhalten haben, aber es ist unwahrscheinlich, dass die EU es zulassen wird, dass ein relativ großes Land wie GB die Nutzen des Binnenmarktes bekommen wird, aber die Kosten des EU-Projektes erlassen bekommt. 
  • London ist eine der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzmetropolen der EU. Ausländische Firmen könnten bei einem Brexit motiviert sein, ihre Geschäftsaktivitäten in andere Städte wie Frankfurt, Berlin, Paris oder Luxemburg zu verlegen.
  • Einige Regionen - gerade in Schottland - profitieren durchaus von EU-Fördergeldern. 
  • Wenn Großbritannien aus der EU austritt, katapultiert es sich auch aus der "politischen Mitte" des Kontinentes. Das kann innerhalb Europas das als Konkurrenten empfundene Deutschland stärker machen wie auch GB transatlantisch bei Verhandlungen mit den USA schwächen. 
  • Die Reisefreiheit ist nicht nur eine Bedrohung für die Briten, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, im europäischen Ausland zu arbeiten und zu wohnen. Das wird nunmehr schwieriger. 
  • Regionen wie Schottland oder Nordirland gelten als eher pro-europäisch. Im Falle eines Brexits könnten dort Abspaltungstendenzen zunehmen.

Der Weg zur Abstimmung

Der britische Premierminister David Cameron hat eigentlich die Volksabstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU ("Brexit") anberaumt, um innerparteilichen Gegnern das Wasser abzugraben und um auf demokratischem Wege Klarheit zu bekommen. Man betrachte vergleichend das Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands.

Noch im Frühjahr 2016, also recht kurz vor dem Referendum, hat er Pläne für eine Reform der EU nach britischen Vorstellungen weitgehend durchsetzen können. Es ging darum, die Integration nicht zu weit voranzutreiben und es konnten wieder einige "Preisnachlässe" für Großbritannien ausgehandelt werden. Für die EU-Gegner in GB war das jedoch alles Augenwischerei.
Der Wahlkampf in Großbritannien wurde entsprechend hart geführt. Beide Seiten setzten auf wirksame Emotionen wie Angst und behaupteten, im Falle eines Sieges der jeweiligen Gegenseite würden schlimme Dinge passieren.
Diese Härte gipfelte sogar im Mord an der Labour-Politikerin und Abgeordneten Jo Cox am 16.06. Daraufhin wurde für kurze Zeit der Wahlkampf unterbrochen.

Nichts desto Trotz stand die Volksabstimmung am 23.06. an. Und obwohl noch kurz vorher ein knapper Sieg der Anhänger eines Verbleibs in der EU prognostiziert wurde, entschied sich die Mehrheit der Wählenden mit 51,9 % FÜR den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Als Folge dieses Sieges jubelten die Gegner der EU massiv, die Anhänger eines Verbleibs trauerten. David Cameron erklärte sehr schnell seinen Rücktritt, wenn auch nicht mit sofortiger Wirkung.
Es stellte sich aber auch heraus, dass einige der Wähler, die für den Brexit gestimmt hatten, sich erst NACH der Wahl über die genauen Vor- und Nachteile eines solchen Vorgehens informiert hatten oder nur aus Protest für ein 'Out' gestimmt hatten, ohne wirklich an einen Brexit zu glauben.

Gleichzeitig bestätigten sich die Befürchtungen, dass in Schottland und Nordirland der oppositionelle Geist gegen Großbritannien (GB) bzw. das Vereinigte Königreich (UK) wachsen würde.
Die EU ihrerseits drängte nun auf Schnelle Austrittsverhandlungen, während es die Politik in Großbritannien plötzlich nicht mehr so eilig hatte.


QUELLEN

Wikipedia
cecu.de
Presse
eigene Kenntnisse




DOKUS

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Dokus


Jagd nach Heroin - Amerikas Mittelschicht auf Droge
(Chasing Heroin) 

95 Min.
USA, 2016

Inhalt/Thesen:
- der Film zeigt Fälle auf, die dokumentieren sollen, wie das Heroin-Problem
  in den USA auch die Mittelschicht erreicht hat
- eine Kernthese ist, dass das Problem in den 80ern durch ein Medikament begann
  (umstritten: andere Ursachen können Kriege in Drogenanbauländern sein)
- ein Beispiel ist die 2012 verstorbene Marah Williams
- Fallmanager: Devin Majkut 


"Aufspüren, verhaften, wegsperren: So funktionierte die US-amerikanische Anti-Drogen-Politik über Jahrzehnte. Doch der Umgang mit Junkies wandelt sich.

Der Heroin-Konsum erlebt in den USA ein Comeback und ist so weit verbreitet wie zuletzt in den Siebzigern. Tausende Junkies sterben jährlich. Die US-Regierung steuert mit viel Geld und Therapiemaßnahmen gegen. "Jagd nach Heroin" zeigt den Wandel der US-Drogen-Politik." 

zdf.de

HAN FEI

* ca. 280 v. Chr.
+ 233 v. Chr.

Han Fei (Hán Fēi, 韓非 / 韩非) war ein Philosoph des Staates Han im China der "Zeit der streitenden Reiche". China war über lange Phasen seiner Geschichte kein geeintes Land, wohl aber eine geographische wie kulturelle Entität.

Han Fei vertrat, auch angesichts der Erlebnisse seiner Zeit, eine recht machtpolitische Sichtweise der Dinge, wollte das menschliche Handeln aber auch stark gesetzlich regeln. Das brachte ihn in Opposition zur Lehre der Konfuzianer. Heute ordnet man seine Lehre auch als Legalismus ein (lat. leges - Gesetze). Er wird von Systematikern der politischen Philosophie gerne mit Machiavelli verglichen.
Han Fei war angeblich ein Schüler des Xunzi. Er legte seine Lehren in einem Buch über 55 Abschnitte dar. Dieses Werk wird Han Feizi genannt.
Sein Schrift soll, auch darin ähnelt er Machiavelli, erst verfasst worden sein, nachdem Han Fei als politischer Berater kaltgestellt wurde.

