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Sonntag, 20. Oktober 2013

HARALD SCHMIDT



Harald Schmidt wurde am 17. oder 18.08.1957 in Neu-Ulm geboren. Er ist deutscher Multi-Entertainer, der mit Schauspiel, Kabarett, Journalismus, Moderation und dann mit Comedy sein Geld verdient hat.


Kindheit und Jugend

Schmidt stammt aus einer Familie von Heimatvertriebenen aus Böhmen und Mähren und wuchs im schwäbischen Nürtingen auf. Seine Familie war katholisch und er war früh bei den katholischen St.-Georgs-Pfadfindern aktiv. Später sollte er Klavier spielen lernen und bekam das Angebot/die Verpflichtung, auch in der Kirche als Organist zu spielen.
Als Schüler war Schmidt zunächst gut, dann aber durch eine rebellische Haltung gegenüber Schule und Elternhaus und den damaligen Zeitgeist nach 1968 sehr schlecht. Besonders Naturwissenschaften lagen ihm nicht, aber auch sportlich war er nicht gut. Schmidts kritische Haltung zu Lehrern und einigen Mitschülern führte dazu, daß zu einer späteren Sendung "Klassentreffen" (Moderation: Wim Thoelke) während seiner TV-Karriere fast niemand kommen wollte. Schmidt meinte dazu gegenüber Sandra Maischberger: "Das war das erste Mal in der Geschichte der Sendung, daß das Bühnenbild zusammengeschoben werden musste, damit das kleiner aussieht!"
Er blieb wiederholt sitzen und machte sein Abitur am Hölderlin Gymnasium u. a. in Französisch, wo er nicht wusste, was rez-de-chaussée heisst (Erdgeschoss). Nach dem Abitur war er froh, dass die Schule "rum" war und er pinkelte mit seinen Kumpels in den schuleigenen Briefkasten.
In der Schule war Schmidt allerdings in ausserunterrichtlichen Aktivitäten vorne dabei. Seine Defizite im akademischen und sportlichen Bereich glich er durch Entertainerqualitäten aus.


Schauspielausbildung und Kabarett

Schmidt leistete danach seinen Zivildienst ab, weil er keinen Bock auf die Bundeswehr hatte und politisch links eingestellt war. Danach ging er gegen den Willen seiner Eltern auf die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Harald Schmidt war zunächst als Schauspieler in Stuttgart bis 1981 mittelmässig erfolgreich und wechselte dann nach Augsburg, wo er v. a. Kindertheater machte und bis 1984 tätig war.
Parallel zu seiner schauspielerischen Tätigkeit bewarb er sich bei der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und bei verschiedenen Kabaretts. Bei der Henri-Nannen-Schule glänzte er durch eine gute Allgemeinbildung, kam aber trotzdem nicht zu einem Ausbildungsplatz (1983). Möglicherweise ist das der Grund, warum er den Gruner+Jahr-Verlag später in seinem Kabarettprogramm als "Nervenheilanstalt" bezeichnete.
Kabarettistisch knüpfte Schmidt 1984 Kontakte zum Düsseldorfer Kom(m)ödchen unter Kay und Lore Lorentz. Am Anfang war Kai Lorentz von Schmidts Darbietungen nicht sehr überzeugt. Schmidt seinerseits begann, die damalige linke Kulturszene zu hinterfragen, weil er sie als nur vordergründig kritisch, in Wirklichkeit aber als elitär und besserwisserisch empfand. Schmidt blieb dort trotzdem bis 1989.
Schmidt entwarf Soloprogramme wie "Ich hab' schon wieder überzogen (1985)", "Überstehen ist alles (1988)" und "Schmidtgift" (1992). Auch in diesen Programmen zeigte sich eine leichte politische Kehrtwende. Während er Anfangs noch auf sog. Zeitgeistthemen der 1980er einging wie Waldsterben oder Bankenkritik, so machte er sich spätestens ab 1990 über die linken Gesellschaftskritiker selbst lustig. Gerade in "Schmidtgift" verarscht er Atomkraftgegner und Zukunftspessimisten und provoziert schon mit Nazianspielungen, was später sein Markenzeichen werden sollte.
Dieser Gesinnungswechsel kam nicht bei allen gut an. Sein ehemaliger Schauspielkollege Peter Reinwarth (Buch: "Wer ist Harald Schmidt?") bewertete es negativ, dass Schmidt seine anfängliche spontane und sozialkritische Witzigkeit mit zunehmender Anbiederung an den Kommerz eingebüsst habe. Reinwarths Kritiker wiederum werfen ihm Neid auf den kommerziell erfolgreicheren Ex-Kollegen vor.
Parallel arbeitete er gelegentlich für Zeitungen und Zeitschriften und knüpfte Kontakte zum Fernsehen. Anfänglich wollte er damit seine Kabarettkarriere vorantreiben, fand dann aber Gefallen am Fernsehen.


