Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
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Donnerstag, 7. Dezember 2017

EVA GLAWISCHNIG(-PIESCZEK)

* 28.02.1969 

Eva Glawischnig(-Piesczek) ist eine österreichische Grünen-Politikerin.


JUGEND

Eva Glawischnig wurde in Villach geboren in Kärnten geboren. Sie wuchs in Unterhaus in der Gemeinde Seeboden am Millstätter See auf.

Nach der Grundschulzeit ging sie an das Bundesgymnasium Porcia in Spittal an der Drau. Ihr christliches Bekenntnis war evangelisch (lutherisch).
Die Familie besaß ein Wirtshaus, in dessen Betrieb die Kinder früh eingespannt wurden. Die Familienstrukturen waren damals hierarchisch. Der Vater galt als Familienvorstand, während die Mutter sich um die soziale, religiöse und musische Erziehung zu kümmern hatte.

Diese Schulzeit war ziemlich genau deckungsgleich mit den 80er-Jahren. Entsprechend beeinflusste auch der Zeitgeit dieses Jahrzehntes die Schüler auf dem Gymnasium. Die Jugend der 80er wuchs - insbesondere in ländlichen Gebieten - noch in einem konservativen Sozialumfeld auf. Gleichzeitig waren aber die 80er als relativ flippig und rebellisch bekannt. Das zeigte sich nicht nur in er Frisuren- und Kleidungsmode, die im positiven und negativen Sinne typisch für das Jahrzehnt galt.
Bis zum Ende des Jahrzehnts bestimmte noch der Kalte Krieg die Weltpolitik. Das bedeutete, dass besonders mitten in Europa eine permanente Atomkriegsgefahr bestand. Gleichzeitig war die Umweltthematik sehr stark. Aus diesem Konglomerat und Resten des Geistes von '68 entstanden in Europa seit den 70er-Jahren die sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen (NSB; v. a. Umwelt- Friedens- und Frauenbewegung), aus denen in den 80er-Jahren Grüne Parteien hervorgingen.
Diese Bewegungen und Parteien fanden besonders bei Jugendlichen und Künstlern anklang, wurden aber wegen ihrer Kritik am Bestehenden von Konservativen als zersetzend kritisiert. Kurz- wie längerfristig wurde auch kritisiert, dass die von Grünen gemachten Prognosen eines ökologischen Niederganges maßlos übertrieben waren.

Neben dem Schulbetrieb engagierten sich die Schüler für Umweltschutz, gegen Atomkraft. Dem Vater von Eva Glawischnig gefielen diese Umtriebe gar nicht. Er gehörte zur deutsch-nationalen Rechten und unterstützte in den 80er-Jahren den damaligen rechten Karrieristen Jörg Haider, der sich gerade aufmachte, die FPÖ nach Liberalisierungsbemühungen der 70er-Jahre unter Norbert Steger wieder nach rechts zu ziehen.
Die linken Schüler störten dagegen Jörg Haiders Auftritte in Spittal.
Doch auch wenn der sogenannte Zeitgeist der 80er-Jahre noch links war, so waren dennoch nicht alle Schüler so gesinnt. Einige waren auch unpolitisch oder entwickelten sich nach rechts.
Hierher gehört auch Glawischnigs späterer Widersacher Herbert Kickl, der sich nach abgebrochenem Philosophiestudium zum Einflüsterer der FPÖ entwickeln sollte. Das Arbeiterkind Kickl war als Schüler noch nicht eindeutig rechts, zeigte aber schon äußerliche Tendenzen in diese Richtung durch kurzen Haarschnitt, Tragen von militärischen Hosen und den Wunsch, nach der Schule zur Eliteeinheit der Fallschirmjäger zu gehen. Dort war es ihm dann allerdings zu militärisch, so dass er sich bald wieder für eine Uni entschied.

Eva Glawischnig war neben Schule und Politik auch musisch unterwegs. Diese Tendenz wurde schon in der Familie intensiv gefördert. Unter dem Label "Hausmusik Glawischnig" traten die Frauen der Familie gelegentlich auch im Fernsehen auf. Dabei wurde noch Tracht getragen.
Mit der Zeit wagte Glawischnig auch hier die Emanzipation: Sie schloss sich der "Gerald Gaugeler Band" an und war vor allem als Keyboarderin aktiv.
Die Band wurde in der Endphase der Neuen Deutschen Welle und noch in der Phase des Austropops mit Liedern wie "Gelati" und "Blauer Montag" berühmt.
Gaugeler hatte zunächst Kontakte nach Wien geknöpft, agierte dann aber lieber unabhängig und widmete sich der eigenen Band. Die Band zog quer über das Land und spielte vor viel Publikum, darunter auch viele Gäste aus Westdeutschland.
Obwohl es schon Anzeichen für eine Politisierung Glawischnigs in Schulzeiten gab, sagte Gaugeler später in Interviews (Quelle: Oe24) zu Protokoll, dass die späteren Faktoren Politik und Umwelt bei ihr noch nicht so eine große Rolle gespielt hätten.



BERUFLICHER WERDEGANG

Nach der Matura am Bundesgymnasium Porcia fasste Glawischnig zuerst ein Musikstudium ins Auge. Nach eigenen Angaben gab sie das aber aufgrund des harten Kampfes um wenige Studienplätze nach Bewerbung und Vorstellung auf. Glawischnig trat im Fach Jazz zur Aufnahmeprüfung an, konnte aber den einzigen freien Platz nicht ergattern.
Danach studierte sie kurz ein technisches Fach und dann Rechtswissenschaften (in Österreich Jus genannt) an der Karl-Franzens-Universität Graz. 1993 beendete sie ihr Jus-Studium mit dem Titel Magistra. 1999 erlangte sie noch ein Doktorat.
Zur Eigenfinanzierung des Studiums arbeitete Glawischnig z. B. in Kellnerjobs, was sie auch zum Oktoberfest nach München führte.

Im Studium verschärfte Glawischnig ihr politisches Engagement. Sie agierte aber noch nicht bei den Grünen, sondern trat 1992 der Umweltschutzorganisation Global 2000 bei. Hierbei beriet sie Umweltaktivisten juristisch. Eine ihrer Aufgaben war es, nach Demonstrationen, bei denen es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war, die Verletzungen von Demonstranten aufzuzeichnen und Beschwerden zu formulieren. Dabei nahm sie auch Kontakt zu den Grünen auf - unter anderem zu Peter Pilz, mit dem sie später mehrmals aneinandergeraten sollte. Der Kampf gegen die Kernenergie bestimmte auch ihre Doktorarbeit über grenznahe Atomkraftwerke. Sie klagte mit diesen Erkenntnissen gegen das umstrittene Atomkraftwerk Mochovce "auf Unterlassung der Gefährdung durch radioaktive Immissionen", das zu Slovenské Elektrárne a. s. (Slowakische Kraftwerke AG) gehörte. Diese Klage wurde aber in zweiter Instanz vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien im Juli 2005 abgewiesen.


