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Sonntag, 15. Januar 2017

LINUX: MANDRIVA UND MAGEIA (MANDRAKE)

Mandrake - Mandriva - Mageia.

Ab 1991 startete Linux als Betriebssystem erst einmal frisch durch. Da Linux im Grunde nur ein Kernel (Betriebssystemkern) ist, benötigt es zusätzliche Software, um als Betriebssystem wirken zu können. Dieses "Gesamtpaket" nennt man dann Distribution.

In den 90er-Jahren war die Zahl der Distributionen noch recht übersichtlich. Berühmt waren Debian, das gerne auf Servern eingesetzt wurde, aber auch RedHat aus den USA und das deutsche SUSE.Doch dann kam 1998 eine neue Distribution auf den "Markt", die sich Mandrake nannte.


DIE VORGESCHICHTE: VON MANDRAKE ZU MANDRIVA

Mandrake Linux war eine Fork (Abgabelung, Abstecher, Zweig) von RedHat, ging aber sehr bald eigene Wege. Als Desktop benutzte es KDE, das windows-ähnlich eingerichtet wurde, und nicht Gnome wie RedHat.
Als Paketmanager übernahm man von RedHat den RPM und modifizierte ihn später etwas (RPM = RedHat Package Manager, später aus juristischen Gründen RPM Package Manager genannt).
Die Distribution war mit einem Installationsprogramm ausgestattet, dass es auch dem interessierten Laien möglich machte, Mandrake zu installieren.
Der Begründer und "Guru" von Mandrake war Gael Duval. Dieser gründete mit Gleichgesinnten die Firma MandrakeSoft, die das Projekt anführte. 
Es handelt sich bei MandrakeSoft also nicht nur um eine Gruppe von Idealisten, wie bei anderen Linux-Distributionen, sondern um eine kommerziell orientierte Firma. Man lebte beispielsweise vom Verkauf von Pappboxen mit dem Betriebssystem und von Beratungsleistungen. Bei der Namenswahl mag auch die Firma Microsoft inspirierend gewesen sein.
Leider wurde Gael Duval 2007 aus seiner eigenen Firma entlassen. 

Der Name Mandrake wurde nach dem Zauberer gewählt und entsprechend wurde das Symbol ein (gelber) Stern auf blauem Untergrund. 

Daß Mandrake nicht mehr Mandrake heißt, verdankt es einer Rechtsstreitigkeit. Eine andere Firma sah ihren Markennamen in Gefahr. Vorübergehend verwendete man den Namen Mandrivalinux, aber das hielt nicht lange.
Als neuer Name wurde Mandriva gewählt, einmal aufgrund eben dieser Rechtsstreitigkeit und dann wegen der Fusion mit dem brasilianischen Projekt Conectiva Linux.

Mandriva blieb aber auch mit neuem Namen seinen alten Grundsätzen treu: Es blieb einsteiger- und generell benutzerfreundlich. Mit der Zeit entwickelte man zusätzlich zu den üblichen Einstellungen im Kontrollzentrum von KDE (oder anderen Desktops) ein neues Mandriva Kontrollzentrum (MCC). In diesem ließen sich wichtige Systemeinstellungen übersichtlich durchführen. Man kann das grob vergleichen mit YaST von SUSE. Das ist auch ein Einstellungs"zentrum" wie das MCC, aber noch umfangreicher. Für einige besser, für andere zu umständlich.

Wie dem auch sei: Mandriva verfügte bald über ein souveränes Leistungsspektrum, geriet aber mit der Zeit unter großen Konkurrenzdruck. Zum einen hatte man unterschätzt, dass mit der weiteren Verbreitung des Internets einschließlich von Hochgeschwindigkeitsleitungen der Bedarf an im Laden zu kaufenden Betriebssystemen zurückgeht.
Zum anderen erwuchs Mandriva als benutzerfreundlichem Betriebssystem bald Konkurrenz von einem noch benutzerfreundlicherem System: nämlich dem berühmten Ubuntu, das ab 2004 auf der Bildfläche erschien.
Ubuntu, das auf Debian Linux beruhte, krempelte schon bald den Markt um (wenn man bei freien Systemen von Markt sprechen kann) und drückte andere etablierte Betriebssysteme wie SUSE, RedHat/Fedora und eben Mandriva beiseite. Das heißt nicht, dass diese aufgehört haben, zu bestehen. Die Kuchenstücke wurden nur kleiner.

Mandriva versuchte, dem entgegenzuwirken, indem man sich eher auf Firmenkunden konzentrierte. Dazu nahm man zu mehreren Investoren Kontakt auf, darunter auch zu russischen, die aber den Druck in Richtung Firmenkundengeschäft noch weiter erhöhten. So kam es dazu, dass nahmhafte Entwickler beschlossen, eine nicht-kommerzielle Distribution aus dem Mandriva-Projekt auszulagern, ähnlich wie das RedHat mit dem Fedora-Projekt gemacht hatte oder später SUSE mit openSUSE.

