Fachbereiche: Geschichte, Sowi, Philosophie; Sprachen; Wirtschaft, Recht; Nawi, Biologie, Technik und Blödsinn.
Dieser Universal-Blog ist aus einer Seite für Geschichte, Politik (und Realienkunde) hervorgegangen, die sich dann in Richtung Humanwissenschaften weiterentwickelt hat.
Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch; Latein, Altgriechisch; Russisch, Japanisch, Chinesisch; Mittelägyptisch etc.
Personen-Link: http://novatlan.blogspot.de/2014/08/personen-pool.html

Sonntag, 18. Dezember 2016

SYMBIONESE LIBERATION ARMY



Die Symbionese Liberation Army (SLA) war eine sozialutopische Guerillagruppe in den USA und damit aus Sicht des Staates eine terroristische Vereinigung, die als Folge der politischen Unruhen der 60er-Jahre entstand und in den 70er-Jahren Anschläge, Banküberfälle und Entführungen durchführte.

Die Ideologie der SLA war stark linksgerichtet und vermischte Einflüsse von Sozialismus, Sozialutopismus, Maoismus und der Robin-Hood-Erzählung.
Die SLA wurde 1971 von weißen, linken Aktivisten in San Francisco gegründet und seit '72 vom schwarzen Aktivisten Donald DeFreeze angeführt. Die Gruppe hatte noch weitere Mitglieder wie William Wolfe und das Ehepaar Harris, sowie - wie viele derartige Gruppen damals - ein erweitertes Sympathisantenumfeld, das ihnen logistisch und motivatorisch half.

Das Logo der SLA war eine siebenköpfige Cobra, die die sieben Prinzipien des Kwanzaa verkörpern sollten.

Berühmt wurde die Symbionese Liberation Army besonders durch die Entführung von Patricia "Patty" Hearst, einer reichen Verlegerstochter aus dem Hearst-Clan. Patty Hearst schloss sich nach einer Weile sogar selbst der Gruppe an, was zu Spekulationen führte, ob sie entweder genuin selbst radikal war oder nach der Entführung gehirngewaschen wurde.


Die Gründung der Gruppe

Die Gruppe entstand aus Programmen zu Gefängnis-Besuchen in den späten 60er-Jahren vor dem Hintergrund innerer Unruhen im Land und der Ideen der Neuen Linken. Aktive Gruppen waren z. B. Venceremos und die Black Cultural Association. Im Soledad-Gefängnis kam es zur Amalgamierung der Gruppe. Eine entscheidende Rolle bei der Formung der Gruppe spielten aber auch gemeinsame Kinobesuche von sozialkritischen Filmen. 
Es gab damals im radikalen Milieu verschiedene Vorstellungen eines bewaffneten Kampfes gegen wirkliche oder perzipierte Ungerechtigkeiten. Als Vorbilder dienten die Kubanische Revolution, die Tupamaro-Stadtguerilla in Uruguay und Ideen und Taten Mao Tse-tungs.
Die sich bildende Gruppe glaubte, dass es sich bei vielen, wenn nicht allen schwarzen Gefangenen, die überproportional in US-Gefängnissen saßen, um politische Gefangene handelte. Um dem entgegenzuwirken, wollte man eine Koalition aus linken Studenten und Gefangenen herstellen.