Fernsehkarriere bei der ARD

Schmidt begann 1988 beim SFB mit der Sendung "MAZ ab!", die schon 1989 ins Programm der ARD kam. 1990 moderierte er beim WDR die Rateshow "Pssst..." und "Schmidteinander". Schmidteinander war eine frühe Comedyshow mit Herbert Feuerstein. Beide Shows kamen Mitte der 90er-Jahre auch ins Programm der ARD. Angeblich soll Herbert Feuerstein ihn anfangs zu der Show überredet haben, obwohl Shows dieser Art nachher mit Schmidt identifiziert wurden.



Schmidteinander kann als ein früher Erfolg Harald Schmidts und Herbert Feuersteins gesehen werden. Die Show erhielt bald ihre feste Anhängerschaft. Schmidt machte Witze, lästerte über Zeitungsartikel und ludt diverse Gäste ein. Gäste waren u. a. Franziska van Almsick, Christiane Backer, Rudi Carrell, Elke Heidenreich, Jörg Kachelmann, Dieter Krebs, Jürgen von der Lippe, Uwe Ochsenknecht, Jean Pütz, Heinz Schenk, Helge Schneider, Helmut Thoma, Roger Willemsen und Konsul Weyer.
Schmidts kleiner Partner Feuerstein hatte oft die Rolle eines geistigen Fussabtreters. Beide spielten gerne Sketche und machten sich darin auch über Sprichwörter lustig. Dabei entstanden auch feste Sketchreihen wie Peer Theer, Feuerstein & Fozzi-Bär, Superstein - Retter der Hausfrauen, Oma Sharif und Familie Lucky.
Harald Schmidt bewies hier auch früh, dass er in der Lage war, die komischen Seiten des Schulunterrichtes für das Fernsehen aufzuarbeiten.
Künstlerische Begleitung erhielt die Sendung durch die "Schmidteinander Hupfdolls".

Zwischendurch moderierte Schmidt von Ende 1992 bis Anfang 1993 auch die ARD-Show "Gala!" von Radio Bremen.
Ein grösseres Projekt war von 1992 bis 1995 die Sendung "Verstehen Sie Spass?" in Nachfolge von Paola und Kurt Felix. Diese Sendung war für Schmidt anfangs ein Erfolg, allerdings funktionierte er sie zu einer auf sich zugeschnittenen Comedy-Show um, was beim Samstagabend-Publikum nur bedingt ankam.


Wechsel zu Sat.1



Nach dem Abkühlen des Klimas hatte Harald Schmidt keine Lust mehr auf die ARD und bekam glücklicherweise über Gottschalks Vermittlung Kontakte zu Leo Kirch und damit zu Sat.1. So konnte er sich vor einem Absturz retten. Überbrückungsweise ging er nochmal mit seinem Kabarettprogramm "Schmidtgift" auf Tournee.
Die Harald-Schmidt-Show bei Sat.1 sollte für Schmidt zu einer grossen Erfolgsphase werden, obwohl sie anfangs unter schärfster Kritik stand. Schmidt provozierte von Anfang an auf Teufel komm heraus. Sie lief vom 05.12.1995 bis zum 23.12.2003. Besonders seine Polenwitze (Thema: Autodiebstahl) erregten Anstoß und brachten ihm den Namen "Dirty Harry" ein. Interessant ist, dass Schmidt zuerst kritisiert wurde, aber dann, als er sich wider Erwarten doch bei Sat.1 halten konnte, imitiert wurde. Die 1990er-Jahre galten in Deutschland als Boomjahre der Comedy. Ein Beispiel wäre RTL Samstag Nacht.
Produziert wurde die Show zunächst von Brainpool und fand im Kölner Capitol statt und dann von Schmidts eigener Firma Bonito im Studio 449 in Köln-Mühlheim.
Harald Schmidt baute seine Show so auf, dass zuerst eine Witzestaffel abgefeuert wurde und dann Gäste eingeladen wurden. Zwischendurch brachte er kreative Einlagen. Er stellte beispielsweise historische Geschehnisse mit Playmobil nach oder ging zur Moderation plötzlich nach draußen. Ausserdem gab es Sendungen, die nur auf Französisch oder nur mit dem Rücken zur Wand geschahen.
Harald Schmidt beleidigte regelmässig bestimmte Ethnien, Randgruppen oder Einzelpersonen. Beliebte Opfer waren Bettina Böttinger oder Susan Stahnke.
In frühen Shows traten auch Figuren wie sein Fahrer Üzgür oder ein Pamela-Anderson-Double auf. Später verstritt sich Schmidt mit beiden.
Wichtige Verantwortliche bei der Gestaltung der Show waren Manuel Andrack, der später Schmidts Sidekick wurde und Peter Rütten. Für die Musik war Helmut Zerlett mit seiner Band zuständig.