Die jetzt erfolgende Auslagerung nannte man Mageia. Es folgten aber noch andere, nämlich OpenMandriva Lx und gewissermaßen das russische ROSA.
Interessanterweise hatte es schon zu Mandrake-Zeiten eine Fork gegeben, nämlich das US-amerikanische PCLinuxOS.


MAGEIA

Mageia ist eine freie Distribution, die um 2010 aus dem Mandriva-Projekt abgespalten wurde. Damals waren schon innere Spannungen im Projekt absehbar, die Gruppe um Mageia sprang aber ab, bevor das Gesamtprojekt eingestellt wurde.
Symbol des Projektes war nun nicht mehr der Zauberstern, sondern zauberhafte Blasen.

Sie gilt als sehr benutzerfreundlich (wie ihre Vorgänger), als sehr laufstabil, sie entwickelte sich mit der Zeit von der reinen KDE-Distribution zur Multi-Desktop-Distribution.
Mageia führte das allseits beliebte Mandriva-Kontrollzentrum (MCC) weiter und blieb auch sonst recht nahe am Muttersystem. Gewisse Verbindungen hält man sogar zur Urmutter RedHat.

Bei unseren Tests haben wir neben dem "Stamm-Desktop" KDE auch die anwenderfreundlichen Desktops Mate und Xfce ausprobiert. Beide liefen recht gut, bei Mate mussten wir aber das geliebte Mint-Menü nachinstallieren - konnten das aber auch.



OPENMANDRIVA LX

OpenMandriva ist eine weitere Abspaltung des Mandriva-Projektes. Es ging einen etwas anderen Weg als Mageia.
Die Abspaltung erfolgte 2012, als klar war, dass die Firma Mandriva sich nur noch um das Firmenkundengeschäft kümmern wollte. Die Gruppe um Mageia war schon rund 2 Jahre früher gegangen (2010). Eine erste brauchbare Distribution stand aber erst 2013 zur Verfügung.
Formelle Grundlage des Projektes ist die OpenMandriva Association (OMA), die die OM-Community vertritt und nach französischem Recht verfasst ist.

Mandriva setzte stärker auf eine Beibehaltung des KDE-Desktops, als "Rückfalldesktop" (oder zum Selbstzweck) bot sie aber bald auch LXQt an.
Dabei ging man auch designtechnisch andere Wege: OM setzte neben oder statt herkömmlicher Startmenüs von KDE auch auf sog. Dashboards, also semitransparente Menüs, die über den ganzen Bildschirm verteilt werden. Zum groben Vergleich nehme man Gnome 3 oder auch Mac OS X, wo solche Dashboards optional enthalten sind.
Bei den Icons lehnte man sich themetechnisch zuerst an das russische ROSA an und ging dann eigene Wege.

Trotz des innovativen Designs war OpenMandriva lange Zeit nicht so stabil wie das souveräne Mageia. Auch gab es in der Projektgestaltung immer wieder Inkonsistenzen. Andererseits konnte OpenMandriva ab Lx 3 doch sehr überzeugende Arbeitsergebnisse liefern. (Die Benennung nach Jahreszahlen wurde geändert.)

Bei unseren Tests hat es aber bei OpenMandriva gewisse Schwierigkeiten mit WLAN-Treibern gegeben. Auch war das Herunterladen von Zusatzkarten für einige Computerspiele problematisch. 

Zu OpenMandriva sei noch angemerkt, dass es einen relativ guten Installtionsmanager hat, so dass man OM bei einem Dual-Boot-System als zweites OS verwenden kann, um das "Gesamtpaket" der Betriebssysteme auf der Festplatte zu konfigurieren!


PRAKTISCHE HINWEISE

Die Installation und Bedienung von (Open)Mandriva und Mageia ist sehr einfach gehalten und gut erklärt. Auch die Desktops liegen in einer großen Auswahl vor und enthalten die "üblichen Verdächtigen". Über das Mandriva/Mageia Kontrollzentrum (MCC) kann man genauere Systemeinstellungen vornehmen.
ABER: Die Eingabe von Befehlszeilen in die Konsole (Terminal) läuft nicht nach dem für viele Nutzer vertrauten Schema von Debian und verwandten Systemen wie Ubuntu und Mint.

Mandriva und Mageia verwenden den URPM, den User RedHat Package Manager, manchmal auch URPMI genannt, weil der urpmi-Befehl oft für Installationen und Updates verwendet wird.
Einige Grundbefehle:
urpmi Paketname             - Paket installieren
urpmi Paketname             - Paket entfernen ("erase")
urpmq Paketname            - Paketinfo, Auflistung
urpmi.addmedia *            - Paketquelle hinzufügen (vgl. PPA von Ubuntu/Mint)
urpmi --auto-select           - Aktualisierung des Gesamtsystems (alle Pakete)


Wichtiger Hinweis: Nach der virtuellen Installation von Mageia lädt das System manchmal nicht in/ auf die installierte Partition. Dann müssen im Mageia Kontrollzentrum einige Quellen (z. B. CD/DVD) weggeklickt werden.