Frühe Aktivisten der Gruppe waren Patricia Michelle "Mizmoon" Soltysik und Willie Lawton "Kahjoh/Cujo" Wolfe, aber auch Russell Little und Robyn Sue Steiner, sowie Nancy Ling Perry, Joe Remiro, Angela Atwood, Gary Atwood, Thero Wheeler, Camilla Hall und Mary Alice Siem.
Den Durchbruch für die Entstehung der Gruppe bildete aber die Flucht von Donald De Freeze, einem schwarzen Häftling des Soledad State Prisons, der in Haft saß, weil er eine Prostituierte ausgeraubt hatte. Ursprünglich war De Freeze kein Radikaler, sondern durchaus ein regulär arbeitender Bürger, der sich aber finanziell von der wohlhabenden Gesellschaft ausgeschlossen fühlte und dann kriminellen Geschäften nachging. Seine Flucht war am 05. März 1973. Freeze nannte sich ab dann "(General Field Marshal) Cinque" nach dem Anführer eines Sklavenaufstandes im 19. Jhd. De Freeze war aber möglicherweise um 1967 bis 1969 ein Polizeiinformant.
DeFreeze hatte schon in Haft durch seinen Aufenthalt in der California Medical Facility (Vacaville) Kontakte zur Black Cultural Association (Mitglied) und dann zu Venceremos knüpfen können. Nun suchte er in einer als "Peking House" bekannten Kommune in der San Francisco Bay Area Zuflucht. Zuerst lebte er bei Willie Wolfe und Russel Little, dann zog er zu Patricia Michelle Soltysik. Beide wurden ein Paar und machten sich daran, eine "Symbionese Nation" zu planen.
Diese Phase dauerte von der Flucht Freezes im März bis zum Spätsommer 1973. Ein früher Unterschlupf war ein Haus in Concord (in Contra Costa County) in der Bay Area. Für Nicht-Ortskundige sei gesagt: Die Bay Area ist eine riesige Metropolregion um die Bucht von San Francisco mit Städten wie San Jose, natürlich San Francisco und Oakland. Diese Region ist nicht nur wirtschaftlich stark, sondern enthält auch einige Zufluchtsorte für soziokulturelle Avantgardisten.


Erste Aktionen: Der Mord an Marcus Foster 

Mit einer ihrer ersten Aktionen verspielte die neugegründete Gruppe gleich politisches Kapital.
Am 6. November 1973 brachten zwei Mitglieder der SLA den Schulbeamten Marcus Foster um (einen Schwarzen!) und verwundeten seinen Stellvertreter Robert Blackburn schwer. Die ausgefrästen Kugeln waren mit einer Zyanidverbindung präpariert.
Der Hauptvorwurf der SLA war, dass Marcus Foster moderne Schulausweise in den Schulen von Oakland hat einführen wollen. Er galt daher als "Faschist".
In Wirklichkeit war Foster sogar skeptisch gegenüber neuen Ausweistechniken gewesen und hatte sich für eine gemäßigte Lösung eingesetzt. Aus späterer Sicht erscheinen derartige Bedenken sowieso lächerlich.
Die SLA schoss sich also schon hier sprichwörtlich ins eigene Bein.
Lange war unklar, wer den Mord an Foster begangen hat.
Am 10. Januar 1974 wurden Joseph Remiro und Russell Little festgenommen und des Mordes an Marcus Foster angeklagt. Beide hatten das Pech oder Glück, mit "heißem Material" in eine Verkehrskontrolle geraten zu sein. Glück insofern, als dass sie so vor den noch folgenden Ereignissen bewahrt wurden.
Zuerst wurden auch beide Männer verurteilt und erhielten jeweils eine lebenslängliche Haftstrafe. Im Juni 1981 wurde Littles Verurteilung jedoch vom California Court of appeal aufgehoben und später wurde er in einem Wiederaufnahmeverfahren in Monterey County freigesprochen. Joseph Remiro blieb dagegen mit seiner lebenslänglichen Haftstrafe im Staatsgefängnis San Quentin in Haft.
Laut Little soll "Mizmoon" Soltysik bei Foster den Abzug betätigt haben, beim schwerverletzten Blackburn übernahm dann DeFreeze, nachdem Nancy Ling Perry die Nerven versagten.