KARRIERE BEI DEN GRÜNEN 

Glawischnig trat selber bei den Grünen bei, erlebte bei Abstimmungen aber auch Rückschläge und musste sich zuerst in der Wiener Gemeindepolitik (ab 1996) durchkämpfen. Erst später wechselte sie zur Bundespartei.
2002 wurde sie dann stellvertretende Bundessprecherin der Grünen unter dem Bundessprecher Alexander van der Bellen, der als Wirtschaftsprofessor auch von Peter Pilz zu den Grünen geholt worden war. Gleichzeitig wurde sie Klubobmann-Stellvertreterin im Nationalrat (derartige Titelformulierungen sind in Österreich weit verbreitet, vgl. Landeshauptmann-Stellvertreterin).
2006 (30.10.) wurde Glawischnig zur dritten Nationalratspräsidentin gewählt.
2008 (03.10) gab Alexander van der Bellen seinen Rücktritt als Parteiobmann der Grünen bekannt und sprach sich für Eva Glawischnig als neue Parteisprecherin aus. Sie wurde daraufhin einstimmig zur neuen geschäftsführenden Parteichefin gewählt (24.10.) und später am Parteitag bestätigt.

Die Amtszeit von Eva Glawischnig verlief über mehrere Jahre für eine Grüne Partei recht erfolgreich. Die Partei erzielte Wahlergebnisse von 10 - 15 %, vereinzelt sogar darüber. Das liegt im europäischen Vergleich im Spitzenfeld. 2013 schafften die Grünen bei der Nationalratswahl 12,4 %.
Glawischnig erziehte ihre Erfolge mit viel persönlichem Engagement und einem Team von PR-Beratern, die den Auftritt der Grünen vereinheitlichten. 
Es gab allerdings auch Kritik: Einige der Auftritte seien zu boulevardesk, das Erscheinungsbild zu glatt und Debatten würden zu schnell abgedreht. Auch wurde der Vorwurf erhoben, Protokolle hätten einige Strategiebesprechungen nicht richtig wiedergegeben. Dieser Konflikt wird 2015 im Nachrichtenmagazin Profil beschrieben.
Unter den Kritikern befanden sich jüngere Abgeordnete wie Sigi Maurer (ehem. ÖH-Vorsitzende), aber auch grüne Veteranen wie Peter Pilz, Karl Öllinger und Johannes Voggenhuber.
2016 wurde aber wieder ein starkes Jahr für die Grünen. Das lag daran, dass die Wahlen für das Bundespräsidentenamt völlig anders verliefen als erwartet: Die Kandidaten der "Altparteien" der Großen Koalition, SPÖ und ÖVP, büßten im ersten Wahlgang massiv ein. Dafür erklomm der rechte Kandidat Hofer (FPÖ) die erste Position. Auch die Kandidaten der Grünen, van der Bellen, und der liberalen Neos, Irmgard Griss schnitten gut ab.
So sollte es nun zu einer Stichwahl zwischen Hofer und van der Bellen kommen. Van der Bellen wurde dabei von einem großen Parteienbündnis unterstützt.
Aber auch der 2. Wahlgang, die 1. Stichwahl, verlief nicht wie erwartet: Zunächst war das Ergebnis nach einem sehr harten Wahlkampf fast genau 50:50, dann beschwerte sich die nach Auszählung der Briefwahlstimmen knapp unterlegene FPÖ über unzureichend abgeklebte Wahlcouverts.
Das Ergebnis wurde auch juristisch angefochten und es kampf zu einer 2. Stichwahl und damit insgesamt zu einem dritten Wahlgang. Der Termin für diese wurde nach langem Hickhack erst für den Dezember angesetzt.
Der Wahlkampf für diesen Wahlgang verlief erneut sehr hart, konnte dann aber am Ene zugunsten von van der Bellen entschieden werden. Ausschlaggebend war unter anderem, dass sich eine Holocaustüberlebende für ihn und gegen Hofer ausgesprochen hatte. Van der Bellen bezeichnete aber selbst das Wahlergebnis als "arschknapp".
Obwohl van der Bellen als überparteilicher Kandidat angetreten war, galt sein Sieg letztendlich auch als Erfolg der Grünen.


DAS KRISENJAHR ("annus horribilis") 2017

Das kommende Jahr 2017 sollte dagegen eine schwere Stimmungswende gegen die Grüne Partei bringen. Dafür werden mehrere Gründe angeführt:
  • Die Flüchtlingskrise seit 2015 hat die Stimmung in ganz Europa nach rechts gewendet. 
  • Der knappe Sieg von van der Bellen 2016 hat die Grünen energetisch, personell und finanziell ausgezehrt.
    Der Wahlkampf war lang und schwer, kostete viel und einige Beteiligte verließen dann die Parlamentsarbeit.
  • Aufgrund des an sich erfolgreichen van der Bellen-Wahlkampfes wurden viele parteiinterne Konflikte unter der Decke gehalten. 
  • Der Parteivorstand lang insbesondere im Clinch mit (meist männlichen) Parteiveteranen, aber auch mit seiner eigenen Jugendorganisation. 
  • Auf Landesebene lieferten sich grüne Verbände auch eine Reihe von Fehlern.
Die anstehenden Probleme zeigten sich schon Ende 2016, als Eva Glawischnig den grünen Abgeordneten Peter Pilz in einer Pressekonferenz schwer rüffelte (Pilz war nicht anwesend). Pilz hatte wiederholt einen "Linkspopulismus" gefordert.