Han Fei lebte im Staate Han. Er galt zwar als begabt, stotterte aber stark. Das heizte seinen Ehrgeiz aber noch weiter an und prägte seinen Charakter positiv und negativ. Psychohistoriker mögen da an Theorien zur Organminderwertigkeit von Alfred Adler denken, die anderweitig kompensiert werden kann.
Han Fei blamierte sich zwar durch seine mangelnde Rhetorik, verfasste aber vielseitige Schriften, die besonders angesichts des Niederganges der (älteren) Han-Dynastie eine große Rolle spielten. Sein Lehrer von Xunzi, sein Mitstudent - und späterer Konkurrent - Li Si.
Der Verfall der Han-Macht rief andere Mächte auf den Plan. Bei diesen langanhaltenden Kämpfen setzten sich immer mehr die Qin (Ch'in, Ts'in) durch und versuchten, eine Einigung der chinesischen Staaten unter ihrer Macht zu erreichen. Der Herrscher der Qin, Qin Shi Huang ("Erster Herrscher der Qin"), geboren als Ying Zheng, galt as besonders grausam, aber durchsetzungsstark und effizient.
Als sein Han Feis Heimatstaat von den Qin bei ihrem Versuch, China gewaltsam zu einigen, erobert wurde, wurde er zum Staat Qin verschleppt und vergiftet. Angeblich soll der Urheber der Tat Li Si gewesen sein, der ebenfalls Schüler von Xunzi und Legalist war und seinem Herrscher Qin Shi Huang eingeredet hatte, dass die Loyalität Han Feis wohl bleibend dem Han-Staat gelten würde. Konkurrenzneid mag auch eine Rolle gespielt haben. Qin Shi Huang soll diese Tat später bereut haben.
Trotz des Mordes galten die Ideen Han Feis als Leitideen der folgenden Qin-Dynastie. In der darauf folgenden Han-Dynastie wurden sie geächtet und blieben auch danach noch verpönt. Inoffiziell waren sie aber für viele der auf die Qin-Herrscher folgenden Dynastien wegweisend.

Qin Shi Huang


Han Feis Lehre wurde neben Xunzi auch vom Daodejing (Tao Te-king, 道德經 / 道德经) beeinflusst, das er auch kommentierte.
Die Lehre fußte auf den Prinzipien Gesetz (fa 法), Methode des politischen Handelns (shu 术) und Macht (shi 势).
Der moderne Begriff Legalismus für diese Denkrichtung bedeutet, dass Gesetze konsequent durchgesetzt werden müssen und für jeden gelten sollen. Es handelt sich aber um keine reine Rechtsstaatlichkeit, sondern ist auch mit dem Idealbild eines Machtstaates verbunden.
Han Fei vertrat ein durchaus negatives Menschenbild (negative Anthropologie), die auch als zynisch betrachtet werden kann, aber sicher seiner Zeit geschuldet ist. Damals folgte in der chinesischen Politik ein Massaker auf das andere. Han Fei hielt den Menschen folglich von Natur aus für beschränkt und schlecht.
Diesem Chaos wollte er mit staatlich-gesetzlichen Autoritarismus begegnen.
Han Fei forderte strenge Gesetze, die engmaschig wirken sollten und rücksichtslos durchgesetzt werden müssten. Die Strafen sollen hoch sein einschließlich der Todesstrafe, die vom Staat übernommen wird.
Seine Lehren veranschaulichte Han Fei mittels Anekdoten. Ein Beispiel ist sein Vergleich des Menschen mit einem kleinen Kind, das an einer Krankheit leidet, aber dennoch die Behandlung ablehnt. Wie das Kind seien Menschen nicht in der Lage zu erkennen, dass es besser ist, einen kleinen Schmerz auf sich zu nehmen, um einen großen Schmerz abzuwenden.

Wie auch immer: Angesichts seines Todes durch Gift gingen Han Feis machtpolitische Theorien in der Praxis (für ihn) nicht auf!




Sonntag, 19. Juni 2016

LINUX & BSD (PRAXIS): FEHLERQUELLEN

Auch bei Linux gibt es viele Fehlerquellen. Ist ist leider nicht perfekt!

Viele Benutzer, die sich stundenlang durch Foren und Hilfstexte gequält haben, wissen davon ein Lied zu singen.


Fenstermanager

Selbst wenn ein System korrekt installiert ist, kann der Fenstermanager noch abstürzen. Verwerfen Sie bitte nicht das ganze OS oder gar den Computer!
Der Fenstermanager muss "nur" neu gestartet werden.


Zusätzliche Installationen

Da viele Linux-Distributionen sehr pingelig sind, was unfreie Software betrifft, muss man gelegentlich doch derartige Programme eigenhändig nachinstallieren. Das gilt für Codecs, Treiber und ähnliches.


Shut-Down-Problem

Das Problem des richtigen Herunterfahrens ("Shut-Down-Problem") ist berühmt berüchtigt. Manchmal fährt der Computer gar nicht von alleine herunter und muss manuell heruntergefahren werden, manchmal klappt auch bsp. der Stand-By-Modus oder der Benutzerwechsel nicht.

Bei unseren Texts traten derartige Probleme seltener bei Acer-Computern und häufiger bei Lenovo-Computern auf.


Virtuelle Box

Heute kann man ein Betriebssystem einfach ausprobieren, indem man es virtuell installiert. Früher musste man noch teure Festplatten dazukaufen und mühsam einbauen oder sich auf einer bestehenden Platz machen und dann genau wissen, wo man wie was installiert.

Die Virtuellen Boxen haben aber auch Fehlerquellen.

Beispielsweise kann es sein, dass das virtuelle System nicht auf voller Fenstergröße angezeigt wird.

Es kann sein, dass man das RAM des Prozessors und die Grafikkarte nicht richtig eingestellt hat.

Es kann sein, dass man die 3D-Unterstützung nicht eingeschaltet hat.







LINUX & BSD (PRAXIS): DESKTOPUMGEBUNGEN


 



Neben den Systemen selbst ist die "Haube" wichtig, die Desktopumgebung.
Für Linux gibt es viele Desktopumgebungen, von denen man die meisten auch für BSD verwenden kann.


I. Wenn man auf optische Windows-Nähe steht, stehen mehrere zur Auswahl.

1. Mate:

- basiert auf Gnome 2
- sehr einfach zu bedienen
- gutes Startmenü und gute Erweiterungen für die Leiste(n)/Paneele(n)
- aus unserer Sicht empfehlenswert!

2. Cinnamon:

- basiert auf Gnome 3
- etwas komplexer und "moderner" als Mate
- dafür aber auch etwas fehleranfälliger (bes. 3D-Grafik-Anforderungen)

3. Xfce:

- galt früher als der "kleine Bruder" auf dem Desktop
- hat sich inzwischen gemausert, ist aber deshalb auch ressourcenfordernder
- als Light-Desktop (z. B. für ältere Computer) nimmt man heute deshalb gerne LXDE
- aus unserer Sicht gut, liegt aber in den Anforderungen nur knapp hinter Mate und hat viele eigene Programme
  (viele nehmen daher gleich Mate)

4. LXDE:
- LXDE hat Xfce überholt, wenn man eine schlanke Desktopumgebung sucht
- aus unserer Sicht aber ZU einfach gehalten! 

5. KDE:

- KDE galt früher als "Idealdesktop für Windowsumsteiger"
- bis KDE 3 galt das noch, KDE 4 (Plasma) war aber sehr ressourcenfressend und absturzgefährdet;
KDE 5 (Plasma) scheint wieder gut zu sein, inzwischen gibt es aber für Freunde des Windows-Schemas viele Alternativen!


II. Wenn man Desktopumgebungen will, die wie bei Smartphones und Tablets das Startmenü und die Symbole über den ganzen Bildschirm verteilen, gibt es v. a. zwei Möglichkeiten.

