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Freitag, 14. September 2012

IMMANUEL KANT



* 22.04.1724 in Königsberg
+ 12.02.1804 in Königsberg

Kant war ein deutscher Philosoph der Aufklärung und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der europäischen Philosophie.



der 1724 im preussischen Königsberg geboren wurde. Er stammte aus einem pietistischen Elternhaus und war Sohn eines Sattlers.

Von 1740 - 45 studierte er, vermutlich ohne Abschluss. 1746 - 55 war er Hauslehrer. 1755 war er Privatdozent. 1766 - 72 war er Unterbibliothekar an der königlichen Schlossbibliothek. Seit 1770 war er dann Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg. Kants Leben verlief somit sehr ortsfest.

Bei Kants philosophischer Entwicklung unterscheidet man eine vorkritische und eine kritische Periode.


VORKRITISCHE ZEIT:

Zu beginn orientierten sich Kants Schriften zu Mathematik, Physik und Kosmologie stark an Newton. Er entwickelte eine Theorie der Entstehung astronomischer System und eine neue Definition des Wesens der Materie als "Kraft" (Energie).
Kant orientierte sich philosophisch zunächst am Rationalismus, v. a. von Leibniz und Wolff.
Sein Thema waren Vernunftsätze ohne Zuhilfenahme der Erfahrung bzw. die Frage, ob Metaphysik möglich ist.
Kants Neuorientierung begann um 1760 durch den Einfluss des britischen (englischen?) Empirismus, v. a. von Locke und Hume. Dieser liess nur die Erfahrung als Erkenntnisquelle gelten. Metaphysik war für ihn unmöglich.
Kant beschäftigte sich jetzt neben der Frage der Möglichekit der Metaphysik auch mit den Fragen nach den Grenzen der menschlichen Vernunft. Damit näherte er sich ab 1770 der kritischen Philosophie, mit der er die Aufklärung vollendete und gleichzeitig überwand.


KRITISCHE ZEIT:

In der "Kritik der reinen Vernunft" (1781/87; Erkenntnistheorie) behandelt Kant die Grundfrage nach der Möglichkeit einer Metaphysik als Wissenschaft. Genauer gesagt geht es um die transzendentale Analyse erkenntniskonstitutiver Handlungen (i. e. Kritik) des menschlichen Erkenntnisvermögens (i. e. reine Vernunft). Es geht dabei im Kern um die Frage, ob synthetische Urteile a priori möglich sind. An die "Kritik der reinen Vernunft" schliessen sich die "Prolegomena (1783)" an, die versuchen, den Inhalt der ersten Ausgabe der KrV vereinfacht darzustellen.
Nach Kant besteht Erkenntnis aus einer anschaulich-rezeptiven (a.-sinnlichen) und einer gedanklich-spontanen Komponente (Denken und Verstand).
Nach Kant sind Gedanken ohne Inhalt leer. Stattdessen verlangt er einen Bezug gegenständlicher Erkenntnis auf die Anschauung. Anschauung ist danach die durch sinnliche Wahrnehmung vermittelte Präsenz von Gegenständen. Die Anschauung ihrerseits ist ohne Begriffe leer ("blind"). Sie stellt noch keine Erfahrung oder naturgesetzlichen Zusammenhang her.
Jede Anschauung wird durch die "reinen Anschauungsformen" Raum und Zeit und die apriorischen Bedingungen jeder Erfahrung, die Kategorien bestimmt.
Das Problem der Verbindlichkeit der synthetischen Urteile a priori (Anwendungen der K. auf Erscheinungen) löst Kant durch die Vermittlungen in transzendentalen Schemata. Die "reine Anschauung" benötigt also Regeln oder Konstruktionsverfahren.
Durch diese einschränkende Theorie werden Begriffe wie Gott, Welt, Seel u. a. als "Dinge an sich" (unabhängige Gegenstände) nicht mehr verwendbar. Die Begriffe haben als Ideen nur einen regulativen und praktischen Charakter als Aufforderungen zur systematischen Einheit theoretischer Überlegungen.
Als Postulate der praktischen Vernunft sichern sie nach Kant die Existenz Gottes, der menschlichen Freiheit und der Unsterblichkeit der Seele.

