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Sonntag, 15. September 2013

SOKRATES

File:Socrates Louvre.jpgFile:Anderson, Domenico (1854-1938) - n. 23185 - Socrate (Collezione Farnese) - Museo Nazionale di Napoli.jpg

* 469 v. Chr. in Alopeke, Athen
+ 399 v. Chr. in Athen

Sokrates war ein griechischer Philosoph und Steinmetz. Er gilt als wegweisend für die Philosophie. Während sich vor ihm viele Philosophen mit der Naturphilosophie beschäftigten, befasste er sich mit menschlichen Problemen. Sokrates war in diesem Bestreben allerdings nicht alleine. Die heutige Wissenschaft sieht ihn als einen der Pioniere der "autonomen philosophischen Ethik".
Sokrates Bedeutung für die Philosophiegeschichte zeigt sich auch darin, dass die Philosophen vor ihm als "Vorsokratiker" bezeichnet werden (er selbst im Prinzip auch).



Sokrates wurde 469 v. Chr. in Athen geboren (Demos Alopeke). Er war der Sohn des Steinmetzen Sophroniskos und der Hebamme Phainarete. Aus einer früheren Ehe seiner Mutter soll er auch einen Halbbruder namens Patrokles haben. Verheiratet war er mit Xanthippe.
In seiner Bildungslaufbahn lernte Sokrates Rhetorik, Dialektik, Literatur, Musik und Sport (Gymnastik), entsprechend dem damaligen Bildungsideal. Er befasste sich auch mit den Sophisten, die er später kritisch sah. Sokrates ergriff zunächst wie sein Vater den Beruf des Steinmetzes. Sokrates leistete auch Kriegsdienst und verwaltete politische Ämter. Doch die Philosophie faszinierte ihn mehr. Er fühlte sich immer Gesetz und Gerechtigkeit verpflichtet.
Innerhalb des Peloponnesischen Krieges nahm er auch an einigen Feldzügen teil. Sokrates hatte Einsätze bei Poteidaia (432 ff), Delion (424) und Amphipolis (422).
Er sah den Krieg an sich kritisch, betrachtete es aber auch als seine Pflicht, für seine Vaterstadt zu kämpfen und blieb im Schlachtgeschehen ruhig.
Sokrates sammelte einen Freundeskreis um sich und entwickelte seine eigene ethische Lehre. Sokrates wollte nach den Forschungsarbeiten der Naturphilosophen den Menschen erforschen. Seine Lehre war jedoch nicht unumstritten, was sich schon im Krieg zeigte, besonders aber danach in der aufgeheizten Stimmung nach der Niederlage. Sokrates lehrte nur mündlich und hinterliess keine Schriften. Seine Schüler gaben seine Lehre aber schriftlich weiter, wenn auch durch ihre eigenen Ansichten überlagert. Dazu gehören Platon, Xenophon und Antisthenes. Die Hauptquellen sind Platon und Xenophon. Es wird häufig behauptet, dass Platon in seinen Dialogen stärker seine eigene Lehre über die des Sokrates legte, während Xenophon möglicherweise ein realistischeres Sokratesbild zeichnete. Aber auch das ist umstritten.
Es sind aber noch weitere Sekundärquellen von Personen ausserhalb seines Schülerkreises erhalten. Dazu gehört Aristophanes, dessen Sokratesbild in "Die Wolken" umstritten ist.

Schliesslich wurde Sokrates der Prozess gemacht. Man warf ihm Gotteslästerung und eine Verführung der Jugend vor. Sokrates lehnte zwar Gottesvorstellungen nicht generell ab und verhielt sich gegenüber seinem Staat (Polis) weitgehend loyal, kritisierte aber in vielen Punkten die Gesellschaft. Man warf ihm auch die versuchte Einführung neuer Götter vor.
Hinzu kam, dass einige seiner Schüler anti-demokratisch eingestellt waren und z. B mit den Dreissig Tyrannen zusammengearbeitet hatten.
399 v. Chr. wurde Sokrates mit knapper Mehrheit schuldig gesprochen. Aus Sicht der Richter verhielt er sich im Prozess hochmütig. Dadurch forcierte er geradezu das Todesurteil.
Sokrates akzeptierte das Urteil und blieb im Gefängnis, obwohl ihm seine Freunde die Befreiung anboten. Er führte mit ihnen vor seinem Tod noch philosophische Unterhaltungen und trank dann den tödlichen Schierlingsbecher.