1. Gnome 3

2. Unity

3. ehem. KDE:

Unter älteren KDE-Versionen (Plasma 4) konnte man über ein zusätzliches Menü, Homerun, einen Gnome 3-ähnlichen Effekt erziehlen.


III. Ferner gibt es viele Spezialdesktops, die z. B. noch weniger Ressourcen verbrauchen als LXDE oder sonstige speziellen Anforderungen erfüllen sollen.

Beispiele sind:

1. Apple-Nähe: Pantheon
- Imitation des OS-X-Prinzips: dünne Kopfleiste oben, dicke Dock-Icons unten
- im Prinzip wirksam, die Icons sind aber nicht ganz so schön wie bei Apple
- auf einfache Bedienbarkeit ausgerichtet, Erweiterbarkeit umstritten 

2. Enlightenment
- ein einfacher Desktop nur knapp komplexer als bloße Fenstermanager
- standardmäßig bei Bodhi Linux

3. bloße Fenstermanager: Fluxbox, Openbox, i3












LINUX & BSD (PRAXIS): INSTALLATION

Wir haben bereits einen Überblick über wichtige Linux- und BSD-Distributionen gegeben. Die meisten von ihnen kann man auf DVD brennen oder auf Stick laden und damit recht einfach über ein Menü installieren.

Es gibt aber auch Ausnahmen und die betreffen v. a. BSD.

Wir lassen jetzt einmal komplizierte Linux-Distributionen wie Arch Linux oder Gentoo weg, die traditionell für "Meister" gedacht sind.

Noch eine Anmerkung: Die parallele Installation von Linux und BSD gestaltet sich oft schwierig, da die Installationsmanager Schwierigkeiten haben könne, beide Systeme zu erkennen. 


INSTALLATION VON BSD

Bei BSD gibt es nur wenig Distributionen, die sich einfach "von der Scheibe" installieren lassen. Darunter fällt PC-BSD.

Die anderen benötigen eine Installation "von Hand" über die Konsole (Terminal). Dabei sollte man sich zuerst einmal auf FreeBSD konzentrieren, weil es leichter und anwendungsfreundlicher ist als seine Konkurrenten OpenBSD, NetBSD und DragonFly BSD (mit wenigen Ausnahmen). 

Bei FreeBSD bietet die Grund-Installation zwar weniger Komfort als sein Abkömmling PC-BSD, ist aber machbar. Man muss dabei "einfach" dem Menü folgen, auch wenn dessen Aussehen etwas spartanisch anmutet. Doch das Problem: Auch wenn man die Installation geschafft hat, bleibt es bei der "DOS-Optik".

Richtig schwierig wird es also erst, wenn man noch Grafik dazu haben will. Hier gibt es verschiedene mögliche Routinen, um z. B. den Mate-Desktop zu installieren:


Methode "JP" (Jingjok Pairao):

pkg install xorg                        (Windowmanager installieren)
pkg install mate                       (Desktopumgebung installieren)
ee /etc/rc.conf

hostname="localhost"
ifconfig_em0="DHCP"
sshd_enable="YES"
dbus_enable="YES"
hald_enable="YES" 
avahi_daemon_enable="YES" 
avahi_dnsconfd_ enable="YES" 
mate_session_enable="YES" 
moused_enable="YES"
ntpd_enable="YES"
powerd_enable="YES"
dumpdev="NO"
← [Speichern]
ee .xinitrc


ck-launch-session mate-session
← [Speichern]
ee /etc/fstab

Device:          Mountpoint:    FSType:    Options:    Dump:     Pass#: 
/dev/ada0p2  /                        ufs            rw              1              1
/dev/ada0p3  none                 swap        sw              0              0
proc               /proc                procfs       rw              0              0

pkg install ... firefox libreoffice gimp thunderbird vlc rhythmbox
(Hier können Programme installiert werden, die man später braucht.)
reboot  


Methode "MS" (Marcelo Salvador):

pkg install nano                       (Editor)
pkg install xorg                        (Fenstermanager)
pkg install mate-desktop mate (Desktopumgebung)
pkg install slim                         (Displaymanager)
nano /etc/rc.conf

dbus_enable="YES"
hald_enable="YES"
slim_enable="YES"
← [Speichern]
nano .xinitrc
→ 
exec mate-session
← [Speichern]
nano /home/(youruser)/.xinitrc

exec mate-session
← [Speichern]
pkg install ... firefox libreoffice gimp thunderbird vlc rhythmbox ... 

Entscheidend ist zu verstehen, dass man mit einer gelungenen Installation von FreeBSD noch keine grafische Benutzeroberfläche (GUI) und speziell keine Desktopumgebung wie Gnome, Mate, KDE oder Xfce hat.
Deshalb muss der Fenstermanager Xorg nachinstalliert werden (mit pkg install) und dann noch die Desktopumgebung(en).
Das reicht aber noch nicht. Es müssen weitere Einträge in Konfigurationsdateien wie rc.conf und .xinitrc vorgenommen werden, um die installierten Programme auch ausführen zu können. Gegebenenfalls gilt das auch für untergeordnete userspezifischen Konfigurationsdateien wie .../user/.xinitrc. Dafür müssen diese Dateien zuerst in den Editor geladen werden (ee, nano usw.).
rc.conf ist eine Konfigurationsdatei, die Beschreibungen über den local host name, Netzwerkkonfigurationen und Bootinformationen für den Systemstart enthält.
.xinitrc ist eine Konfigurationsdatei, die "startx" (dem Startbefehl der GUI) mitteilt, welche Desktopumgebung sie nach bzw. neben dem Start des X-Servers und X-Clients starten soll. Es gibt .xinitrc auch userspezifisch (s. o.).


Das Login erfolgt in Grundeinstellung mit "root" und gesetztem Passwort. Später kann man weitere Anwender eintragen. Es ist auch nicht ratsam, sich immer mit root, also Spezialrechten, einzuloggen.
Wenn die grafische Benutzeroberfläche nicht von alleine startet (abhängig von den oben genannten Einstellungen), dann gebe man startx ein. Bei spezifischen Desktopumgebungen kann das variieren, z. B. startxfce(4) bei Xfce(4).

Neben dem Betriebssystem müssen aber noch einige Zusatzprogramme installiert werden, um effektiv damit arbeiten zu können. Viele kennt man schon von Linux, einige sogar von Windows.
Bei FreeBSD ist aber anders als bei vielen Linuxen (und PC-BSD) kein Softwarecenter vorhanden. Informationen über die installierbaren Programme können auf der FreeBSD-Homepage abgerufen werden. Man kann die Programme natürlich auch später (nach dem Start) installieren.
Zu den wichtigen Programmen gehören z. B. OpenOffice für die Textverarbeitung, Gimp für die Grafik oder VLC als Mediaplayer.


Donnerstag, 16. Juni 2016

AKADEMISCHE VERBINDUNGEN IN DEUTSCHLAND

- Artikel im Aufbau -

Georg Mühlberg: Couleurdiener beim Speereinziehen

Akademische Verbindungen als Verbindungen von Hochschülern und Examinierten haben in der Öffentlichkeit einen variantenreichen Ruf.