INSTANT MESSENGER (II): EINZELNE DIENSTE

Internet Messenger (I): Grundlagen
Internet Messenger (III): Multi-Messenger

Instant Messenger waren schon in den 90er Jahren 'in'. In diesen Zeiten hießen berühmte Messenger ICQ, AIM, Y!M und WLM (MSN), später auch GoogleTalk u. ä.
Dann bekam die Situation durch die Sozialen Medien und den Smartphoneboom in den (späten) 2000ern einen neuen Anstoß. Es kamen jetzt Messenger wie WhatsApp u. a. heraus.

Diese neue Nachfrage nach Messengern ist verständlich. Aber wieso sollte ein IM nur mit einem Smartphone erreichbar sein? Und wieso sollte man bei einem mobilen IM unbedingt seine Telefonnummer angeben müssen, selbst wenn dann die individuelle Zuordnung etwas einfacher ist?
Unserer Meinung nach sollte das alles optional sein, also nicht verpflichtend!


Heute gibt es u. a. folgende Messenger:

- BlackBerry Messenger (BBM): für das Blackberry und inzw. andere Systeme, Sicherheitskritik
- ChatON: ein Chatdienst des Unternehmens Samsung
- Facebook Messenger: ein Messenger von Facebook (nomen est omen!)
- Google Hangouts: soll bei Google verschiedene Messenger integrieren, Bedienung seltsam
- Hike: Schwerpunkt Indien
- Hoccer: sicher, Deutschland, aber auf wenigen Plattformen
- KakaoTalk: Schwerpunkt Korea
- Kik Messenger: 2009/10 in Ontario in Kanada also Uni-Projekt gegründet,

- Line: schwerpunkt Ostasien (Japan und Korea), will aber international werden
- Signal: gilt als sicher, USA, von Snowden empfohlen
- SIMSme: IM der Deutschen Post AG
- Skype: klassischer Messenger mit Videotelefonie, seit 2011 im Besitz von Microsoft
- Telegram: extrem plattformübergreifend
- Threema: sicher, aus der Schweiz
- Viber: spezialisiert auf Internettelefonie, keine Benutzernamen nötig, Sicherheit umstritten
  (wurde mal als Skype-Alternative diskutiert, vgl. Mumble und Ventrilo [eingestellt] für Sprachkonferenz)
- WeChat: Schwerpunkt China
- WhatsApp: weit verbreitet, aber umstritten
- Wire: europäisches Projekt von ehem. Mitarbeitern berühmter Computerfirmen


Man sieht bei so einem Überblick auch, dass die Trennung zwischen Messenger und Social Media nicht immer so leicht ist. Auch Twitter kann man in gewisser Weise als Messenger verwenden, ebenso Spielekommunikationsplattformen wie Discord.

Was aber ist nun zu empfehlen?

Der technisch beste Messenger nützt nichts, wenn man keinen Freundeskreis hat, der zu ihm wechselt. Deshalb bleiben viele bei den Marktführern, also z. B. bei WhatsApp.
Wir persönlich halten Telegram für praktisch - aber nicht, weil es zu den sichersten Diensten gehören würde, sondern weil er andere Vorteile hat.
Telegram läuft auf sehr vielen Plattformen (einschließlich Linux und FreeBSD), es ist mobil und stationär einsetzbar und es hat ein AddOn für viele Browser.
Wenn man rein technisch urteilt, wären ggf. Wire oder das kostenpflichtige Threema in Betracht zu ziehen.

Zum Thema Sicherheit:

In der heutigen Zeit ist bei keinem Messenger wirklich klar, ob er nicht doch abgehört wird. Deshalb sollte man geheime U-Bootpläne nie auf diese Weise übermitteln. 😋
Übrigens ist es irreführend, wenn im Internet immer wieder so getan wird, als ob nur die USA oder ihre Verbündeten abhören. In Wirklichkeit ist dies auch bei Russland und China der Fall, aber auch andere Länder rüsten nach.
Faktoren für eine relative Sicherheit sind die Art (z. B. Quelloffenheit, Verschlüsselungstechnik) der verwendeten Software, der Standort der Server oder die personelle Organisationsstruktur hinter dem Messenger.

Spezielle Ansätze:

Aufgrund externer Anregung sind wir auf die Idee gekommen, auch "alternative" Ansätze wie RetroShare zu empfehlen.

RetroShare ist ein freies Programm für Kommunikation und Filesharing. Es wird mit dem Darknet verglichen, weil es OpenPGP, RSA und OpenSSL nutzt und Friend-to-Friend- und End-to-End-Kommunikation zulässt. Es ermöglicht neben Instant Messaging auch VoIP, Videokonferenz, Email, Feedreader, Rundsenden, Foren, Newsgroups, Chat-Lobbys, Fernchat. Der ganze Austausch erfolgt dabei ohne zentrale Server.
Wir bedanken uns für diesbezügliche Informationen an uns von IT-Freunden.