Im nächsten Jahr ging es dann mit Konflikten munter weiter. Am härtesten wirkte im Frühjahr der offene Konflikt mit der eigenen Jugendorganisation, den Jungen Grünen, die von Flora Petrik geführt wurde. Der Konflikt hatte schon lange geschwelt und entzündete sich jetzt unter anderem daran, dass die Jungen Grünen bei den Hochschulwahlen zur ÖH einen eigenen Studierendenverband unterstützten: Die Grünen Studierenden. Mit dem offiziellen Verband der Partei, der GRAS, hatte man sich überworfen. Die Jungen Grünen warfen der GRAS Trägheit vor, die Partei den Jungen Grünen dagegen Illoyalität und Vetternwirtschaft, da die Grünen Studierenden eng mit den Jungen Grünen verflochten seien.
Der Konflikt eskalierte derart in aller Öffentlichkeit, dass der Parteivorstand seiner eigenen Jugendorganisation mit dem Rauswurf drohte und diesen schließlich exekutierte. Dabei blieb eine Zeit lang unklar, ob nach dem Stop der finanziellen Zuwendungen auch eine Privathaftung des JG-Vorstandes in Frage kam.
Die Parteisprecherin Eva Glawischnig und ihre Verbündeten hatten von den Jungen Grünen ultimativ ein Verzicht auf die Unterstützung der Grünen Studierenden gefordert sowie erklärt, dass mit dem siebenköpfigen Vorstand keine Zusammenarbeit mehr denkbar sei. Am Ende spitzte sich das ganze zu einem Queen-Bee-Duell zwischen Eva Glawischnig und der JG-Chefin Flora Petrik zu, deren Mutter auch noch Sprecherin der Landesgrünen im Burgenland war.
Bei dem Machtkampf wurden drohende Mails des Parteivorstandes an die Öffentlichkeit gespielt und gleichzeitig der Eindruck erweckt, die Parteijugend könne nicht mit Geld haushalten und finanziere teure NLP-Seminare.
Zur Untermauerung des Rauswurfes hatte Eva Glawischnig den Erweiterten Bundesvorstand (EBV) einberufen, der laut Protokoll bis auf zwei Gegenstimmen FÜR den Ausschluss der Jungen Grünen stimmte. Die zwei Gegenstimmen waren wohl Regina Petrik, die Grünensprecherin des Burgenlandes und Mutter von Flora Petrik und Joachim Kovacs, der Landessprecher der Wiener Grünen. Kovacs ist seines Zeichens Tenniscoach und gilt als eigensinnig.
Mit der Zeit drang aber nach außen, dass die Begeisterung für den Rausschmiss der Jungen Grünen nicht so einhellig war. Einige Landesverbände wiesen darauf hin, mit ihren Jungen Grünen gut zusammengearbeitet zu haben. Kritik kam auch von Astrid Rössler, der Grünen-Sprecherin aus Salzburg.
Die Jungen Grünen hatten selber eine Vermittlung durch Ska Keller und Albert Seinhauser angeregt. Doch dazu kam es nicht mehr. Und ein erhofftes letztes Klärungsgespräch gestaltete sich kühl als Abschiedsgespräch.
Man hatte noch gehofft, durch den Verzicht auf eine Kandidatur der Grünen Studierenden außer in Graz und Linz doch noch eine Einigung zu finden.
Flora Petrik ließ später noch durchblicken, dass sie sogar noch nach dem offiziellen Rauswurf eine nachträgliche Streitbeilegung angeregt hat.

Die schweren Streitigkeiten auf Bundesebene wurden auch von Gezänk auf Landesebene begleitet. Darauf kann hier aber nicht mehr im Detail eingegangen werden.
Im Focus des Streits stand bei den Wiener Grünen der Kampf um das Heumarkt-Projekt, bei den Kärtner Grünen eine Wahlentscheidung durch erst kürzlich der Partei beigetretene Migranten und bei den Tiroler Grünen die erfolgte Zustimmung zu Sozialkürzungen in einer Koalition mit der ÖVP.


Noch während der Debatte über den Rauswurf der Jungen Grünen und weitere innere Querelen und trotz mehrfacher gegenseitiger Beteuerungen erklärte Eva Glawischnig am 18.05.2017 aus gesundheitlichen Gründen ihren Rücktritt von allen politischen Ämtern, wobei sie ankündigte, ihr Nationalratsmandat erst mit der nächsten Sitzung des Nationalrates am 7. Juni 2017 zurückzulegen, während sie ihr Amt als Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen mit sofortiger Wirkung zurücklegte.
In der Pressekonferenz zog Frau Glawischnig von ihrer Amtszeit eine insgesamt positive Bilanz und erwähnte den kräftezehrenden Kampf mit den Jungen Grünen mit keinem Wort. Gleichzeitig griff sie die ihrer Meinung nach immer aggressivere Medienlandschaft an und forderte erneut mehr Frauen in Führungspositionen. Einigen Männern im Politikbetrieb warf sie vor, "sexistische Machos" zu sein, ohne Namen zu nennen.
Für ihre Nachfolge empfahl sie eine Führung durch eine Person, was aber dann nicht umgesetzt wurde. Nach der Rücktrittspressekonferenz sah man ihr die Erleichterung deutlich an.
Der Rücktritt Glawischnigs erwischte die Grünen angesichts der vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 2017 schwer. Die Nachfolge übernahm eine Doppelspitze: Ulrike Lunacek als Spitzenkandidatin (vorher Grünen-Funktionärin im EU-Parlament) und Ingrid Felipe als Parteivorsitzender (Landeshauptmann-Stellvertreterin in Tirol). Während Lunacek ihr vorheriges Amt aufgab, weigerte sich Felipe, das zu tun.

Nach diesen schweren Rückschlägen gab es für die Grünen Ende Juni noch einen weiteren Treffer, mit dem sie sich auf Bundesebene vorerst selbst versenkt haben. Nur war das zu diesem Zeitpunkt nur wenigen klar und Eva Glawischnig bekam diese Vorgänge nur noch als Zuschauerin von außen mit.
Peter Pilz pokerte bei der Kandidatur um Listenplätze hoch und wollte nur einen Platz 4 akzeptieren. Dies hat er schon vorher gemacht, aber diesmal ging es schief: Pilz unterlag gegen den Nachwuchspolitiker Julian Schmid.
Peter Pilz galt als Urgestein der österreichischen Grünen und als guter Aufdecker. Er legte sich aber auch mit Menschen innerhalb und außerhalb der Partei an - auch mit Eva Glawischnig.
Angebote, über andere Optionen zu kandidieren lehnte er ab und hielt eine bewegende Abschiedsrede, bei der er sich über Unterbrechungsversuche des Parteimanagements hinwegsetzte. Pilz erweckte zunächst den Eindruck, sich ins Privatleben als Rentner zurückziehen zu wollen.
Kurz danach erweckte er aber den Eindruck, von vielen Menschen gebeten worden zu sein, eine neuartige Liste zu gründen und wieder anzutreten. Dabei half ihm auch sein Rechtsanwalt Alfred Noll.
Kritiker hielten Pilz vor, dieser Entschluss sei gar nicht so spontan, wie Pilz glauben machen wolle. Wie dem auch sei: Pilz schaffte es in der Folge, eine eigene Liste mit relativ exquisiten Kandidaten zusammenzustellen, von denen nicht wenige ehemalige grüne und rote Politiker waren, deren Karriere blockiert war. Pilz wählte aber auch diverse Bürgerrechtler aus.
Als Medienprofi zog Pilz die Aufstellung der Liste und die Vorstellung ("Präsentation") der Kandidaten öffentlichkeitswirksam in die Länge.
Der Showman Pilz erklärte auch ausführlich, keine Plakate außer einem drucken zu wollen, um den Steuerzahler nicht zu belasten. Für sein minimales "Merchandising" bat er aber um Spenden.

Die Bombe schlug dann für die Grünen am Wahlabend ein:
Während die Liste Pilz mit über 4 % (am Ende 4,4 %) in den Nationalrat einzog, mussten die Grünen den ganzen Abend über bangen und schieden am Ende mit 3,8 % ganz aus. In Österreich gibt es eine 4 %-Hürde und die Auszählung aller Wahlkarten und Briefwahlstimmen samt Verkündung des Amtlichen Endergebnisses dauerte bis zum Donnerstag.
Besonders verärgert war Klubobmann Albert Steinhauser, der Pilz als "too big to fail" einschätzte und schon im Vorfeld versucht hatte, mit der Vorstellung "bürgerlicher Kandidaten" und Schmeicheleien und Drohungen gegenüber Pilz die von ihm befürchtete Niederlage abzuwenden.
Neben der nicht immer "kernig" genug auftreten Doppelspitze war Steinhauser der dritte Akteur.
Glawischnig selber hielt sich aus dem Wahlkampf fast ganz heraus. Sie hatte aber noch einen kurzen Auftritt bei der Abschlussveranstaltung, bei der auch Cem Özdemir aus Deutschland anwesend war.
Schlagzeilen machte sie aber durch juristische Vorstöße gegen Cybermobbing, mit denen sie schon vor ihrem Rücktritt begonnen hatte und bei denen sie einige wichtige Prozesse gewann.