Viele bezeichnen sie als Studentenverbindungen, was sie auch sind, aber nicht nur. Andere bezeichnen sie als Burschenschaften und setzen damit einen Teil für das Ganze.

Verbindungen in Deutschland und in um das Land herum liegenden Ländern folgen meist der deutschen Tradition. Diese folgen gewissen einheitlichen Regeln, genannt Prinzipien. Das heißt, sie haben relativ einheitliche Rahmenkategorien, aber gleichzeitig gibt es auch deutliche Unterschiede innerhalb dieser Kategorien.
Man unterscheidet z. B., ob eine Verbindung farbentragend ist oder nicht-farbentragend, schlagend ist oder nicht-schlagend, ob sie ein reiner Männerbund ist, ein gemischter Bund oder ein reiner Frauenbund. Traditionell waren Verbindungen aber Männerbünde.
Einigkeit besteht bei den meisten Verbindungen zum Komment-Prinzip und Lebensbund-Prinzip.


GESCHICHTE

Schon im Mittelalter gab es so etwas wie universitäre Verbindungen. Berühmt sind besonders die mittelalterlichen "nationes", die man auch als Landsmannschaften bezeichnen könnte.
Im Mittelalter war das Universitätsnetz selbstverständlich noch nicht so gut ausgebaut. Die ersten deutschen Universitäten waren Heidelberg und Prag.
Davor gab es Universitäten oder ihnen ähnliche Hochschulen in Paris und in Norditalien.
Der Student musste also große Wegdistanzen zurücklegen und verfügte natürlich nicht über die Mobilität, die im 19. und 20. Jhd. möglich war.
Die Wege waren weit und sie waren gefährlich. Dies konnte Bewaffnung notwendig machen. Und an der Universität, wo man ankam, musste man sich als Fremder zurechtfinden. Bei diesen Problemen halfen z. B. die "nationes", konnten aber auch einen deutlichen Gruppenzwang ausüben. An italienischen Universitäten - Italien war noch kein geeinter Staat, wohl aber ein geographisch und bedingt auch kulturelles Gebilde - gab es entsprechend deutsche "nationes", also Verbindungen nach dem Landsmannschaftlichen Prinzip.

Unabhängig von diesen Traditionsbünden gab es auch Verbindungen, die der jeweiligen "Mode" der Zeit entsprachen. Im 18. Jhrd., also ungefähr zur Zeit der Aufklärung, gab es an den Universitäten Orden. Bsp.:
Die Kleidung dieser Studenten entsprach auch der Kleidung der Zeit, also z. B. Zweispitz mit Jacke und weißen Culottes ("Kniebundhosen").


Viele dieser Traditionen haben die Wende zum 19. Jhd. nicht überdauert. Damals kam es durch die Französische Revolution, die Feldzüge Napoleons, den Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und durch die Entstehung von deutschen Gegenbewegungen auch im korporierten studentischen Milieu zu Umwälzungen.

Das akademische Verbindungswesen des 19. Jhd.s war durch bestimmte Kleidungsmerkmale und Gegenstände geprägt. Berühmt ist das Band der farbentragenden Verbindungen. Es ist wahrscheinlich aus mittelalterlichen Bändern hervorgegangen, an denen ein Kreuz hing.
Dazu tragen viele Verbindungen eine Studentenmütze, die in vielen Ausprägungen, bspw. als Tellermütze oder als Stürmer (vgl. die Mütze der Südstaatenarmee der CSA).
Ferner können weitere Gegenstände vorkommen, z. B. Bierzipfel und diverse Abzeichen.
Die Kleidung von Korporierten ist - zumindest bei öffentlichen Auftritten - recht formell gehalten.
In der Außendarstellung von Korporationen trifft man auch häufig auf Schattenrisse von Korporierten. Das kommt daher, dass im 19. die Fotographie erst entwickelt und stetig verbessert wurde und man am Anfang noch auf etwas farblich modifizierte Schattenrisse zurückgriff. Auch nach der Erfindung und weitgehenden Verfügbarkeit der Fotographie wurde in manchen Verbindungen die alte Tradition weitergepflegt.


VERBINDUNGSARTEN


CORPS:

Die Kösener Raute, das Symbol des Kösener Senioren-Convents-Verbandes.
Kösener Senioren-Konvents-Verband

- Corps gelten als altehrwürdige Studentenverbindungen mit langer Tradition.
- Ihre geistige Ausrichtung war monarchistisch und elitär, in einigen Fällen ist sie dies auch noch.
- Corps sind um die Jahrtausenswende mehrheitlich im KSCV (Kösener Senioren-Konvents-Verband) oder im WSC (Weinheimer Senioren-Verband) organisiert.
- Einige Corps gehören nicht zu den Dachverbänden, u. a. "einfach so" oder weil sie aus den Verbänden ausgeschlossen wurden.


BURSCHENSCHAFTEN:

Wappen der Deutschen Burschenschaft.jpg
Deutsche Burschenschaft

- Burschenschaften sind im 19. Jhd. entstanden
- Von den Ritualen richteten sich die Burschenschaften zunehmend nach denen der Corps aus.
- Die Burschenschaften entstanden im Zusammenhang mit der deutschen Einigungsbewegung in Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege.
  Sie sind somit klar national ausgerichtet und ursprünglich gegen Franzosen und auch gegen Slawen ausgerichtet (also gegen West und Ost).
  Aufgrund des polnischen Unabhängigkeitskampfes gegen den russischen Zarismus gab es aber eine Zeit lang eine sog. "Polenschwärmerei", die aber nachlies,
  als man (ein)sah, dass sich das polnischee Unabhängigkeitsstreben auch gegen den preußischen Staat richten würde (siehe Posen).
  Einige Kleidungsgegenstände, die in die burschenschaftliche Tradition eingegangen sind, sind polnischen Mustern nachempfunden.
- im späten 19. Jhd. existierte nach der Reichsgründung eine große Euphorie in Corps und Burschenschaften; allerdings gelang die großdeutsche Lösung unter Einschluss Österreichs nicht
- im Jahre 1881 kam es zur Gründung des Allgemeinen Deputierten-Convents, der 1902 in
  Deutsche Burschenschaft umbenannt wurde
- einige Burschenschaften drifteten in ultranationalistische und antisemitische Positionen ab
- in der Zeit zwischen den Weltkriegen betätigten sich viele Burschenschaften weiter patriotisch, gerieten aber in den 30er-Jahren auch in Streit mit der monolithisch ausgreifenden NS-Bürokratie
- einige Verbindungen konnten nach der offiziellen Auflösung noch als Kameradschaften weiterleben
- nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich die DB neu aufstellen, es gab Streitigkeiten über viele
  Punkte, beispielsweise das pflichtschlagende Prinzip; nach langem Gerangel entschied man sich für
  das fakultativ schlagende Prinzip
- es sind aber längst nicht alle Burschenschaften in der DB organisiert:
  einige B! haben sich dem in den 1990er-Jahren gegründeten liberaleren Dachverband Neue Deutsche Burschenschaft (NDB) angeschlossen, einige gehören wieder anderen Dachverbänden an und einige B! sind ganz ohne Dachverband


LANDSMANNSCHAFTEN:

- Landsmannschaften entstanden ursprünglich in Opposition zu den im 19. Jhd. etablierten Korporationen.
  Mit der Zeit passten sie ihre Riten aber zunehmend den Etablierten an.
- Im 19. Jhd. war ein höherer Anteil der (noch männlichen) Studentenschaft in Korporationen organisiert als im späten 20. Jhd.
  Trotzdem gab es auch damals freie Studenten ("Finken") und Studenten, die einer Korporation beitreten wollte, aber keiner der Etablierten.
  Erst im 20. Jhd. nach dem Ersten Weltkrieg gab es klarer verfasste offizielle studentische Institutionen, die allen zugänglich waren.