Die Antike nach Schmidt

Anlässlich einer Sondersendung zum Amoklauf von Erfurt im Jahre 2002 geriet Harald Schmidt in einen starken Konflikt mit Johannes B. Kerner. Er kritisierte Kerners angeblich sensationslüsternes Interview mit einem elfjährigen Augenzeugen. Allerdings machte Schmidt aus seiner Abneigung gegen Kerner auch in der Folgezeit einen jahrelang andauernden Kult, was ihm wiederum Kritik einbrachte, er würde sich in eine solche feindliche Haltung hineinsteigern.


Rückwechsel zur Mutter ARD



Gegen Ende 2003 gab Harald Schmidt bekannt, zum neuen Jahr eine "kreative Pause" einzulegen. Über die Ursachen wurde viel spekuliert. Noch kurz zuvor sollte Harald Schmidt eine Show in der Woche mehr bekommen. Bei der Probeaufzeichnung einer Sendung soll er auch kurz zuvor gesagt haben, auch 2004 seine Show noch moderieren zu wollen.
Die ProSiebenSat.1 Media AG war kurz zuvor durch Haim Saban übernommen worden, der angeblich darauf bestand, dass Vorstandschef Urs Rohner den damaligen Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann entlassen würde. Hoffmann war aber ein Freund von Harald Schmidt. Sein Nachfolger sollte Roger Schawinski werden.
Schmidt zog daraufhin die Notbremse, stieg bei Sat.1 aus und lästerte lauthals über Roger Schawinski.
Nach anderen Vermutungen, die später auch von Manuel Andrack gestützt wurden, war Schmidt einfach ausgebrannt und suchte einen Vorwand zu gehen.

Schmidt ging erst einmal auf Weltreise und bereitete nebenbei sein Comeback zur ARD vor. Wie bei anderen Senderwechseln widersprach er damit seinen früheren Aussagen. Einst hatte Schmidt eine Rückkehr zur ARD noch kategorisch abgelehnt und gesagt: "Wer einmal mit Claudia Schiffer gebumst hat, kehrt nicht zu Muttern zurück!"
Am 19.01.2005 war er dann wieder bei Muttern. Eine Vorabausgabe der jetzt "Harald Schmidt" titulierten Show wurde aber schon am 23.12.2004 ausgestrahlt.
Die Show war ähnlich aufgebaut wie vorher bei Sat.1, hatte aber weniger Sendungen pro Woche. Während Schmidt vorher noch über die ARD gelästert hatte, lästerte er jetzt über das "Unterschichtenfernsehen" Sat.1.
Insgesamt lief die Sendung zwar nicht schlecht, Harald Schmidt wirkte aber manchmal etwas gelangweilt.
Nebenbei moderierte er andere Sendungen für die ARD - auch auf Druck von Günther Struve - wie "Olympia mit Waldi & Harry" über die Olympischen Winterspiele 2006. Ausserdem besuchte er einmal Report Mainz und das Heute-Journal.

