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Mittwoch, 18. Juli 2012

"ALTERNATIVE" BETRIEBSSYSTEME

Betriebssysteme: Unix & Linux

Bei einem Artikel über Alternative Betriebssysteme muss erstmal definiert werden, wozu diese Betriebssysteme eine Alternative darstellen sollen. Zu Beginn dieses Artikels (im Sommer 2012) war Microsoft Windows noch das weltweit führende Betriebssystem, besonders im Endanwenderbereich.

Wir stellen uns nun die Frage - wieder mit Focus auf den Endanwenderbereich -, welche guten Alternativen es gibt. Viele kritisieren und polemisieren gegen Microsoft. Für die einen ist diese Kritik berechtigt, für die anderen nur der Neid auf den Erfolgreichen.
Das Microsoft-Imperium wurde lange Zeit als unmoralisch kritisiert, weil es hart mit Konkurrenten und mit dem eigenen Personal umging. Heute wissen wir allerdings, dass auch Konkurrenten wie Apple, die den Anspruch haben, moralisch höherwertig aufzutreten, in den Produktionsländern Arbeiter unter Druck setzen und "Dirty Tricks" gegen Wettbewerber anwenden.





1. Apple und Mac OS

Apple ist ein langjähriger Konkurrent von Microsoft. Entsprechend ist sein Betriebssystem ein Konkurrent zu  denen von Microsoft, also DOS und dann Windows.
Mac OS tritt geschlossener auf als MS Windows und gilt (wie generell Apple-Produkte) als besser auf die Peripherie abgestimmt. Es hat den Ruf eines laufstabilen Betriebssystems.
Mas OS lief früher auf Power-PC-Prozessoren und läuft seit 2006 auf "üblichen" Intel-Prozessoren. PC steht dabei nicht für Personal Computer, sondern für Performance Chip.
Das heutige MacOS X bzw. OS X ist die Version 10 von MacOS, die seit 2001 existiert.
MacOS X basiert auf dem freien (von Apple entwickelten) Betriebssystem Darwin und dieses wiederum auf Unix bzw. BSD. Mac OS X ist also keine reine Eigenentwicklung.
Die wichtigste äussere Änderung bei Mac OS X ist die neue grafische Benutzeroberfläche "Aqua". Sie ermöglicht eine präzisere Darstellung und bessere Lichteffekte und soll mit ihrer räumlichen Wirkung an Wassertropfen erinnern.
Mac OS X ist so ein kommerziell erfolgreiches unixoides System, das aber in vielen Punkten eine eigene und oft kostspielige Hardware erfordert.  Trotz dieser äusserlichen "Öffnung zum Mainstream" bleibt es aber weiterhin Firmenpolitik, dass die Betriebssysteme von Apple nur auf Apple-Hardware eingesetzt werden dürfen (rechtlich umstritten).
In der Frühzeit der Computerentwicklung glänzten Apples Betriebssystem v. a. durch eine gute Grafik- und Multimediatauglichkeit. Inzwischen haben alle Systeme in diesem Bereich deutlich aufgeholt.
Dann begann Apple, den Markt der digitalen Downloadprodukte zu erobern und richtete seine Betriebssystem entsprechend aus. Heraus kam z. B. das iTunes-Konzept für den iPod und andere Geräte.
Mit dem Aufkommen der mobilen Kleincomputer wie iPhone (2007) und iPad (2010) benötigte Apple für diese Geräte ein modifiziertes Betriebssystem. Man entwickelte auf der Basis von Mac OS X iOS.
Apple setzte sich jetzt zum Ziel, durch eine bessere Abstimmung der entsprechenden Betriebssysteme die Kommunikation der Geräte untereinander zu verbessern und damit Kunden zu binden.
Diese Entwicklung wird von einer weiteren Entwicklung begleitet, nämlich dass man immer stärker elektrische Geräte (z. B. im Haushalt) durch feste und mobile Computer steuerbar macht.
Letztlich werden auch Armbandcomputer in dieses Netzwerk integriert werden.