KATHOLISCHE VERBINDUNGEN UND VEREINE:

- katholische Verbindungen entstanden ab dem späten 19. Jhd. weil die Politik Bismarcks
  eine Repressionen gegenüber Katholiken in Preußen und im Reich vorsah
- Dachverbände sind CV, RKDB, KV und viele andere
- katholische Verbindungen sind in der Regel nicht-schlagend


CHRISTLICHE VERBINDUNGEN:

- neben den katholischen Verbindungen gibt es noch christliche Verbindungen, die nicht an eine
  Konfession gebunden sind
- hierzu gehört der Schwarzburgbund und der Wingolf
- der Schwarzburgbund (SB) ist ein Dachverband christlicher Verbindungen verschiedener Struktur;
  darunter sind konservative und weniger konservative Verbindungen, reine Männerbünde als auch
  gemischte Verbindungen
- der Wingolf ist etwas anders strukturiert, nämlich stärker als Einheit,
  es ist nicht so, dass verschiedene Verbindungen einen Dachverband haben, sondern es gibt
  Verbindungen "eines" Wingolf (Begriff der nordischen Mythologie)


VEREINE DEUTSCHER STUDENTEN

- auch "Kyffhäuserbund" genannt


TURNVERBINDUNGEN:

a) Turnerschaft:

- Turnerschaften sind meist schlagende Verbindungen, die dem Sportprinzip folgen.
- Viele Turnerschaften sind im Coburger Convent (CC) mit vielen Landsmannschaften organisiert.
- Im Sprachgebrauch des 19. Jhd.s verstand man unter Turnen noch Sport im allgemeinen


b) Allgemeiner Turnerbund (ATB):

- Im Allgemeinen Turnerbund sind im 20. Jhd. nicht-schlagende Verbindungen mit dem Sportprinzip organisiert.
  Es kann durchaus sein, dass einige Verbindungen früher schlagend waren und das im Wappen seinen Ausdruck findet.


MUSIKALISCHE VERBINDUNGEN:

a) Sängerschaft:

- Sängerschaften sind meist schlagende Verbindungen, die sich dem musischen Prinzip verpflichtet haben.
 

b) Sondershäuser Verband (SV)

- Im Sondershäuser Verband sind musische Verbindungen organisiert. Die Verbindungen im SV sind farbenführend, aber nicht farben-tragend, und sie sind nicht-schlagend. (Früher gab es auch schlagende Verbindungen im Verband.)
- Der Dachverband der Sondershäuser stellt es seinen Verbindungen frei, ob sie sich als Männerbund konstituieren oder auch Frauen aufnehmen.
Inzwischen gibt es auch eine reine Frauenverbindung (in Hamburg).


JAGDVERBINDUNGEN


SCHWARZE VERBINDUNGEN:

Die schwarzen Verbindungen sind nicht farbentragend und in manchen Fällen auch nicht farbenführend.

- Dachverbände:


In Deutschland gab es verschiedene Dachverbände für schwarze Verbindungen. Darunter den Miltenberger Ring (MR; 1919 aus dem VssV hervorgegangen) und den Wernigeroder Schwarzen Verband (WSV; davor Wernigeroder Schwarzer Ring; davor WV und SR).
1973 wurden die Verbände zum Miltenberg-Wernigeroder Ring (MWR) zusammengefasst. Es war nicht klar, ob die unterschiedlichen Hintergründe unter einem Dach Bestand haben könnten. In den 1980er-Jahren trat die Akademische Verbindung (AV) Igel zu Tübingen aus. Grund für den Austritt waren aber weniger politische Differenzen, sondern eher das Unabhängigkeitsbestrebens einer starken Verbindung, die sich gut selbst erhalten konnte.

A. V. Igel zu Tübingen

Leider konnten die unterschiedlichen Ansichten innerhalb des Verbandes auf Dauer nicht beigelegt werden. Es ging da v. a. um Streitigkeiten bezüglich des Fechtens und in puncto Aufnahme von Frauen. Einige Verbindungen mit nicht-Miltenberger Hintergrund, insbesondere aus Karlsruhe, regten sich besonders über die als konservativ geltende Verbindung Karlsruhensia zu Heidelberg auf und wollten diese ausschließen lassen. Das wiederum brachte die alten Miltenberger gegen den neuen Kurs auf.
1993 beschloss man, den Miltenberg-Wernigeroder Ring zu verlassen und den alten Miltenberger Ring wieder zu gründen. Bis 1995 war dies vollzogen.
Die Heidelberger Verbindung Rupertia trat aber ganz aus und blieb ohne Dachverband. In ihr war der letzte Reichskanzler des untergehenden Kaiserreiches, Prinz Max von Baden, organisiert.
Der Miltenberg-Wernigeroder Ring existiert weiter, hat aber nicht mehr viele Mitgliedsbünde.


DAMENVERBINDUNGEN



Montag, 6. Juni 2016

KOMOSO/KOMUSO-MÖNCHE


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/06/Komuso_Buddhist_monk_beggar_Kita-kamakura.jpg
Ein Mönch mit seiner Shakuhachi.


Bei der Erklärung der Komoso bzw. Komuso-Mönche muss man zuerst auf die unterschiedlichen Bezeichnungen eingehen, die nicht nur eine Aussprachevariation sind. 
Komoso bedeutet nämlich "Strohmattenmönch" und Komuso "Priester/Mönch des Nichts". Man geht davon aus, dass die Bezeichnung Komoso die ursprüngliche war und dann mit Ausarbeitung der Weltanschauung in das ähnlich klingende Komuso umgewandelt wurde. Lexikalisch findet man aber bis heute beide Begriffe.