PRIVATLEBEN

Eva Glawischnig ist seit dem 02.06.2005 mit dem österreichischen Fernsehmoderator und Sportjournalisten (ATV, Puls 4 usw.) Volker Piesczek verheiratet. Die kirchliche Trauung erfolgte in Seeboden. Zwei Söhne wurden 2006 und 2009 geboren. Glawischnig hatte die Schwangerschaft im Oktober 2005 bekannt in einer Society-Talkshow des Radiosenders Ö3, was ihr als Mitglied der Seitenblickegesellschaft auch Kritik einbrachtete.
Um die Grünen für breitere Wählerschichten zu öffnen, stimmte Glawischnig auch boulevardesken Auftritten zu, hielt aber ihre Kinder aus diesen heraus.
Auch kritisierte sie schon früh, dass Frauen gewisse Auftritte angelastet würden, während Männer wie Peter Pilz, der gerne auch mit musikalischen Darbietungen die Bühne betrat, sich mit Songs wie "(Baby, Baby) Balla Balla" zum Trottel machen dürfe.



QUELLEN:

Wikipedia
-
Kurier.at
Oe24
Profil.at
derStandard.at
weitere Internetquellen

Mittwoch, 6. Dezember 2017

DIGITALRADIO (MIT HISTORISCHER HERLEITUNG)

DAB-Logo

Digitalradio meint ein Radiosystem, bei dem die Hörfunkprogramme mit digitalen Sendeverfahren übertragen werden. Dabei verschwimmen die Grenzen zum digitalen Fernsehen (DVB).
Im Digitalradio kann nämlich der Hörfunk mit programmbegleitenden Texten, Bildern und sonstigen Daten kombiniert werden. Diese Zusatzinformationen gehen weit über RDS hinaus, mit dessen Hilfe schon seit den 80er-Jahren beim herkömmlichen UKW-Rundfunk (FM) Informationen wie Liedtitel und Interpreten gesenet werden konnten.
Denkbar sind jetzt neben kurzen Liedinformationen vertiefende Texte zum aktuellen Program, elektronische Programmführer, CD-/Plattencover, Audioangebote zum Nachhören, Sporttabellen, Wetterinformationen usw.
Es mag auch eine größere Interaktivität geben.


WAS WAR BISHER? - VON ANALOG ZU DIGITAL

Die Durchsetzung des digitalen Rundfunks war politisch wie kommerziell lange umstritten. Technisch experimentierte man schon seit den 1990ern und besonders 2000ern mit diesem neuen Sendeprinzip. Rahmenstandards wurden 2001 gesetzt.
Der herkömmliche war analog. Hierzu gehören der UKW-Rundfunk (FM) und der KW-, MW- und LW-Rundfunk (AM). Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile.
Der UKW-Rundfunk dominiert seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Rundfunkszene. Man spricht auch von FM (Frequenzmodulation), weil das Signal als Frequenzänderung (Wellenlänge) auf die Welle aufmoduliert wird. UKW (FM) ermöglicht eine relativ gute Übertragungsqualität. Die sehr kurzen Wellen können aber schlecht Hindernisse wie Berge überwinden, so dass ein enges Sendernetz notwendig ist.
UKW (FM) hatte seinerseits den KW-, MW- und LW-Rundfunk teil-abgelöst, der nach dem Ersten Weltkrieg etabliert worden war und noch lange parallel zu UKW existierte. Hier spricht man von AM (Amplitudenmodulation), weil sich hier bei der Modulation die Amplitude ("Wellenhöhe") ändert. 
Dieser ältere längerwellige Funk konnte und kann besser Hindernisse überwinden, bot aber dafür nur eine sehr mäßige Sprachqualität.

Die AM-Rundfunkarten KW/MW/LW lassen sich natürlich weiter differenzieren:
Mit dem KW-Rundfunk kann man bei geeigneten Bedingungen sogar weltweit kommunizieren. Deshalb spielte er in den Weltkriegen auch militärisch eine große Rolle. Im Radiobereich trat die KW dagegen hinter MW und LW (alle AM) zurück, war aber lange Zeit in sogenannten "Weltempfängern" üblich, die man besonders vor dem Siegeszug des Internets (WWW) gerne in entlegene Urlaubsgebiete mitnahm.
Grundlage davon ist, dass kein anderer Frequenzbereich eine so große Reichweite einnimmt. Ein Sender strahlt nämlich sowohl eine Boden- als auch eine Raumwelle aus. Beim KW-Rundfunk ist aber besonders die Raumwelle besonders stark. Das Rundfunksignal reflektiert an der Ionosphäre und wird von ihr reflektiert.
(Aus diesem Grund wurde auch das naheliegende 27-MHz-Band für den CB-Funk bereitgestellt. Die Raumwellen sind da zwar nur sehr unregelmäßig wirksam, verursachen dort aber Störungen, so dass dieser Frequenzbereich an die Normalbürger "abgetreten" wurde.)

Der MW-Rundfunk und der LW-Rundfunk hielten sich am längsten von allen AM-Funksystemen. Viele Radios im Handel lieferten neben UKW nur MW und LW oder sogar nur MW. MW und LW dienten der Verbreitung des eigenen Radioprogrammes über die Landesgrenzen hinaus. Nachteilig waren aber die Empfindlichkeit gegenüber atmosphärischen Störungen und die enorme Größe der Sendeanlagen
Auf der Mittelwelle gab es auch "Exotismen" wie der Verbreitung des lateinischen Radioprogramms von Radio Vatikan.
Durch UKW und dann das Internet bedrängt, wurden aber die meisten Sender in MW und LW bis ungefähr 2015 abgeschaltet (Ausnahme: Europe 1 auf LW). Dagegen gab es Proteste, die aber bislang keine Wirkung zeigten.
Einige Anhänger traditioneller Technik weisen darauf hin, dass moderne digitale Verfahrung anfällig für Störungen durch Hacker seien.

Wie dem auch sei: Am Ende kommt alles noch viel schlimmer!
Durch die technischen Übertragungsfortschritte wurden auf Dauer nicht nur KW, MW und LW bedroht, sondern mithin auch UKW. Somit stand mit der Zeit der ganze analoge Rundfunk, AM oder FM, auf dem Prüfstand.
Und es geht noch weiter: Durch die weite Verbreitung des Internets kam sogar die Frage auf, ob man klassischen Rundfunk - auch für das Radioprogramm - überhaupt noch benötigt.