2. Unix

Unix ist ein sehr altes Betriebssystem, das lange führend war und besonders im Serverbereich immer noch gerne verwendet wird. Allerdings musste man als Unix-Benutzer lange ohne Grafik auskommen. Unix ist schon lange kein klar umrissenes System mehr, sondern hat viele Ableger herausgebildet, die nur noch begrenzt untereinander kompatibel sind. Anfangs war Unix quelloffen (bis Ende der 70er-Jahre), dann setzte mit der explodierenden Verbreitung von Computern die Kommerzialisierung ein.
Es kam zu den sogenannten "Unix-Wars". Es gab aber weiterhin Enthusiasten, die ein freies Unix (oder unix-ähnliches/unixoides System haben wollten). Daraus entstanden das GNU-Projekt, Linux und letztendlich auch freie BSDs.
Im Unix-Stammbaum bildeten sich zwei Hauptlinien heraus: System V (von AT & T) und BSD (Berkeley Software Distribution). Durch Modernisierungsschübe beeinflussten sie sich aber auch gegenseitig.
Für Endanwender, die ihr System gerne grafisch und einfach bedienbar haben wollen, hat sich inzwischen (seit den 90ern) einiges getan. Das gilt v. a. für die BSD-Linie.
Für Anhänger von System V gibt es aber auch OpenSolaris, das auf Solaris von Sun Microsystems beruht. Bei OpenSolaris ist die Weiterentwicklung aber durch Firmenübernahmen nicht so gesichert.
Hier konzentrieren wir uns auf BSD: Das Betriebssystem gibt es in mehreren anwenderfreundlichen Ausführungen. Besonders bekannt ist FreeBSD, das als PC-BSD (früher auch Desktop-BSD) leicht installierbar ist. Es gibt neben FreeBSD auch OpenBSD, NetBSD, das an FreeBSD angelehnte DragonFlyBSD und weitere Entwicklungen. Die heute verfügbaren freien BSDs gingen aus 386BSD (von 1992) hervor, dem ersten freien BSD. Sehr frühe Ableger waren 1993 FreeBSD und NetBSD.
Die klassische Unterteilung besagt, dass FreeBSD auf Leistung ausgelegt ist, OpenBSD auf Sicherheit und NetBSD auf Kompatibilität. Diese Unterschiede verschwimmen aber.
BSD ist allerdings nicht so entwicklungsoffen, wie man es von Linux kennt. Daher liegen auch nicht so viele Distributionen vor. Einige Nutzer schätzen aber, dass dadurch seine Entwicklung etwas kompakter ist.
Das Maskottchen von BSD ist das BSD-Teufelchen, dass unterschiedlich benannt wird: Daemon (Hintergrundprozess in Unix, Anspielung an Demon [Dämon]), Devil, Beastie (Anspielung auf englische Aussprache von BSD) ö. ä. Ausdifferenzierte Systeme können auch andere Maskottchen haben wie der Kugelfisch von OpenBSD, der Puffy genannt wird.





 3. Linux

Linux basiert auf Unix (genauer gesagt Minix) und dem GNU-Projekt. Linux hat sich inzwischen deutlich von Unix-Systemen entfernt, wird aber gerne noch als "unixoid" bezeichnet. Es hat die Kombination aus Unix und Grafik erst in der Breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht und damit auch die Entwicklung von anwendungsorientierten BSD-Distributionen beschleunigt.
Linux wurde Anfang der 90er-Jahre als Kernel vom schwedisch-finnischen Programmierer Linus Torvalds entwickelt und wird auf Basis des GNU-Projektes in unterschiedlichen Distributionen ausgeliefert.
Das System liegt inzwischen in vielen Distributionen vor. In Deutschland waren anfangs die Distributionen RedHat (aus den USA) und SuSE (aus Deutschland) bekannt. RedHat ist inzwischen nur noch als Fedora kostenlos erhältlich und SuSE unterliegt jetzt dem Einfluss anderer Firmen. Debian ist auch sehr bekannt. Distributionen wie Gentoo (Pinguinart) sind dagegen eher etwas für Profis.
Für den Einsteiger hat sich dafür ubuntu Linux in Position gebracht. ubuntu ist eine Distribution auf Debian-Basis, die sehr einfach über herunterladbare CD installiert werden kann (die auch als Live-CD dient) und die gleichzeitig über Updates regelmässig gepflegt wird. Der Stifter ist ein Computerunternehmer, der in der New Economy-Zeit reich geworden ist und dann die Popularisierung von Linux unterstützen wollte.
ubuntu wird standardmässig mit der Benutzeroberfläche Gnome ausgeliefert. Daneben gibt es kubuntu mit KDE, xubuntu mit Xfce für schwächere Computer und inzwischen Lubuntu für ganz schwache Computer.
Aufgrund der immer stärkeren Marktdurchdringung mit Tablet-Computern und Smartphones wird ubuntu sich auch zunehmend diesem Sektor widmen.