Die Entführung von Patty Hearst 


Die SLA wurde durch die Entführung von Patty Hearst, der damals 19-jährigen Enkeltochter des Verlegers William Randolph Hearst und Tochter des Milliardärs Randolph Apperson Hearst, am 4. Februar 1974 international bekannt. Hearst wurde an ihrer Universität entführt. Dabei stürmte ein Kommando ihre Studentenwohnung und bedrohte auch ihren Lebensgefährten Steven Weed. Es wurde bald klar, dass Hearst im Vorfeld von linken Kommilitonen und Universitätsmitarbeitern ausspioniert worden war. Dabei spielte wahrscheinlich Emily Harris eine wichtige Rolle, die an der Uni arbeitete. 
Zusammen mit ihrer Entführung sollte ein Hilfsprogramm in Höhe von 6 Mio. Dollar zur Ernährung der Hunger leidenden Bevölkerungsgruppen in den USA erzwungen werden. In der Gefangenschaft machte Patty Hearst jedoch eine Wandlung durch. Sie wurde zunächst gefangengehalten, danach Geliebte eines Gruppenmitglieds und schließlich Mitglied der Gruppierung und nahm an Überfällen teil (z. B. Hibernia Bank).
Bis heute ist unklar, ob sie aus Überzeugung handelte, aufgrund einer direkten Bedrohungssituation, als Opfer des Stockholm-Syndroms oder ob die Entführung sogar vorgetäuscht wurde.
Die Gegenseite beim späteren Gerichtsprozess beauftragte sogar Detektive, um Hearsts Vorleben auszuforschen und will auf Informationen über Spannungen mit dem Elternhaus und Kontakte zu radikalen Aktivisten gestoßen sein.


Geldbeschaffung, Umzug und Einkreisung 

Die Entführung der berühmten Verlegerstochter blieb jedoch nicht die einzige Aktion in dieser Phase der Gruppe. Mit Hearst lief die SLA sogar zu regelrechter "Höchstleistung" auf.
Am Morgen des 15. April 1974 überfiel die Gruppe einschließlich Hearst die Hibernia Bank in San Francisco. Bei der Aktion wurde auf zwei Personen geschossen. Die Gruppe erbeutete 10.000 $. Berühmt wurden die Aufnahmen einer Überwachungskamera, die zeigen, wie auch Hearst an dem Überfall teilnahm.
Bis heute wird erregt darüber diskutiert, "wie freiwillig" Hearsts Beteiligung an diesem Überfall war. Sie selber bestritt in Interviews und in ihrer Autobiographie eine innere Unterstützung der Gruppe. Die Gegenseite wies aber auf ihr entschiedenes Auftreten während des Überfalls hin. Außerdem erklärten SLA-Mitglieder später, sie hätte problemlos vor dem Überfall die Straße entlang der Situation entfliehen können. 

Doch die Gruppe stand vor einem "strukturellen Problem". Sie befand sich in der San Francisco Bay Area, wo es durchaus viele Politaktivisten gab, die den Ansichten der SLA nahegestanden hätten. Aber durch die Ermordung von Marcus Foster verlor die Gruppe viel an Sympathien.
Deshalb entschloss man sich zu einer Verlegung der konspirativen Basis von San Francisco nach Los Angeles und zwar in eine Gegend, die Donald DeFreeze schon von früher kannte.
Diese Verlegung, die wie angegeben gute Gründe hatte, führte aber auch zu entscheidenden Nachteilen. In Los Angeles kannte man sich nicht so gut aus und das Anwerben von Sympathisanten wurde keinesfalls besser.
Den Behörden gelang es durch verstärkte Fahndungsmaßnahmen, die Gruppe immer mehr in die Defensive zu drängen und ihre Verstecke immer mehr einzukreisen. Im Mai hatte man das Versteck, in dem sich die Führungsköpfe der Gruppe aufhielten, ausfindig gemacht. 
Zum Verhängnis für die Gruppe wurde ein Einkauf vom 16. Mai 1974 von William "Teko" und Emily "Yolanda" Harris im Mel's Sporting Goods Store in Inglewood. Teko kam auf die schlechte Idee, beim Einkauf noch etwas zu stehlen. Das führte dazu, dass er erwischt wurde und ein Sicherheitsmann ihm eine Handschelle anlegen konnte. Durch das Eingreifen der draußen in einem Bus wartenden Patty Hearst, die Warnschüsse abgab, konnten die beiden jedoch fliehen. Dabei wurde aber der Bus erkannt und nach ihm gefahndet. Kurze Zeit später erhielt der abgestellte Bus sogar noch einen Strafzettel, wonach die Gruppe wusste, dass sie reagieren musste. Beim Rückzug in ein neues konspiratives Versteck kam es jedoch zu Reibereien mit den Bewohnern, so dass ein anonymer Informant (wahrscheinlich Familienumfeld der Hausbesitzerin) die Polizei verständigte. Diese reagierte sofort.