Komuso-Mönche sind Anhänger der Fuke-Sekte und damit der Ideologie des Fuke Zen des japanischen Zen-Buddhismus. Diese Denkrichtung kam ungefähr im 13. Jahrhundert nach Japan.
Fuke Zen stammt von den Lehren des Linji Yixuan ab, eines Zen-Lehrers aus dem China des 9. Jhd.s. Der Name Fuke ist eine Japanisierung des Namens Puhua, der Mitbegründer der Richtung war.
Puhua hatte die Angewohnheit, herumzuwandern und dabei eine Glocke anzuschlagen, um andere Menschen zur Erleuchtung zu bewegen.
In Japan wählte man dazu die Shakuhachi, eine Bambusflöte, die ihrerseits auf chinesische Vorbilder zurückzuführen ist.
Die Komuso-Mönche praktizierten entsprechend keinen Zazen, bei dem die Meditation im Sitzen stattfindet, sondern Suizen, bei dem die Meditation durch das Flötenspiel stattfindet. Suizen bedeutet "blasender Zen". Die Stücke (Honkyoku) bestanden aus präziser Atemkontrolle zur Bewusstwerdung und waren angepasst an die Schrittbewegung des pilgernden Mönches. Denn die Meditation bei den Komuso-Mönchen sollte nicht lokal fixiert stattfinden, sondern auf weite Pilgerdistanzen. Hier zeigen sich also mehrere Unterschiede im Vergleich zum Zazen.

Pilgergruppe von Komoso/Komuso-Mönchen.


Während der Sengoku-Periode, dem Zeitalter der Bürgerkriege von 1467 - 1603, war es weit verbreitet, dass Komuso-Mönche mit Korb-Hüten stundenlang an den Straßenecken herumstanden und Flöte spielten oder auf Pilgerpfaden herumwanderten.
Schon unter dem Ashikaga-Shogunat von 1336–1573 wurde die Reise innerhalb Japans sehr stark beschränkt. Die Fuke-Sekte schaffte es jedoch, eine besondere Ausnahme für sich zu erreichen. 
Die Mobilität der Komuso-Mönche war damit durchaus von strategischer Bedeutung, so dass verschiedene Mächte, darunter das Shogunat selber sowie Ninja und Ronin (herrenlose Samurai), versuchten, die Möglichkeiten der Sekte für ihre Zwecke auszunutzen. Das brachte die Sekte selber in Verruf. Daher soll es zu regelrechten Echtheits-Tests an Mönchen gekommen sein: Komuso mussten einige Beispiellieder spielen, um zu beweisen, dass sie wirklich zu der Fuke-Sekte gehörten. Konnten sie dies nicht, so wurden sie festgenommen oder hingerichtet. 

Noch problematischer wurde die Lage der Komuso-Mönche unter dem Tokugawa-Shogunat, das Japan gewalttätig einigte und dann eine Art absolutistisches Regime errichtete (1603 - 1867). Die Fuke-Sekte hatte in der Bürgerkriegszeit viele Mönche aus versprengten Existenzen rekrutiert, die in den Augen der Regierung verdächtig waren. 

Das vorläufige Ende der Fuke-Sekte erfolgte dann aber während der Meiji-Restauration, als die Macht des Tennos gegenüber dem Shogunat massiv gestärkt wurde. Diesmal ging es darum, das inzwischen technologisch rückständige Japan anhand einer starken Zentralmacht zu modernisieren, was durchaus auch militärisch gemeint war. 
Relikte des alten Systems wie die Fuke-Sekte störten da, zumal gegen sie immer wieder der Verdacht aufkam, dass sie wieder einmal nicht nur die "Leere" erforscht, sondern sich auch in irdische politische Angelegenheiten eingemischt habe.

Historische Zeichnung.

 

Samstag, 4. Juni 2016

OVID

* 20.03.43 v. Chr. in Sulmo
+ 17 n. Chr. in Tomis 

Publius Ovidius Naso (genannt Ovid) war ein antiker Versdichter. Er galt als einer der drei großen Poeten der klassischen römischen Literaturepoche. Die anderen Dichter waren Horaz und Vergil.

Ovids Werk wird in drei Phasen unterteilt: In der Frühphase schrieb er v. a. Liebesgedichte, in einer mittleren Phase Sagenzyklen und in der Spätphase Klagelieder. Letzteres war durch seine Verbannung beeinflusst.

Ovids Einfluss ging in der Spätantike zurück, im Mittelalter und Barock übte er aber wieder eine große Wirkung auf Kunst und Musik aus. Nach einem erneuten Rückgang in der Romantik wurde er im späten 19. Jhd. wieder stärker rezipiert.
Bekannt sind von ihm neben seinen Liebesdichtungen v. a. die Metamorphosen.


Leben

Über Ovids Leben liegen leider kaum Quellen vor. Eine Ausnahme bilden autobiographische Aussagen in den Tristien. Im Exil lässt der betrübte Ovid sein Leben Revue passieren. In der Forschung sind diese Aussagen aber umstritten.

Ovid wurde 43 v. Chr. in Sulmo (heute: Sulmona) geboren, das 120 km östlich von Rom liegt. Seine Familie gehörte dem Ritterstand an und war wohlhabend. Ovid bekam, anders als Vergil und Horaz, den langen Bürgerkrieg nicht mehr mit.
Der Vater schickte seinen Sohn mit dem fast gleichaltrigen Bruder auf Bildungsreise nach Griechenland und dann in Rom zum Rhetoren. Ovid sollte, wie es damals für Sprösslinge gehobener Familien üblich war, die Ämterlaufbahn, den "cursus honorum" bestreiten.
Ovid fand jedoch mehr Gefallen am Formulieren von Versen und dem Erzählen von Geschichten. Eine Zeit lang war er noch Richter, aber dann gab er die öffentliche Ämterkarriere auf und wurde Dichter.
Ovid hatte Glück, bei seinen Absichten von Marcus Valerius Messalla Corvinus gefördert zu werden.

Ovids erstes Werk waren die Liebesgedichte, bzw. "Amores". Sie machten ihn auf einen Schlag in Rom bekannt, was noch durch den Tod des Horaz' 8 v. Chr. verstärkt wurde. Die Liebe blieb in seinen Frühwerken Ovids Lieblingsthema.
Nach weiteren Werken schuf Ovid um 1 n. Chr. sein Hauptwerk, die "Metamorphosen". Darin werden alte Sagen mit dem Thema Verwandlung(en) neu erzählt.

Das private Liebesleben des Dichters blieb aber variantenreich. Er heiratete jung, seine erste und seine zweite Ehe wurden aber nach kurzer Zeit geschieden. Seine Tochter entstammte wahrscheinlich der zweiten Ehe.

Ovids Leben verlief aber nicht auf Dauer so erfolgreich.
Im Herbst 8 n. Chr. erreichte ihn auf der Insel Elba der Beschluss des Kaisers Augustus, dass er nach Tomi (heute: Constanta) am Schwarzen Meer verbannt werde. Den Dichter traf diese Wendung schwer.
Es gab vorher weder ein Gerichtsverfahren noch einen Senatsbeschluss.
Über die Gründe der Verbannung gibt es unterschiedliche Aussagen.
Die Art der Verbannung war keine "aquae et ignis interdictio", bei der er für vogelfrei erklärt und sein Vermögen konfisziert worden wäre, sondern eine "relegatio", bei der er das Vermögen und sein Bürgerrecht behalten konnte.
Nichtsdestotrotz empfand der Dichter die Strafe als sehr hart.