4. BeOS

In der Computereuphorie der späten 90er-Jahre startete noch ein weiteres Betriebssystem ins Rennen, das in der Anfangszeit der durch das Internet vernetzten PCs noch mit guten Multimedia-Leistungen punkten konnte. So weit, so gut. Allerdings hat sich inzwischen erstens bei den anderen Betriebssystemen die Multimedia-Problematik deutlich verringert und andererseits war die Organisation hinter BeOS nicht besonders gut.
So blieb das Projekt im Jahre 2000 zunächst in der Version 5 stecken. Dann versuchte der deutsche Anbieter yellowTAB, mit Zeta eine Art Version 6 herauszubringen (6. Buchstabe im griechischen Alphabet). Dieser Ansatz blieb aber schon bald sowohl auf organisatorischer Ebene als auch auf patentrechtlicher Ebene stecken.
Inzwischen versuchen Computerenthusiasten, das System BeOS als OpenBeOS bzw. Haiku nachzubauen.
Ein Erfolg steht noch offen.





5. AmigaOS

Aus der Anfangszeit der Computer für den Endanwender, der sogenannten Heimcomputer, sind die Namen Commodore, Amiga und Atari noch ein Begriff. Commodore hat wie Atari in den 80er-Jahren bezahlbare Computer herausgebracht, als PCs auf IBM-Basis (z. B. von Amstrad, Schneider oder Olivetti) für viele noch unerschwinglich waren.
Das heisst aber nicht, dass den Firmen ein langer Erfolg beschieden war. Die PCs holten nämlich im unteren Preissegment auf, während es Commodore und Atari nur bedingt gelang, umgekehrt in den Bereich der "seriösen" Geschäftsanwendungen vorzudringen. In den frühen 90ern gab es noch Computer wie den Amiga 4000 oder den Atari TT, bevor die Firmen trotz guter Anfangsleistung von der Entwicklung abgehängt wurden. IBM & Co. hatten einfach die bessere Vertriebsstruktur.
Die Betriebssysteme, um die es hier geht, waren AmigaOS und Atari TOS (bzw. TOS).
Viele wird vielleicht verwundern, dass es wenigstens das Amiga OS noch gibt, wenn es auch mit der passenden Hardware Probleme gibt. Es wurde über die Jahre sogar deutlich modernisiert, was mit TOS nur holprig gelang.
AmigaOS kann natürlich nicht mehr auf einen Amiga Computer aus den 80ern/90ern zurückgreifen. Aber auch die Anwendbarkeit für einen PC ist problematisch. Stattdessen läuft das System jetzt auf der Architektur eines Power PCs (neben den 68.000er-Architekturen aus der Heimcomputerzeit). Dieses Vorgehen gilt aber marketingtechnisch als gewagt. 2002 bis 2005 wurde der AmigaOne gefertigt. Seit 2012 soll es den AmigaOne X1000 geben, der aber nur über Spezialkanäle lieferbar zu sein scheint.
Er beruht wie frühere Apple-Rechner auf der Power-PC-CPU.
Wer ein freies amiga-artiges System ausprobieren möchte, kann das mit AROS versuchen.



6. ReactOS

ReactOS ist nur bedingt ein alternatives OS, will es ja an MS Windows anknüpfen. Die Idee ist, kostenlos Windows-Kompatibilität herzustellen (binärkomp.).
Das Projekt wird von vielen russischen Entwicklern vorangetrieben und ist v. a. in der Russischen Föderation ein Thema.



7. weitere Systeme

Es gibt noch viele weitere System, die interessante Ideen bereithalten, aber oft nicht die dahinterstehende Energie (Finanzen, techn. Ressourcen, Manpower) haben, eine ordentliche Marktreife zu erlangen. 
Ein Beispiel dafür wäre SkyOS. Es wurde massgeblich vom Österreicher Robert Szeleney entwickelt.
Aus den Frühzeiten der Heimcomputer kennt man auch noch TOS von Atari. Die dem System zugrundeliegende Hardware konnte sich nicht dauerhaft auf dem Markt durchsetzen. Eine gewisse Weiterentwicklung des OS stellte KaOS dar. Derzeit setzen TOS-Anhänger auf das freie EmuTOS. Es ist aber nicht klar, ob dieses System jemals aus der Rolle eines Nischendaseins herauskommen wird.



(Die in diesem Artikel gezeigten Logos sind in der Regel verbreitete Firmenlogos und wurden aus Wikipedia kopiert.)


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