Showdown im Mai 1974

Das LAPD rückte am 17. Mai 1974 unter dem Kommando von Cpt. Mervin King mit mehreren hundert Mann regulärer Polizei, SWAT, FBI, Highway Patrol und Feuerwehr an, um das Haus 1466 East 54th Street zu umstellen und dann zu stürmen. Die Umstellung und der Angriff verliefen jedoch trotzdem ziemlich planlos: Nach einer Lautsprecherdurchsage kamen zunächst ein alter Mann und ein Junge aus dem Haus. Der alte Mann behauptete, beide seien alleine im Haus gewesen, aber der Junge plauderte die Wahrheit aus. Damit war für die Polizei die Lage klar. Lange Verhandlungen hatte man nicht eingeplant.

Der Kampf wurde mit dem Abfeuern von Tränengasgranaten eröffnet. Es kam in der Folge zu einer großangelegten wilden Schießerei zwischen der SLA und der Polizei. Nach ca. 2 Stunden begann das Haus, Feuer zu fangen (durch Tränengasgranaten?). Daraufhin verließen drei Frauen das Haus, eine von ihnen betrunken, bei denen man später feststellte, dass es keine SLA-Mitglieder seien. Die Betrunkene wollte wohl in dem Haus ausnüchtern.  Doch dann kamen zwei weitere Frauen aus dem Haus, die beide durch Kugeln getroffen wurden. Bei späteren Untersuchungen blieb unklar, ob sie sich eindeutig ergeben hatten oder noch bewaffnet waren. Die wilde Schießerei ging derweil stundenlang weiter.
Die Spektakularität dieser Erstürmung wurde noch dadurch erhöht, dass sie durch eine quasi hautnahe Berichterstattung von Presse-, Radio- und Fernsehjournalisten begleitet wurde. Für die damalige Zeit, die erste Hälfte der 70-Jahre, war das noch völlig unüblich. Erst Jahre später sollte es modern werden, flüchtende Täter mit Pressehubschraubern zu verfolgen.

Die Ergebnisse der Schießerei waren fatal: Der Chef der Gruppe, Donald DeFreeze und fünf weitere Mitglieder der SLA kamen ums Leben.
Neben den beiden Frauen, die das Haus verlassen und erschossen wurden, starben viele SLA-Mitglieder durch Schusswunden oder durch Feuereinwirkung. Viele verglühten in einem Verschlag unter dem Haus. Donald DeFreeze hat möglicherweise Selbstmord begangen. Die Polizei hatte keine tödlichen Verluste zu beklagen.
Die Toten der SLA waren also: Nancy Ling Perry ("Fahizah"), Angela Atwood ("General Gelina"), Camilla Hall ("Gabi"), Willie Wolfe ("Kahjoh" oder "Cujo"), Donald DeFreeze ("Cinque") und Patricia Soltysik ("Mizmoon," "Zoya").
Aus Untersuchungsberichten ging hervor, dass mehrere 1000 Schuss von beiden Seiten abgefeuert wurden. Die Polizei verschoss allein über 9000 Schuss. 

Die völlige Zerschlagung der Gruppe bedeutete das aber noch nicht. Patty Hearst war nicht im umstellten Haus und es gab noch viele weitere Mitglieder in Rückzugsräumen, die bereit waren, weiter zu kämpfen. Einige stießen sogar neu dazu. Man ist sich aber bis heute nicht ganz sicher über die Identität aller Mitglieder. Der Nachfolger von Donald DeFreeze wurde William Harris, genannt Teko.