Frequenzen:
  • UKW: 87,5 und 108 MHz (in VHF II; das VHF-Band an sich ist viel größer)
  • Kurzwelle (Short Wave; High Frequency): 3 - 30 MHz
  • Mittelwelle (Medium Frequency): 300 - 3000 kHz (= 3 MHz)
    Radio/EU: 526,5 - 1606,5 kHz; Radio/USA: 530 bis 1720 kHz
  • Langwelle : 30 - 300 kHz
    Radio/EU: 148,5 - 283,5 kHz


WAS KANN DER DIGITALE RUNDFUNK?


Wieso soll dieses Prinzip also abgelöst werden oder wenigstens eine neue alternative Übertragungsart bekommen?
Der neue Digitalfunk soll eine bessere Sprachqualität, mehr empfangbare Sender und mehr Zusatzinformationen bieten. Wenn allerdings der Empfang schlechter wird, reisst er irgendwann schlagartig ab.

In den kommenden Jahren (ab 2017) sollen analoge Verfahren weitgehend durch digitale ersetzt werden. Das gilt wenigstens für Europa. Weltweit gibt es auch in Ost- und Südasien Versuchsprogramme.
Man muss aber sagen, dass der digitale Rundfunk nicht ganz unumstritten ist. Die Diskussion über ihn hat ja auch lange gedauert. In mehreren Weltregionen einschließlich Nord- und Südamerika scheint man vorerst am analogen Rundfunk festzuhalten. Kanada brach 2011 sogar Versuche mit DAB in Großstädten ab (!).
Das Problem ist, dass die Umstellung mit Kosten verbunden ist und auch nicht in jedem Fall für jeden Konsumenten viel bringt. Außerdem ist über die Jahre durch immer bessere Breitbandanschlüsse das Audio- und Videostreaming über das Internet immer gebräuchlicher geworden und DA sind noch viel mehr mediale Optionen möglich.
Einige Kritiker bemängeln auch, dass man nicht das terrestrische Digitalfernsehen (DVB-T*) zur Übertragung von Radiosignalen nimmt.

Wie dem auch sei: Rahmenstandards für den digitalen Rundfunk wurden 2001 festgelegt. Man spricht von "Digital Radio" und dem technischen Standard Digital Audio Broadcasting (DAB). Auch ein Logo ist festgesetzt. 


Der sich in Europa wahrscheinlich durchsetzende Standard wird aber wohl das darau entwickelte DAB+ sein. Er enthält einige Abwandlungen zum "reinen" DAB, wie es z. B. in Asien im Einsatz ist.

Vom Frequenzbereich her stützt sich der Digitale Rundfunk vor allem auf Bänder, die durch die Abschaltung des analogen Fernsehens frei wurden.
DAB ist für den Frequenzbereich von 30 MHz (oberhalb Kurzwelle) bis 3 GHz geeignet. Das umfasst auch die Hörfunkverbreitung über Kabel und Satellit.
DAB wurde im Eureka-147-Projekt der EU von 1987 - 2000 entwickelt. Der DAB-Standard ist unter dem Code EN 300 401 online von der europäischen Standardisierungsorganisation ETSI erhältlich.


WIE WIRD DAS DIGITALRADIO DURCHGESETZT?

Die Durchsetzung des Digitalrundfunks ist auch in Europa nicht überall gleich schnell. Großbritannien und die Skandinavischen Staaten treten als Schrittmacher auf. Andere Länder, wie z. B. Österreich, blieben lange unentschlossen. Nun wurde diskutiert, ob man eine Regelung auf europäischer Ebene durchsetzen könne.

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, den analogen Rundfunk (Fernsehen und Hörfunk) bis spätestens 2012 abzuschalten, drang damit aber nicht durch. 
Deutschland wollte anfangs sogar bis 2010 den analogen Rundfunk abschalten. Dem standen aber sowohl Kompetenzstreitigkeiten in der Politik (Bund, Länder, Parteien) sowie eine unsichere Markteinschätzung gegenüber. Besonders Autoradiohersteller wollten den Sprung dann doch nicht wagen. Am 21. Januar 2008 beschloss die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), die Finanzierung von DAB mit Mitteln aus den Rundfunk- und Fernsehgebühren nicht mehr fortzuführen. Dagegen hat die KEF die Einführung des Nachfolgestandards DAB+ für nationale Radioprogramme u. a. von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur mit Mitteln im Umfang von 42 Mio. € bezuschusst. Man erkennt also ein deutliches Durcheinander.
Für die digitale Übertragung von Hörfunkprogrammen wurden in den lange Zeit verschiedene und meist inkompatible Verfahren entwickelt und getestet, die für verschiedene Empfangssituationen optimiert sind.

Über die Jahre scheint dieses lange politische Hin und Her aber beendet zu sein. Die Politik zeigt sich langsam doch entschlossen, den Digitalen Rundfunk - mit dem Standard DAB+ - in den meisten europäischen Ländern durchzusetzen. Neben dem politischen Willen braucht es aber auch ein ausreichendes Angebot an Sendern und von erschwinglichen Empfangsgeräten. Beides bildete sich erst allmählich heraus.
Schrittmacher waren auch hier die nord- und nordwesteuropäischen Länder, aber auch die iberische Halbinsel und andere Länder starteten Initiativen.
Seit ungefähr 2014, 2015 - 2017 stehen auch in Deutschland die Weichen auf DAB+. Immer mehr Sender werden in einem immer größeren Anteil des Bundesgebietes empfangbar. Gleichzeitig sinkt der Preis von DAB-Radios von über 200 auf rund 100 €uro im Einstiegssegment.
Einige Sender sind national empfangbar, andere auf die Bundesländer beschränkt. Die Sender nutzen aber immer dieselbe Frequenz.
Innerhalb Deutschlands fungiert Bayern als Vorreiter. Während in vielen Bundesländern nur gut 20 Programme empfangbar sind, sind es in Bayern mehr als doppelt so viele!

Entsprechend wird auch über Abschaltpläne für den UKW-Rundfunk diskutiert. Wie es aussieht, werden Großbritannien und Skandinavien da Spitzenreiter sein. Aber auch die Schweiz möchte ein festes Abschaltdatum setzen - hier aber ausgehend von den Stationen. Österreich verhält sich dagegen besonders zögernd gegenüber DAB+.
In Deutschland gibt es auch immer wieder mal Abschaltdiskussionen, die Vorschläge wurden aber von Gegenkräften entschieden abgelehnt. Abschaltpläne bis 2015 wurden vom Bundestag fallen gelassen. Man geht davon aus, dass Deutschland den analogen Rundfunk ohne festes Abschaltdatum auslaufen lassen will. Wahrscheinlich wird ab 2018 oder 2019 der Verkauf von Nur-Analogradios behindert. So gegen 2025 ist aber mit einem Auslaufen von UKW zu rechnen.