Sokrates kritisierte sowohl die kosmologisch-spekulativen Naturphilosophen als auch die Sophisten, die mit einer ausgeklügelten Rhetorik mehr auf Überredung als auf Wissen und Handeln setzten. Sokrates konnte trotzdem nicht verhindern, selber in die Nähe der Sophisten gerückt zu werden.
Zur Verbesserung von Menschen(er)kenntnis, Ethik und Weltverstehen sowie zur Synchronisierung von Wissen und Handeln entwickelte Sokrates die Mäeutik (Hebammenkunst), die er nach dem Beruf seiner Mutter so benannte. Danach soll eine Erkenntnis nicht von aussen aufgezwungen werden, sondern selbst erbracht werden. Allerdings übte Sokrates auch so die Kontrolle aus.
Hierbei geht er in zwei Schritten vor:
1. Die Elenktik (Kunst der Überführung) überführt den Gesprächspartner durch penetrantes Ausfragen seines eigenen Nichtwissens bzw. Scheinwissens. Sokrates geht es dabei nicht nur um absolute Aussenwahrnehmungen, sondern auch um die relative Wahrnehmung der Sorge um die Seele (epimeleia). Der Befragte erkennt dabei die Ausweglosigkeit (Aporie) des eigenen Gedankenganges, die Sokrates in seinen Gesprächen aber auch nicht immer auflösen kann.
2. Die Protreptik (Kunst der Hinwendung) führt den Gesprächspartner durch weiteres Fragen zur richtigen Erkenntnis. Sokrates glaubt, dass diese grundsätzlich schon in jedem Menschen vorhanden ist, aber noch verborgen liegt und ans Licht gebracht werden muss wie ein Kind bei der Geburt. Dabei hilft die Vernunft, der Logos. Bei den als Quellen vorhandenen platonischen Dialogen weiss man aber nicht immer genau, inwiefern schon Platons eigene Ideenlehre mit hineinspielt.
Diese richtige Erkenntnis ist gleichbedeutend mit ethisch richtigem Handeln, Wissen ist gleichbedeutend mit Tugend. Bei genauerer Betrachtung seiner philosophischen Ethik wird klar, dass Sokrates davon ausging, dass in jedem Menschen dasselbe rationale Verständnis und dieselbe Definition für bestimmte Ideale wie Gerechtigkeit, Tugend und Selbsterkenntnis verborgen liegen. Die(se) Kernfrage sowohl der Erkenntnislehre, als auch der Ethik ist also die Frage nach dem Guten (agathon) und der Tugend (arete). Diese sollen zur Glückseligkeit (eudaimonia) führen. Ein Anreiz dazu gab ihm das Orakel von Delphi mit dem Sinnspruch "Erkenne dich selbst!" Sokrates entwickelte aus seiner Lehre hinaus später eigene Sinnsprüche, z. B. "Ich weiss, dass ich nichts weiss!" und "Niemand tut freiwillig/wissentlich Unrecht!"

Sokrates starke Nachwirkung beruht auch darauf, dass er dies durch sein eigenes Leben bis zur letzten Konsequenz des Schierlingsbechers bewiesen hat. Die Sokrates-Thematik trat so immer wieder in der Literatur auf, v. a. bei Hölderlin,, de Banville, Kaiser und Brecht.


QUELLEN UND LITERATUR:

Wikipedia
Meyers Großes Taschenlexikon
-
Ekkehard Martens: Sokrates. Eine Einführung; Ditzingen/Stuttgart 2004
www.info-antike.de/sokrates.htm




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