Durchhalten und endgültige Zerschlagung der Gruppe

Die schwer getroffene Gruppe entschloss sich unter ihrem neuen Anführer, William "Teko" Harris, wieder in die San Francisco Bay Area zu ziehen. Emily Harris war mit an der Organisation beteiligt.
Dort konnte sie noch bis 1975 durchhalten. Aufgrund des als brutal empfundenen Vorgehens der Polizei gewann die Gruppe sogar noch neue Mitglieder: Wendy Yoshimura, Kathleen Soliah (später: Sara Jane Olson), James Kilgore und Michael Bortin.
In diese Zeit fiel sogar noch der Banküberfall auf die Crocker National Bank in Carmichael (CA) Ende April 1975, bei der eine Kundin der Bank, Myrna Opsahl, starb. Der Todesschütze blieb unklar. Mit modernen Ermittlungsmethoden konnten aber nach vielen Jahren die beim Überfall maskierten Beteiligten identifiziert werden. 
Am 18. September 1975 wurde Patty Hearst neben weiteren SLA-Mitgliedern, darunter ihre enge Freundin Wendy Yoshimura, verhaftet und vor Gericht gestellt. Ein Aktivist, James Kilgore, konnte abtauchen und nach Afrika entkommen. Bei einigen Aktivisten ist man nicht sicher, ob sie zur SLA gehörten oder nicht. Patty Hearsts Biographie von 1982 macht in diese Richtung einige Andeutungen. In manchen Fällen wurden auch erst nach Jahren neue Indizien gewonnen.


Die juristische Nachbearbeitung

In der Folge der Festnahme wichtiger SLA-Mitglieder und der Zerschlagung der Gruppe kam es zu mehreren wichtigen Prozessen. Der spektakulärste war aber der gegen die "gewendete" Patty Hearst. 
Das Gericht erkannte die Zwangslage von Patty Hearst zunächst nicht an und verurteilte sie 1976 zu immerhin 35 Jahren Haft! Sie war an mehreren Taten der SLA inklusive dem Überfall auf die Hibernia Bank beteiligt. Dies war zunächst ein Schock für die beteiligte Frau und ihre Eltern. Mit der Zeit wurde das Strafmaß aber immer mehr abgemildert. In einem Berufungsprozess wurde die Strafe auf sieben Jahre herabgesetzt. Dann wurde Patty Hearst noch nach nur 21 Monaten von US-Präsident Jimmy Carter begnadigt und am 1. Februar 1979 aus dem kalifornischen Bundesgefängnis bei San Francisco entlassen. Mehr als 20 Jahre später, 2001, erhielt sie sogar noch ein "Presidential Pardon" (vollständige Begnadigung) von Präsident Bill Clinton. Kritiker bemängelten einerseits eine zu weiche Haltung Clintons, der selber früher weit links aktiv war, gegenüber Radikalen der 60er und 70er Jahre und andererseits die offensichtlich erfolgreiche Einflussnahme von Hearsts reichem Vater.
Für den Mord an Marcus Foster waren, wie bereits oben erwähnt, Joseph Remiro und Russel Little schon 1974 angeklagt und verurteilt worden. Das Urteil gegen Little wurde jedoch 1981 aufgehoben. Remiro saß weiterhin in Haft. Andere mögliche Beteiligte waren in der Massenschießerei im Mai 1974 verglüht.
Neben dem Foster-Mord und dem '74er-Überfall auf die Hibernia Bank machte insbesondere der '75er-Überfall auf die Crocker National Bank die Ermittler neugierig. Denn hier ging es nicht nur um einen bewaffneten Bankraub, sondern auch - wie im Fall Marcus Foster - um Mord: Myrna Opsahl wurde bei der Tat erschossen, wenn auch möglicherweise unbeabsichtigt. Die Täter waren aufgrund ihrer Maskierung schwer zu identifizieren.