In der "Kritik der Urteilskraft" (1790; ästhet. Urteil und Teleologie) untersucht Kant die Begriffe "Zweck" bzw. "Zweckmässigkeit" und deren Folgen für die theoretische Philosophie. Er befasst sich dabei auch mit Natur und Kunst.
Man kann demnach nach der Kritik der reinen Vernunft im Bereich theoretischer Erfahrungen nicht von "objektiven Zwecken" reden. Dieser Bereich ist durchgehend kausal determiniert (und nicht final).
Aber im Sinne der Kritik der reinen Vernunft ist der durch die teleologische Urteilskraft vermittelte finale Naturzusammenhang eine regulative Idee. Nach Kant wird so durch die Urteilskraft zur Vermittlung des mechanistischen Erfahrungsbereich mit dem "vernünftige Zwecke aus sich setzenden Bereich" des freien Willens des Menschen beigetragen.

In der "Kritik der praktischen Vernunft" (1788; Moralphilosophie) versucht Kant, ein oberstes Begründungsprinzip für Handlungen und Normen aufzustellen. Zur praktischen Philosophie Kants gehören auch Schriften wie "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", "Die Metaphysik der Sitten" und "Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft".
Kant analysiert in seiner Kritik die Unterscheidung von Seins- und Sollens-Sätzen. Wenn etwas ist, muss es nicht notwendigerweise sein sollen. Das Prinzip der Begründung von Handlungen oder Normen kann daher nicht empirisch sein. Das Bestehen von Normen ist kein Grund für ihre Befolgung.
Man muss weiterhin Zweck und Mittel unterscheiden. Das oberste moralische Begründungsprinzip soll das Prinzip der besten Zwecksetzung sein, nicht das Prinzip der besten Mittelwahl bei gegebenen Zwecken. Es kann daher nicht hypothetisch, sondern muss kategorisch sein, so dass die Handlungen oder Zwecke "an sich" (und nicht als Mittel) als begründet beurteilt werden können.
Daraus ergibt sich für Kant als oberstes Begründungsprinzip der Moral der kategorische Imperativ. Diesen nutzt er auch zur Aufstellung eines Systems von Rechts- und Tugendpflichten. Kant behandelt ausserdem die Vorstellung von der Existenz Gottes und die Religion als Hilfen bei der Befolgung des Prinzips und der Pflichten. Der Glaube an Gott als Garanten und an die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit motivieren zur Befolgung des kategorischen Imperativs.


WERKE:

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie Theorie des Himmels (1755)
Physikalische Monadologie (1756)
De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (1770)
Kritik der reinen Vernunft (1781/87)
'Prolegomena' zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783)
Kritik der praktischen Vernunft (1788)
Kritik der Urteilskraft (1790)
Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft (1793)


QUELLEN UND LITERATUR:

Wikipedia
Meyers Großes Taschenlexikon
-
Baumgartner, H. M.: Kants "Kritik der reinen Vernunft", Freiburg 1985
Daniel, Claus: Kant verstehen; Frankfurt/M. 1983
Funke, Gerhard: Von der Aktualität Kants; Bonn 1979
Geier, Manfred: Kants Welt. Eine Biographie; Reinbek/Hamburg 2003
Gerlach, Stefan: Immanuel Kant; Tübingen 2011
Grondin, Jean: Kant zur Einführung; Hamburg 2004
Heidegger, Martin: Kant und das Problem der Metaphysik; Frankfurt/M. 1973
Höffe, Otfried: Immanuel Kant; München 2007
Horster, Detlef: Kant zur Einführung; Hamburg 1985
Jaspers, Karl: Kant. Leben, Werk, Wirkung; München 1985
Kühn, Manfred/Martin Pfeiffer: Kant. Eine Biographie; München 2007
Römpp, Georg: Kant leicht gemacht; Köln/Weimar 2007
Vorländer, Karl: Immanuel Kants Leben; Hamburg 1986
Schmid, Karl Christian Erhard: Kant-Lexikon; Darmstadt 1980 (Nachdruck)
Schultz, Uwe: Immanuel Kant; Reinbek/Hamburg 2003



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