Digitaler Rundfunk Ende 2012

QUELLEN:

Wikipedia
-
http://www.digitalradio.de/index.php/de/
http://www.digitalfernsehen.de/Von-UKW-Abschaltung-bis-Verbot-von-UKW-Radios-fuenf-DAB-Fakten.156284.0.html
http://www.radioszene.de/72857/ukw-abschaltung-interview-willi-steul-dradio.html
https://www.teltarif.de/dab-plus-radio-multimedia-ukw-abschaltung/news/66996.html
https://www.golem.de/news/analog-privatradioverbaende-gegen-ukw-abschaltung-1710-130490.html

Mittwoch, 15. November 2017

SPEISEPILZE

Austernpilz (Austernseitling; Pleurotus ostreatus): 


Saison: März - Mai, September - Dezember.
Austernpilze sind als Zuchtpilze saisonunabhängig.


Der Austernpilz gehört zu den Seitlingen, also einer Gattung, die seitlich an Hölzern wächst. Er besitzt einen großen, muschelförmigen Hut von 4 - 15+ cm und einen relativ kurzen Stiel von 3 - 5 cm. Seine Farbe reicht von hellbeige bis graubraun. Die Lamellen sind weißlich. Zuchtformen haben meist hellere Farben.
Der Pilz hat an Bedeutung zugenommen, weil sein Aroma kräftig und fleischig ist (Kalb).
Austernpilze sind außerdem nematophag, sie können also Fadenwürmer (Nematoden) verdauen. 


Braunkappe (Stropharia rugosoannulata):

Juni - Oktober
Verwechslungsgefahr mit dem Üppigen Träuschling!

Der Hut ist 5 - 12 cm breit, seine Farbe ist braun, kann aber auch ins Graue, Rote oder Ockerfarbene übergehen (Name!). Der Stiel ist bis zu 12 cm lang und hellbraun bis grau oder manchmal violett. Die Lamellen sind hellgrau und können im Alter ins Blauviolette kippen.
Die Braunkappe kommt im Gehölz vor und in der Zucht auch auf Stroh.



Butterpilz (Butter-Röhrling; Suillus luteus):

Der Butterpilz ist ein Pilz aus der Familie der Schmierröhrlingsverwandten. Er gilt als verbreiteter Speisepilz, obwohl es auch gesundheitliche Bedenken gibt. Einige Experten empfehlen das Entfernen der Huthaut, um den Magen-Darm-Trakt zu schonen. Selten kommt es auch zu allergischen Reaktionen.

Der Hut ist gelb- bis schokoladenbraun und bis zu 12 cm breit. Er ist zunächst halbkugelig und dann polsterförmig ausgebreitet. Der Hut ist glatt, kann aber schleimig-schmierig sein. Die Röhren sind blassgelb, später braungelb bis trüboliv gefärbt und am Stiel etwas angewachsen bis schwach daran herablaufend. Der Stiel wird 6–12 cm lang und 1–2,5 cm dick. Meist ist er zylindrisch oder zur Basis hin etwas keulig verdickt. Ein weißliches Velum partiale (Teilhülle; velum = Segel, Tuch) verbindet ihn anfangs mit dem Hutrand und bleibt später als häutiger Ring zurück – nur wenige Dickröhrlingsartige besitzen einen Stielring.

Der Butterpilz wächst oft in Symbiose mit Kiefern.



Echter Reizker (Edelreizker, Rö(s)tling; Lactarius deliciosus)

August - November

Der Echte Reizker hat einen ungefähr orangefarbenen Hut von 4 - 10/15 cm Durchmesser mit dunkleren und silbrigen Zonen. Er kommt bei Kiefern und Wacholderheiden vor. Der Pilz hat eine karottenrote oder grünende Milch.
Der Stiel ist orange bis weißlich bereift, mit Grübchen und innen wattig. Das Zentrum ist anfangs weißlich und dunkelt dann nach.


Herbsttrompete (Totentrompete,Kraterpilz, Schwarzes Füllhorn; Craterellus cornucopioides)

Juli/August - November
Vergiftungsgefahr bei eingetrockneten Pilzen! 

Die Herbsttrompete ist ein 3 - 12 cm großer Pilz mit Trichter- bis Trompetenform. Das Farbspektrum reicht von grau-braun bis fast schwarz.
Der Pilzkörper ist hohl bis zur Stielbasis, der Rand nach außen umgebogen.
Der Pilz kommt ab Juli in Buchenwäldern oder anderen Laubwäldern vor und wächst in großen Gruppen. Die Herbsttrompete schmeckt sehr würzig. 


Körnchenröhrling (Schmerling, Rotzer; Suillus granulatus)

Achtung: Der Pilz kann mit ähnlich aussehenden Pilzen verwechselt werden.
          Manche Menschen vertragen den Körnchenröhrling auch nicht.

Der Hut des Körnchenröhrlings ist 4 - 15 cm groß. Seine Farbe ist hellbraun bis kastanienbraun und etwas schmierig (siehe Namensversionen!).
Der Stiel ist gelblich-weiß, ohne Ring und bräunlich gesprenkelt punktiert.
Die Röhren sind zitronengelb bis ockergelb und jung milchig tropfend.
Das Fleisch ist gelblich.

Der Pilz ist kalkliebend, wächst häufig an Kiefern, agiert als Symbiosepilz und tritt häufig mit Butterröhrlingen auf.
 

Pfifferling (Cantharellus cibarius): 

Juni - Oktober
Sammeln nur noch für den Eigenbedarf erlaubt!

Der Hut des Pfifferlings ist 3 - 12 cm groß und kann im Wachstum seine Form deutlich wechseln. Die Fruchtschicht hat mehrfach gegabelte Lamellen.
Pfifferlinge kommen besonders in Fichten- und Kiefernwäldern vor. Man findet sie oft nesterweise im Moos.


Schopf-Tintling (Coprinus comatus):

Mai - November
keine alten Exemplare essen!

Der Schopf-Tintling besitzt einen großen, ungefähr ovalen Hut, der beim Altern zerfließt und schwarz wird. Der Pilz wächst besonders gut an stickstoffreichen Stellen.


Stockschwämmchen (Kuehneromyces):


April - November
Verwechslungsgefahr: Gift-Häubling 

Stockschwämmchen gehören zur Familie der Träuschlingsverwandten.
Sie sind weit verbreitet und werden gerne für Pilzsuppen verwendet.Sie wachsen fast ganzjährig in allen Waldtypen.
Der Stiel ist unten dunkler gefärbt und hat abstehende Schüppchen. Darüber folgt ein häutiger ring und darüber ist der Stil cremefarben und glatt.
Eine berühmte Unterart ist das chinesische Stockschwämmchen (Nameko).