Am 25.10.2007 moderierte Harald Schmidt seine Sendung mit Oliver Pocher. Damit wollte er die Show auch für ein jüngeres Publikum attraktiv machen. Schon bald bereute Schmidt jedoch seine Entscheidung und stellte Oliver Pocher, den er vorher selbst geholt hatte, mehrmals ins Abseits. Die journalistischen Bewertungen von Oliver Pocher waren unterschiedlich. Manche Kritiker hielten seine politischen Witze für niveaulos, andere lobten dagegen sein Talent für Parodien. Pocher wurde auch vorgeworfen, in einer Wehrmachtsuniform in Anspielung auf einen Stauffenberg-Film aufgetreten zu sein, obwohl Schmidt ähnliche Aktionen früher auch durchgeführt hatte.
Auf jeden Fall stellte sich bald heraus, dass Schmidt und Pocher nicht zusammenpassten. Auch wirkte die Show immer wieder etwas müde.
Im September 2010 wurde bekannt, dass Harald Schmidt seinen bis 2011 gültigen Vertrag bei der ARD nicht verlängert habe, sondern wieder zu Sat.1 gehen wolle. Viele Kommentatoren wunderten sich über den Rückwechsel zum "Unterschichtenfernsehen". Schmidt selber bemängelte die mangelnde Kommunikation des Senders mit ihm und sah wohl auch die Konkurrenz durch Günther Jauch aufkommen.


Rückwechsel zu Sat.1

Bei Sat.1 sollte alles wieder so werden wie früher. Harald Schmidt trat vor altbekannter Kulisse auf und bestand darauf, wieder mit vielen altbekannten Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Er wirkte in seiner ersten Show am 13.09.2011 auch wieder motivierter. Als er im Januar 2012 noch einen dritten Sendeplatz bekam, dachten viele, er sei wieder etabliert.
Aber schon im März 2012 wurde bekanntgegeben, dass die Harald-Schmidt-Show wegen schlechter Einschaltquoten bis zum 03.05.2012 wieder eingestellt würde. Das war zunächst ein schwerer Treffer und viele Beobachter wetteten auf ein Ende der Schmidtschen Karriere.


Wechsel zu Sky

Doch schon am 02.05.2012 gab der Pay-TV-Sender Sky bekannt, das Format zu übernehmen. Schmidt moderiert nun dreimal wöchentlich seine Show auf Sky (Sky Hits und Sky Atlantic HD).
Harald Schmidt verkündete, dass er nach Sky keine grössere Show mehr moderieren wolle.


Weitere Werke von Harald Schmidt

Harald Schmidt ist vielen durch Fernsehen und Bühne bekannt, aber er war auch anderweitig kreativ tätig. Neben einigen Journalistischen Titeln bspw. für Pardon oder eine Kolumne im Focus hat er einige Galas moderiert und mehrere Bücher verfasst - einige sagen auch verbrochen:
- Tränen im Aquarium. Ein Kurzausflug ans Ende des Verstandes; 1993
- Warum und wohin? Gesammelte Notizen aus dem beschädigten Leben; 2002
- Mulatten in gelben Sesseln. Die Tagebücher 1945-52 und die Focus-Kolumnen 2005
- Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv. Eine Vermessung; 2007
usw. usf.


Bewertung von Harald Schmidt

Ein Medienmensch, der so auftritt wie Harald Schmidt, ruft natürlich kontroverse Antworten hervor.

Seine Anhänger verehren Schmidt sei Jahren nahezu kultisch. Sie halten ihn für geistreich und kreativ und begrüssen es, dass er so oft aneckt.
Seine Gegner dagegen verurteilen seine persönlichen Angriffe als hohle Provokation und sehen hinter seiner nach aussen hin getragenen Unangepasstheit in Wirklichkeit ein reaktionäres Denkgerüst. Ausserdem wurde ihm Selbstüberschätzung und Launenhaftigkeit vorgeworfen.

Fakt ist, dass Schmidt sich mit etlichen seiner ehemaligen Weggefährten überworfen hat, was aber nicht nur an ihm liegen muss. Gegen einige, wie Oliver Pocher, hat er medial nachgetreten (stern: "Halt die Fresse!"), was ihm als unsouverän angelastet wurde. Auffällig ist auch, dass er wiederholt über ehemalige Sender hergezogen ist und dann später doch zu ihnen zurückkehrte.

Besonders kritisch, manchmal auch überzogen-larmoyant ist das Buch "Wer ist Harald Schmidt?" seines ehemaligen Schauspielkollegen Peter Reinwarth.

Trotzdem erhielt Harald Schmidt in seiner langen Karriere etliche Preise, zu denen er sich in einigen Fällen selbst vorschlug (z. B. Grimme-Preis).


Literatur

Kay Sokolowsky: Late Night Solo - Die Methode Harald Schmidt; Berlin 2003
Mariam Lau: Harald Schmidt - Eine Biographie; Berlin 2004
Peter Reinwarth: Wer ist Harald Schmidt? Köln 2006

https://twitter.com/BonitoTV
http://www.wer-ist-harald-schmidt.de/


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