Ursachen für die Verbannung:
  • carmen et error (= Gedicht und Fehler/Verfehlung)
  • Carmen: Die Liebesdichtung, allen voran die "Ars amatoria" könnte Kaiser Augustus ein Dorn im Auge gewesen sein.
  • Error: Ovids variantenreiches Sexualleben könnte eine Ursache sein.
  • Ovid deutet in seinen Tristien eine Mitwisserschaft an. Einige Forscher vermuten ein Wissen um die Ehebruchsaffäre von Augustus' Enkelin Iulia.
    → Hier ist anzumerken, dass Augustus selber, wenn man dem Biographen Sueton glauben schenken will, sich keineswegs an seine offiziell verkündete Sexualmoral hielt.

Ovid versuchte auch aus dem Exil, den Kaiser noch zu erweichen und schrieb weiter Gedichte. Doch Augustus blieb hart. Auch sein Nachfolger Tiberius scheint nicht nachgegeben zu haben. Ovid verstarb im Exil.
Wann genau Ovid gestorben ist, ist unklar. Man vermutet das Jahr 17 n. Chr. oder wenig später.
Ovid teilte vorher an seine Frau in den Tristien noch seine Grabinschrift mit:

Hic ego qui iaceo tenerorum lusor amorum 
Ingenio perii, Naso poeta, meo.
(Hier liege ich, der Spieler zärtlicher Liebesgedichte.
Ich bin, der Dichter Naso, an meiner Begabung zugrunde gegangen.)
At tibi qui transis, ne sit grave quisquis amasti 
Dicere: Nasonis molliter ossa cubent.  
(Aber dir, der/wenn du vorbeigehst, soll es nicht schwer fallen zu sagen, 
wenn du jemals geliebt hast: Nasos Gebeine sollen weich ruhen!) 


Freitag, 3. Juni 2016

PIERRE DRIEU LA ROCHELLE


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3f/Pierre_drieu_la_rochelle.gif
Pierre Drieu la Rochelle


Pierre Eugène Drieu la Rochelle wurde in einer katholischen Knabenschule erzogen, fühlte sich dort aber nicht wohl und wurde schon mit 14 Atheist. Sein Denken war früh eine Mischung aus Widerstandsgeist und Größenphantasie, wodurch er später sowohl linke als auch rechte Ideologeme darin aufnahm. Ein frühes Vorbild von ihm war Friedrich Nietzsche.
Drieu war intelligent und an Bildung und der Welt interessiert, aber auch sprunghaft und unstet. Nach Abschluss der Schule begann er ein Jurastudium, fiel aber bei einer wichtigen Prüfung durch.

Eine vermeintliche "Rettung" war - ähnlich wie bei dem etwas jüngeren schulmüden Deutschen Ernst Jünger - der Erste Weltkrieg. Drieu diente freiwillig in der Infanterie und der Artillerie. Er kämpfte dabei auch an besonders "heißen" Schlachtorten, z. B. in Verdun und bei den Dardanellen.
Drieu sagte, dass er den deutschen Feind nicht hasse, sich ihm aber entgegenstelle. Zum Kriegsende war er Adjutant und empfand das Ende der Kämpfe als Leere. 
Seine Kriegserlebnisse verarbeitete er bereits literarisch, und zwar mit nationalistischen und z. T. schon satirischen Einschlägen. Berühmt sind seine Werke "Comédie de Charleroi" und "Gilles" (Die Unzulänglichen). Drieu war in der Lage, das menschliche Verhalten genau zu beobachten.

Danach arbeitete Drieu für die Literaturzeitschrift Nouvelle Revue Francaise (NRF) von André Gide. Zu seinem Freundeskreis gehörten führende Schriftsteller der Zeit, darunter André Malraux, Louis Aragon und Antoine de Saint-Exupéry. Drieu war durch Familienbesitz und Heirat finanziell unabhängig.
Von 1917 - 1925 war er mit der Jüdin Colette Jéramec verheiratet. Später sollte er sie und ihre Kinder vor der Naziverfolgung retten. Drieu hatte danach viele weitere Affären, u. a. mit Victoria Ocampo und Christiane Renault (Ehefrau von Louis Renault).
Drieu kritisierte in seinen Werken gerne die angebliche Dekadenz der französischen Oberschicht. Ein wichtiges Werk - das auch Elemente aus Drieus Leben enthält - ist "Le feu follet" (Das Irrlicht). Hierin setzt er sich mit dem Selbstmord seines engen Freundes Jacques Rigaut auseinander. Dieses Werk gilt sowohl in der Form als Kurzroman von 1931 als auch als Film von 1963 als Meisterwerk. Bei der Verfilmung hat Louis Malle allerdings einige Änderungen vorgenommen, z. B. die Zeit der Handlung und das Alter des Hauptakteurs nach hinten verschoben. Es existieren noch weitere Adaptionen des Werkes, das sich intensiv mit den Themen Verzweiflung und Scheitern auseinandersetzt.


Als das direkte Nachwirken des Weltkrieges schwächer wurde, suchte Drieu einen neuen Kurs und neue Ziele. Hier verhielt er sich aber wieder unstet.
Er war zuerst Mitglied des konservativ-antiparlamentarischen Redressement Francais und dann in den frühen 30er-Jahren im Parti radical.
Ab 1934, also ein Jahr nach Hitlers Machtübernahme, wurde er dann zunehmend faschistisch. 1936 trat er dem faschistoiden Parti Populaire Francais (PPF) des ehemaligen Kommunisten Jacques Doriot bei.

Diese Gesinnungsänderung zeigt sich auch im literarischen Schaffen Drieus. Ein gutes Beispiel ist der Roman "Rêveuse bourgeoisie" (Verträumtes Bürgertum), dessen erster Teil schon 1936 in der NRF erschien. Dieses Werk enthält viele autobiographische Inhalte, so z. B. die zerrüttete Ehe seiner Eltern. Es beschreibt den Niedergang einer Familie der französischen (oberen) Mittelklasse im frühen 20. Jhd. über 3 Generationen.
Das Werk entstand zwar in einer Politisierungsphase des Autors, ist aber in sich nicht sehr politisch, mit Ausnahme einiger Aussagen am Ende des Werkes. Das Gesamtwerk erschien 1937 bei Éditions Gallimard.