Shiitake (jap. 椎茸; chin. 冬菇 [Winter-Pilz]; Lentinula edodes):

Der Shiitake gehört zur Familie der Schwindlingsverwandten. Die Angehörigen dieser Familie wachsen als Saprobionten auf totem ("faulem") Pflanzenmaterial. Der japanische Name bedeutet Pilz (take) am Pasania-Baum (shii).
Der Pilz hat einen hell- bis dunkelbraunen Hut. Die Huthaut kann mit zarten Flocken bedeckt sein. 
Der Pilz wächst auf verschiedenen Laubbäumen, meistens denen mit hartem Holz.
Der Shiitake(-Pilz) gehört neben dem Champignon und wenigen anderen zu den am häufigsten verwendeten Speisepilzarten weltweit. Gleichzeitig wird er in Ostasien zu den Heilpilzen gezählt. Die Wirkung von Shiitake-Medizin ist umstritten, es soll aber eine Heilwirkung bei Schmerzen und Entzündungen geben.


Weitere wichtige Speisepilze: 

Hericium, Kräuterseitling, Pioppino. 


INFORMATION:

Wikipedia
-
www.gesunde-pilze.de
www.kochwiki.org
www.pilzfinder.de
www.123pilze.de 



STATIONÄRE SPIELEKONSOLEN: 3. GENERATION

Die dritte Generation ist die Generation von Spielekonsolen, die nach dem Video Game Crash 1983 aufkam. Die Konsolen basierten meist immer noch auf 8-bit-Prozessoren, boten aber deutlich bessere 2D-Grafikfähigkeiten, mehr Farben, Grafikbeschleunigung und verfügten über größere Arbeitsspeicher.

Man darf nicht vergessen, dass die Atari (VCS), das Flaggschiff der 2. Generation, zwar schon ein vielfältiges Angebot an Spielen bot, ihr Arbeitsspeicher mit nur 128 Byte aber lächerlich gering war. Selbst Zusatzspeicher konnten nur wenig ausrichten.


VERTRETER DER GENERATION:

  • Nintendo Entertainment System (Japan: Family Computer [Famicom])
  • Sega Master System (die Konsole selbst hieß "Power Base") 
  • Atari 7800 
  • Action Max (marginale Bedeutung) 
  • PC Engine (marginale Bedeutung) 

Nintendo Entertainment System (NES):

Nintendo ist eine Spielefirma, die es schon im späten 19. Jhd. gab. Lange Zeit stellte man Spielkarten hier. Erst 1969 wollte man die Produktpalette auf andere Arten von Spielzeug erweitern. Doch dann reagierte die Firmenleitung flexibler. Schon mit Beginn der 70er-Jahre stieg Nintendo auch in den ganz frischen Markt der Computerspiele ein.
In den frühen 80er-Jahren überlegte man, ob man neben Spielhallenautomaten auch eine Videospielkonsole für den Heimgebrauch mit austauschbaren Spielmodulen bauen sollte. Die Atari 2600 wies den Weg und war auch in Japan erfolgreich, dann aber trotz kreativer Spieleprogrammierung technisch bald völlig veraltet. Der lange sehr belastbare Markt war Anfang der 80er-Jahre gesättigt: 1983 kam es zum berühmten Video Game Crash!

Bei Nintendo diskutierte man, ob man nun das Risiko wagen und in den Markt einsteigen sollte. Und man entschied richtig.
Masayuki Uemura entwarf schließlich das Famicom, das in Japan am 15.06.1983 veröffentlicht wurde und zum Preis von 14.800 Yen erhältlich war. Bis Ende 1984 mauserte sich das Famicom zur bestverkauften Videospielkonsole in Japan. Zu dieser Zeit plante Nintendo bereits einen Verkaufsstart in den USA, wo der Videospielemarkt aufgrund des Branchenzusammenbruchs von 1983 praktisch nicht mehr existent war. Zunächst gab es die Überlegung, die Konsole in den USA unter Ataris Namen zu veröffentlichen, doch deren Interesse richtete sich mehr auf den Computermarkt. Bei Atari hatte Jack Tramiel das Ruder übernommen und war sich nicht sicher, ob überhaupt jemals wieder ein Interesse an Spielekonsolen aufkommen würde. So setzte er auf den künftigen Atari ST (Heimcomputer), schlug Nintendos Angebot aus und bremste auch die relativ leistungsfähige eigene Konsole Atari 7800 aus.

Nintendo nahm jetzt den Vertrieb selbst in die Hand.
Erstmals wurde die Konsole als Nintendo Advanced Video System vorgestellt, mit Zubehör wie einer Tastatur, Kassettenrekorder als Datenspeicher, Infrarot-Joystick und einem speziellen BASIC Programming Language-Modul.
Das kompliziert und überladen wirkende AVS wurde nochmals überarbeitet und in abgespeckter Version auf der Consumer Electronics Show (CES) im Juni 1985 als Nintendo Entertainment System vorgestellt. Beim Start war man aber vorsichtig: Erst nach Erfolgen in New York bot man die NES in anderen Landesteilen an.
Die Konsole wurde in zwei verschiedenen Paketen angeboten:
Das NES Deluxe Set beinhaltete neben der Konsole den R.O.B. (Robotic Operating Buddy), einen Zapper (Beam Gun/The Gun), zwei Controller und die Spiele Duck Hunt und Gyromite für insgesamt 249 USD.
Das NES Action-Set war günstiger. Es enthielt ein Super-Mario-Bros.-Duck-Hunt-Multimodul und kostete 199 USD.

Die NES übertraf alle Erwartungen und blieb für den Rest der Dekade die unangefochtene Nr. 1 des amerikanischen und japanischen Marktes.

In Europa und Australien – den Regionen mit PAL-Fernsehnorm statt NTSC – wurden die Märkte aufgeteilt in PAL A und PAL B. Mattel (PAL A) war für den Vertrieb des NES und dessen Spielen in Großbritannien, Australien und Italien zuständig; der PAL-B-Markt, welcher aus dem restlichen Europa bestand, wurde unter verschiedenen Distributoren aufgeteilt (Deutschland:  Fa. Bienengräber in Deutschland [vorher Game-&-Watch-Spiele]). Mit der Eröffnung von Nintendo of Europe übernahm Nintendo selbst den Vertrieb.


QUELLEN:

Wikipedia
Broschüren der Anbieter


Dienstag, 14. November 2017

STATIONÄRE SPIELEKONSOLEN: 2. GENERATION (8 BIT)

Atari 2600 mit vier Schaltern und Joystick
Atari 2600


Die zweite Generation der Spielekonsolen begann 1976 und verstärkt 1977, als die Atari 2600 in den USA herauskam, die zum Meilenstein dieser Generation wurde (Europa erst 1980). Diese Generation hielt sich bis 1983, als es zum berühmten Video Game Crash kam.

Die zweite Generation besaß einfache 2D-Grafikfähigkeiten und konnte nur wenige Farben darstellen. Sie besaß keine Grafikbeschleunigung und nur einen sehr beschränkten Speicher. Die CPU bildeten meistens 8-bit-Prozessoren (anfangs auch 4-bit-Prozessorgen). Als Speichermedien kamen Steckmodule (Cartridges) zum Einsatz. Anfangs wurden auch Kassetten eingesetzt.
Für manche sind die Konsolen der 2. Generation die ersten "richtigen" Computer.


