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Sonntag, 8. Dezember 2013

HELLENISTISCHE DICHTUNG: KALLIMACHOS, APOLLONIOS UND THEOKRIT

DIE PTOLEMÄER

Durch die Eroberungen Alexanders des Grossen wurden viele Gebiete des Nahen Ostens hellenisiert. Nach seinem Tode verfiel das Reich aber in Teilreiche, die von Diadochen beherrscht wurden. Damit löste der monarchische Flächenstaat aber strukturell den griechischen Stadtstaat als Hauptfaktor der Machtpolitik ab.
Für die griechische Kultur waren damit die politischen Grundlagen für eine Expansion und Weiterentwicklung geschaffen. Zentren waren Athen, Kos und Alexandria. Aber auch andere Städte und Regionen waren bedeutsam. Die hellenistische Dichtung verfügte über viele Gattungen. Aufgezählt wären das Epos, Elegie, Lehrgedicht, Epigramm, Drama (Komödie, Tragödie), Mimos, Idyllen (epische Idyllen;  Hirtendicht, Pastorale), Hymnos.
Die hier exemplarisch gewählten hellenistischen Dichter Kallimachos, Apollonios und Theokrit beschäftigten sich mit Epen und Epigrammen. Sie hatten als Zentrum ihres Schaffens Alexandria im ptolemäischen Ägypten.
Das Ptolemäerreich war eines der Nachfolgereiche des Alexanderreiches. Bereits die ersten Herrscher gaben politisch und kulturell die Richtung der nächsten drei Jahrhunderte vor.
Die Ptolemäerdynastie wurde in Ägypten von Ptolemaios I. Soter begründet. Nach dessen Vater Lagos wurde sie auch als die Lagiden bezeichnet. Auf diesen folgte sein Sohn Ptolemaios II. Philadelphos. Auf diesen wiederum dessen Sohn Ptolemaios III. Euergetes.

Die griechischen Namen der ersten Ptolemäerherrscher waren:
Ptolemaios I. Soter                   Πτολεμαῖος Α' ὁ Σωτήρ
Ptolemaios II. Philadelphos       Πτολεμαίος B' ὁ Φιλάδελφος
Ptolemaios III. Euergetes (I.)    Πτολεμαῖος Γ' ὁ Εὐεργέτης A'

Der ägyptische Name als Eigenname war 'Ptlmis' (bei Ptolemaios III. mit Namenszusatz):
Als ägyptische Herrscher verfügten sie aber in ihrer Titulatur über mehrere Namen, den Horusnamen, den Nebtinamen (Herrinnenname [Dualendung]), den Goldnamen, den Thronnamen und den Eigennamen.


KALLIMACHOS VON KYRENE

* 320/303
+ nach 245 Alexandria

Kallimachos war ein hellenistischer Dichter, Gelehrter und Bibliothekar. Gleichzeitig gilt er als früher Philologe.
Kallimachos hat die mythischen Ursprünge von Namen und Begriffen erforscht (Ätiologie).

Kallimachos stammt aus Kyrene im heutigen Libyen (NW der Nilregion), die wahrscheinlich begütert war und sich vom Stadtgründer Battos I. herleitete. Kallimachos erhielt eine umfassende Erziehung und hatte schon früh Kontakte zum Hof der Ptoelmäer in Alexandria, blieb aber an griechischen Traditionen orientiert.
Möglicherweise war er auch Lehrer in Eleusis, einem Vorort von Alexandria (Quelle: Suda).
Die Quellen über sein Leben sind nicht umfangreich. Neben seinen eigenen Werken verfügt man über einen Artikel über ihn in der Suda, einem byzantinischen Lexikon, und den byzantinischen Historiker Johannes Tzetzes.
Kallimachos hatte am Hof Kontakt zu Ptolemaios II. (Beiname: Philadelphos) und seiner zweiten Frau Arsinoe II. und arbeitete in der alexandrinischen Bibliothek. Bei Johannes Tzetzes wird er sogar als dritter Leiter der alexandrinischen Bibliothek genannt (Quelle: Scholium [Anmerkung] zu Plautus), was aber in der Suda nicht erwähnt wird und auch nicht in der Liste der Bibliotheksleiter in den Oxyrhynchi-Papyri vorkommt.
(Die Oxyrhynchi-Papyri sind eine riesiger Sammlung antiker Papyri, die ab 1896 in der scheinbar wenig bedeutenden Stadt Oxyrhynchos (Per-Medjed) gefunden wurden und bis heute ausgewertet werden. Der Name der Stadt stammt von einem Spitznasenfisch und die Fundorte - zuerst als Müllhaufen betrachtet - konservierten die Texte auf herausragende Art.)
Einige späte Gedichte des Kallimachos deuten an, dass er sich im Alter vielleicht wieder in Kyrene aufhielt.

Kallimachos soll laut der Suda ca. 800 Bücher (Schriftrollen) verfasst haben. Die meisten davon sind verloren oder nur noch fragmentarisch erhalten.
Komplett erhalten sind nur 6 Hymnen und gut 60 Epigramme.

Die Hymnen richten sich an olympische Götter und an Ortschaften. Kallimachos adressiert Zeus, Apollon, Artemis, Athene, Demeter, aber auch Delos. Die Hymnen an Zeus und Apollon dienten auch dem Lob Ptolemaios II. Kallimachos legt in seinen Werken Kulthandlungen dar.