Besonders problematisch bei Drieu ist aber seine Entwicklung in den späten 30er-Jahren und seine Haltung während der deutschen Besatzungszeit 1940. Die militärische Niederlage Frankreichs 1940 erfolgte in wenigen Wochen, nachdem man vorher noch von einem Patt der Kräfte ausgegangen war.
Dafür wurden in der nachträglichen Analyse der Westalliierten einmal schwere Planungsfehler in Militär und Politik in Frankreich verantwortlich gemacht, sowie andererseits eine innere Zerrüttung des Landes zwischen Demokraten, Links- und Rechtsextremen einschließlich einer allgemeinen Ziel- und Motivationslosigkeit, die damals noch mit Dekadenz umschrieben wurde. Als im Vorfeld des deutschen Aufmarsches an der Grenze, der nur z. T. militärisch aufgeklärt werden konnte, sich endlich britische, französische und belgische Einheiten auf ein halbwegs koordiniertes Abwehrkonzept einigen konnten und Gebiete Nordfrankreichs zur militärischen Sperrzone erklärt worden waren, beschwerten sich einige Reporter, dass ihre journalistische Arbeit bei der Tour de France behindert werde.
Es herrschte offenbar überhaupt kein Bewusstsein dafür, dass man kurz vor dem Überrannt-Werden stand. Und das, obwohl die schnelle militärische Niederlage Polens, dem die Westalliierten nicht zu Hilfe gekommen waren, gerade erfolgt war. Noch als Hitler Frankreich den Krieg erklärt hatte, glaubten viele in Paris, jetzt habe er einen strategischen Fehler begangen.

Drieu dagegen hatte schon vor 1940 phantasiert, dass ein militärischer Sieg der Deutschen positive Effekte haben könne. Dementsprechend kollaborierte er danach offen mit dem Vichy-Regime. Man muss allerdings sagen, dass er damit bei weitem nicht alleine war, denn viele "Widerstandsbiographien" wurden erst ab Kriegsende zusammengefälscht.
Drieu wollte aber, obwohl er Antisemit war, keinen Sieg des deutschen Nationalismus oder einer Germanenideologie. Er sehnte eher einen europäischen Sozialismus herbei, der den Kontinent retten könne. Und zwar sowohl vor innerer Instabilität an sich wie auch vor Instabilität angesichts der (perzipierten) Bedrohung aus dem Westen, den USA und dem Osten, der Sowjetunion unter Stalin. Dabei war er klar antikommunistisch.
Drieu wurde von den Nazis akzeptiert, ja galt geradezu als einer der Wortführer der Kollaboration. Er gründete im Dezember 1940 die im Juni eingestellte NRF neu und erhielt dabei Hilfe von Gerhard Heller (der später fünf seiner Werke ins Deutsche übersetzte). Drieu war der neue Chefredakteur bis zur Einstellung der Zeitschrift im Juli 1943.

Im 1944/45 entstandenen und erst später bekannt gewordenen
"Récit secret" (Geheimer Bericht) korrigierte Drieu einige seiner politischen Einstellungen. Er war von Hitlers Politik enttäuscht und betrachtete den Faschismus jetzt als Irrweg. Allerdings konnte er sich nicht zu einer Begeisterung für die parlamentarische Demokratie durchringen, sondern blickte jetzt gen Osten. Politisch ist seine erneute Hinwendung zum roten Denken in gewisser Hinsicht eine Rückbesinnung. Hatte er vorher den Faschismus noch als politische Bewegung der erneuerungswilligen europäischen Jugend nach 1918 bezeichnet, so erhoffte er jetzt den Sieg des Kommunismus.

Am 16. März 1945 beging La Rochelle Selbstmord durch Gift und Gas. Das war nicht sein erster Versuch. Er befand sich aufgrund der deutlichen und nicht mehr zu verbergenden Kollaboration auf verlorenem Posten. Ihm drohten angesichts des Vorrückens der Westalliierten in Frankreich Verhaftung und das Todesurteil. Gerade in der frühen Nachkriegszeit wurde bei den Säuberungen ("épurations") nicht lange gefackelt. Man muss bei genauer Betrachtung aber sagen, dass viele Säuberer selber erst in letzter Minute auf die Seite der Siegreichen gewechselt waren. Auch Schriftsteller, die später als große Wiederständler und Helden der Linken galten, wie Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Marguerite Durras, hatten sich in Wirklichkeit vorher nicht als große Widerstandshelden hervorgetan.

Drieu dagegen war in der Nachkriegszeit in Frankreich eine persona non grata. Trotzdem gab es von einigen Akteuren immer wieder Versuche, Teile seines Werkes zu rehabilitieren. Louis Malle verfilmte z. B. 1963 das Werk "Le feu follet". In rechten Kreisen war er sowieso nie ganz abgeschrieben.
Stärkere Schritte zur Rehabilitierung erfolgten aber erst nach der Jahrtausendwende. Im Jahre 2012 wurde er mit einer Teilausgabe sogar in die "Bibliothèque de la Pléiade" aufgenommen.


WERKE:

Interrogation. 1917.
Mesure de la France. 1922.
L’Homme couvert de femmes. 1925. Deutsch: Der Frauenmann. Übersetzt von Gerhard Heller. Ullstein, Frankfurt am Main 1972.
Le Jeune Européen. 1927.
Le feu follet. 1931. Deutsch: Das Irrlicht. Übersetzt von Gerhard Heller. Propyläen, Berlin 1968.
La Comédie de Charleroi. 1934. Deutsch: Die Komödie von Charleroi Übersetzt von Andrea Spingler und Eva Moldenhauer. Manesse Verlag, München 2016.
Socialisme fasciste. 1934.
Rêveuse bourgoisie. 1937. Deutsch: Verträumte Bourgeoisie. Übersetzt von Gerhard Heller. Ullstein, Frankfurt am Main 1969.
Gilles. 1939. Deutsch: Die Unzulänglichen. Übersetzt von Gerhard Heller. Propyläen, Berlin 1966.
Notes pour comprendre le siècle. 1941.
Im Invalidendom.
In: Axel von Freytagh-Loringhoven, Joachim Moras (Hrsg.): Europäische Revue. 17. Jg. 1941, Heft 3. DVA, Stuttgart, Berlin.
L’Homme à cheval. 1943. Deutsch: Der bolivianischer Traum. Übersetzt von Friedrich Griese 
Les Chiens de paille. 1944, erschienen 1964.
Mémoires de Dirk Raspe. 1944/1945, erschienen 1966. Deutsch: Die Memoiren des Dirk Raspe. Übersetzt von Gerhard Heller. Ullstein, Frankfurt am Main 1972.
Récit secret. 1944/1945, erschienen 1951. Deutsch: Geheimer Bericht. 
Textes politiques 1919–1945. Présentation de Julien Hervier, Paris 2009.
Lettres d’un amour dèfunt – Correspondance 1929–1944. Pierre Drieu La Rochelle/Victoria Ocampo, Paris 2009.
Romans, récits, nouvelles. Edition publiée sous la direction de Jean-Francois Louette, Bibliothèque de la Pléiade, Gallimard, Paris, 2012.


QUELLEN:

Wikipedia
Meyers Großes Taschen-Lexikon
Drieu La Rochelle: Zerstörung im Auge (Der Spiegel, 46/66)
P. Drieu La Rochelle: Für diesen Dichter war der Faschismus sexy (Welt, 13.05.16)