DIE ATARI 2600 UND IHRE NACHFOLGER

Die Konsole dieser Ära schlechtin war die Atari 2600, die in den USA 1977 auf den Markt kam. Anfangs hieß die Konsole noch Atari VCS (Video Computer System) und wurde erst ab 1982 in Atari VCS 2600 bzw. Atari 2600 umbenannt. Ab 1986 gab es noch die optisch verschlankte Variante Atari VCS 2600 junior, die sich auch gut verkaufte, obwohl die Hardware schon längst veraltet war.

Trotz der für heutige Verhältnisse bescheidenen Hardware entfaltete sich auf ihr eine rege Kreativität der Spieleentwickler - die zum Teil bis heute andauert.
Der Verkauf lief 1977 anfangs schleppend an, erst 1979 zog die Konsole mit dem Weihnachtsgeschäft richtig durch. Bekannt wurden neben Eigenentwicklungen Spiele aus Automatenspiel- und Filmlizenzen wie Space Invaders, Pac Man und E. T. Auch das erfolgreichste Spiel der 2600, Pac Man, war eine Lizenzentwicklung. Es erhielt fast so eine Symbolwirkung wie das Spiel Pong aus den frühen 70er-Jahren.
Es gab mit der Zeit für die Atari 2600 eine ansehnliche Spielbibliothek.  Insgesamt wurden über 1000 Spiele in Eigen- und Lizenzentwicklung entworfen. Einer der führenden Fremdanbieter war Activision.
Man muss aber, ohne den vielen Fans zu nahe treten zu wollen, sagen, dass viele der Spiele sich um ähnliche Grundprinzipien entwickelten. Eine Vielfalt wie sie z. B. 20 Jahre später mit der ab 2000 erschienenen Playstation 2 erreicht wurde, war noch lange nicht in Sicht.

Ein großes Manko war der Arbeitsspeicher mit nur 128 Byte (!). Die sparsamen Entwickler hatten die RAM-Größe 1977 so festgesetzt, weil damals die Chips noch sehr teuer waren. Danach setzte ein schneller Preisverfall der Speicherchips ein. Man wollte dieses RAM-Manko zuerst mit einem Extramodul namens Starpath Supercharger auszugleichen, das sich auf dem Markt aber nicht durchsetzte. Ab 1983 erhielten einige Spiele über das Modul etwas mehr RAM.
Die Peripheriegeräte der Konsole waren für die Zeit in Ordnung. Hauptsächlich wurde ein Atari-typischer Joystick mit 1 Aktionsknopf eingesetzt. Es gab auch Steuerungen mit Drehrädern und sogar Light Guns. Erst später erkannte man, dass ein Kontroller mindestens 2 Knöpfe haben sollte, wie ihn dann das NES hatte. Heute sind Kontroller selbstverständlich noch viel komplexer und besser an die Hände des Spielers angepasst. 
Die Atari 2600 wurde ungefähr 30 Millionen mal verkauft.

Der Kult um die Konsole nahm aber mit der Zeit solche Ausmaße an, dass Atari nicht mit hinreichendem Nachdruck Weiterentwicklungen forcierte. Ihre Nachfolger waren entweder fehlerhaft (5200) oder wurden zu spät auf den Markt geworfen (7800).
Die Atari 5200 von 1982 bot zwar einige Hardwareverbesserungen zur 2600 an, so hatte der Arbeitsspeicher jetzt 16 KB, wies aber eine Reihe von Mängeln auf. Sie war von ihren Ausmaßen zu groß geraten, ihr Netzteil anfangs brandgefährlich, ihre Kontroller funktionierten oft nicht und der Schacht für die Spielmodule nicht zu dem der 2600 kompatibel. Und obwohl die Konsole aus dem frühen Heimcomputer Atari 400/800 entwickelt worden war, war sie auch zu diesem inkompatibel (doppelte Inkompatibilität).
Trotzdem erschienen für die 5200 einige gute Spiele, insgesamt > 100. Allerdings kamen diese - auch hier wieder eine Einschränkung - fast gleichwertig für Heimcomputer heraus oder wurden gecrackt.
Der Video Game Crash von 1983 bewirkte dann ein übriges. Zu Europa gerieten sowieso nur wenige Konsolen. Und wenn diese beworben wurden, dann erschienen oft verschiedene Atari-Konsolen im Katalog nebeneinander, so dass sich die Firma mit ihren Produkten selbst Konkurrenz machte.
Die Atari 7800 wird meist schon zur nächsten Generation gezählt, obwohl sie nach ersten Plänen schon 1984 auf den Markt kommen sollte. Leider machte das Management durch den gewaltigen Video Game Crash von 1983 1984 einen Rückzieher, so dass die bereits auf den Markt geworfene Konsole erst 1986 richtig zum Einsatz kam. (Der Mutterkonzern Warner Communications hatte die Endkundensparte Ataris an Tramiel verkauft, der aber bereits an einen Heimcomputer, den Atari ST, dachte.)
Da war es bereits zu spät, obwohl die 7800 abwärtskompatibel zur 2600 war, solide aussah (Strombuchse etwas schwach) und über einige Gimmicks verfügte. Die 7800 konnte nur noch als Billigkonkurrentin zur NES herhalten und ihre Spieleentwicklung wurde irgendwann eingestellt.




WEITERE KONSOLEN:

Eine reine Aufzählung der Vertreter der 2. Konsolengeneration zeigt deren Vielfalt:

  • Atari 2600 (USA auch: Sars Video-Arcade; Japan: Atari 2800) 
  • Atari 5200
  • Channel F (1976) 
  • ColecoVision
  • Grundig Superplay Computer 4000 (baugleich Interton VC 4000) 
  • Hanimex HMG 2650 
  • Intellivision (schon 16 bit!) 
  • Interton VC4000 (1978; erste deutsche Konsole; baugleich Grundig Superplay Computer 4000) 
  • Nintendo Color TV-Game 6 (1977, nur Japan) 
  • Philips G7000 
  • RCA Studio II 
  • SEGA SG-1000 
  • Vectrex

DAS ENDE - DER VIDEO GAME CRASH

Im Jahr 1983 brach der Videospiele-Markt massiv ein. Die eben noch gefeierte Firma Atari musste viele Spiele vernichten und ließ einige sogar in der Wüste verscharren. Dieser überraschende Einbruch wurde von vielen falsch gedeutet: Manche hielten den Markt für Spielekonsolen oder sogar für Computerspiele überhaupt für beendet. Es kam aber ganz anders.
Für eingefleischte Gamer halfen die neuen Heimcomputer bei der Überbrückung (C64 u. a. als "Lückenbüßer", Amiga 500 gab es noch nicht).
Diese falsche Bewertung bewegte Jack Tramiel von Commodore, der Atari aufgekauft hat, die neue und insgesamt technisch ausgereifte Atari 7800 erst einmal nicht auf den Markt zu werfen. Dadurch konnten dann Nintendo mit seinem neuen NES und in geringerem Maße SEGA mit seinem Master System riesige Erfolge feiern.