Aus den Fragmenten einigermassen rekonstruieren kann man das Epyllion (kleines Epos) Hekale und die Aitia (Ursprungsgedichte). Hekale erzählt von den Abenteuern des Theseus, seiner Einkehr bei der alten Hekale und dem Gespräch mit einer Krähe nach ihrem Tod.
Die Aitia sind ein vierbändiges Werk in Gedichtform über die Entstehung verschiedener kultischer Bräuche.


APOLLONIOS VON RHODOS

* 295
+ 215

Apollonios von Rhodos war ein griechischer Dichter und Gelehrter.
Apollonios wurde wahrscheinlich in Alexandria geboren und war ein Schüler des Kallimachos.

Zwischen 270 und 245 v. Chr. leitete er als Nachfolger von Zenodotos von Ephesos die Bibliothek von Alexandria. (Möglicherweise hatte auch Kallimachos vorher diesen Posten inne.)

Sein Hauptwerk sind die 4 Bücher der Argonautika, in der die Argonautensage modern umgesetzt werden.
Darin fährt eine Mannschaft griechischer Helden unter Jason mit dem Schiff Argo nach Kolchis (in Richtung Kaukasus), um nach dem Goldenen Vliess zu suchen. Die Sage wird in der Illias und der Odyssee erwähnt und war wahrscheinlich schon lange vorher bekannt. Apollonias setzt die Argonautensage in seinem Epos in knapp 6000 Versen aber anders um. Er stellt die Gottheiten z. B. als Verkörperung psychologischer Triebkräfte dar und macht sie damit "irdischer".
In der Sage wollen einige Forscher auch Hinweise auf Atlantis (vgl. auch Platons Dialoge Timaios und Kritias) gefunden haben.


THEOKRIT

* ca. 270

Theokrit war ein griechischer Dichter und sowohl Schöpfer als auch Hauptvertreter der griechischen Bukolik (Dichtung der Rinderhirten, Hirtendichtung). Er beeinflusste damit u. a. Vergil.

Unter Theokrits Namen sind diverse Epigramme und 32 Idylle (Eidyllia) überliefert. Sie haben oft eine dramatische Form greifen verschiedene Themenbereiche auf. Einige ahmen den Wechselgesang der sizilischen Hirten nach, andere stellen Szenen des Alltagslebens dar, andere sind lyrisch und wieder andere beschäftigen sich mit mythologischen Themen.
Einige seiner Werke sind vom Mimus (Possenspiel aus dem Alltagsleben) orientiert (Sophron von Syrakus).

Theokrit imitiert gerne klassische Gattungen (Genres), obwohl diese noch in der Umwelt der Polis, des griechischen Stadtstaates, entstanden. In der hellenistischen Zeit waren trotz der weiteren kulturellen Bedeutung einiger Städte die Flächenstaaten vorherrschend. Theokrit schafft auch ironische Distanz, indem er den gebildeten Bürger oder Poeten sich als "poeta doctus" über den ungebildeten Landmann amüsieren lässt.
Theokrit kann sich auch in Form und Sprache gut dem verwendeten Thema anpassen: Heroisch-epische Gedichte verwenden eine epische Sprache, die mimetischen Gedichte eine dorische Kunstsprache.
Der im Hellenismus bevorzugte Hexameter beherrscht die Idyllen 1 - 27.

Das Werk Theokrits galt schon in der Antike als Musterbeispiel seiner Genres. Das gilt für Vergil und seine Eklogen genauso wie für Calpurnius Siculus und die Neoteriker.

Wichtig für die im Corpus Theocriteum überlieferten Idyllen ist auch die Echtheitsdiskussion. Einige Forscher halten sogar ein Drittel der Schriften für unecht.

 1                 Thyrsis/Ode
 2                 Die Hexen (Pharmakeutriai)
 3                 Amaryllis (Komos)
 4                 Die Hirten (Nomeis)
 5                 Geisshirt und Schafhirt (Aipolikon kai Poimenikon)
 6                 Die Rinderhirten (Bukoliastai)
 7                 Das Erntefest (Thalysia)
 8                 Daphnis und Menalkas und Aipolos (unecht?)
 9                 Daphnis und Menalkas (unecht?)
10                Die Schnitter (Theristai)/Die (Feld-)Arbeiter (Ergatinai, Milon und Bukaios)
11                Der Kyklop (Kyklops)
12                Der Liebling (Aites)
13                Hylas
14                Verlangen nach Kyniska (Kyniskas Eros)/Aischines und Thyonichos
15                Die Syrakuserinnen/Die Adoniazusen
16                Die Chariten (Charites)/Hieron
17                Lobgedicht auf Ptolemaios
18                Brautlied der Helena (Helenas Epithalamios)
19                Der Honigdieb (Keriokleptes)
20                Der Rinderhirt (Bukoliskos)
21                Die Fischer (Halieis)
22                Die Dioskuren
23                Die Verliebte (Erastes)/Der verzweifelt Liebende (Dyseros)
24                Der kleine Herakles (Herakliskos)
25                Herakles der Löwentöter (Herakles Leontophonos)
26                Lenai/Die Bacchantinnen (Bakchai)
27                Liebesgeflüster (Oaristys)
28                Die Spinnrocken (Elakate)
29                Liebeslied an einen Knaben (Paidika)
30                Auf den toten Adonis (Eis Nekron Adonin)



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