Die juristische Nachbearbeitung der SLA-Taten dauerte insgesamt bis weit in die 2000er-Jahre. Das lag unter anderem daran, dass nur schleppend neue Ergebnisse ermittelt wurden sowie an der Kriminaltechnik, die über die Jahre deutliche Fortschritte machte.
Im Jahre 2003 war es dann soweit: Vier Angeklagte der SLA mussten sich wegen Mord zweiten Grades verantworten. Es ging um William Harris, Emily Harris/Montague, Michael Bortin und Sara Jane Olson (früher: Kathleen Ann Soliah). Der Richter verurteilte die Angeklagten zu 6 bis 8 Jahren. Somit war ein weiteres Kapitel linker, marxistisch-leninistisch-maoistischer Guerilla aus der Zeit von Neuer Linker und Gegenkultur abgeschlossen. Und das in einer Zeit, in der der Krieg gegen den (islamischen) Terror gerade anzog und dann eskalierte. 

Interessant ist auch, dass einer der seit 1975 flüchtigen Aktivisten der Gruppe, James Kilgore, sich nach Afrika durchgeschlagen und dort unter Verzicht auf Gewaltmaßnahmen an Hilfsprojekten gearbeitet hatte. Kilgore hat sogar unter falschem Namen publiziert (John Pape). 2002 wurde er jedoch in Südafrika festgenommen, an die USA ausgeliefert und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. 2009 wurde James Kilgore freigelassen.
Damit blieb nur noch Joseph Remiro in Haft (wegen Mordes). 
Einige kleinere Strafen gegen SLA-Mitglieder sind hier nicht aufgeführt.


Geistige Bewertung der Aktionen

Aus heutiger Sicht erscheint die Motivlage damaliger linker und utopistischer Aktivisten unverständlich und verworren. Nichts desto Trotz gab es damals nicht wenige derartiger Gruppen alleine in den USA.
Man denke an die Weathermen (Weather Underground), die Black Panther Party, die Manson Family, die Lyman Family und viele andere Gruppen. Doch der Linksterrorismus dieser Zeit war kein reines US-Phänomen, sondern ein internationales Phänomen. Er trat zumindest in Europa, Nordamerika und teilen Asiens auf. Hier war er besonders stark in Japan und Teilen Indiens. Einige japanische Linksterroristen hielten sogar mit am längsten durch.
Aber obwohl sich viele dieser Gruppen auch auf Mao und seine Kulturrevolution beriefen, hatten ihre Vorstellungen in vielen sozialistischen Ländern nur ein schwaches Standing.
In den 60er-Jahren war eine neue Generation herangewachsen, die den Zweiten Weltkrieg nicht mehr oder nicht mehr bewusst erlebt hatte. Diese Generation wuchs in relativem wirtschaftlichen Wohlstand auf, was ihr oft auch vorgeworfen wurde, hatte aber noch mit einer Elterngeneration zu tun, die durch harte Zeiten gegangen war und den alten Werten verwachsen war. In einigen Ländern - wie Deutschland, Italien, Japan und ihren Verbündeten - hatte diese Generation auch noch Diktaturen unterstützt. In den USA ging es aber vor allem um eine Auseinandersetzung um die Sinnhaftigkeit des Vietnamkrieges. Ferner ging es um generellen Antiautoritarismus, um eine Beeindigung von Armuts- und Rassendiskriminierung und um die Haltung gegenüber einer neu aufkommenden Popkultur.
Diese Kämpfe, die schon in den 60er-Jahren geführt worden waren, eskalierten mit dem Ende der 60er-Jahre und dem Beginn der 70er-Jahre zu einer Radikalisierung bis in den Linksterrorismus. Man glaubte einfach nicht mehr an eine Reformierbarkeit des althergebrachten Systems.
In diesem Milieu entstanden gar sonderbare Revolutionsphantasien, die immer seltsamere Blüten trieben. Man überlegte sich z. B., den Guerillakampf im Landesinneren mit einem potentiellen Einmarsch der Sowjetunion oder Nordchinas zu kombinieren. Dabei wurden gerne mal mehrere Millionen Tote einkalkuliert. In einigen Teilen der Welt wie z. B. auf Cuba oder in afrikanischen Ländern war eine "rote Revolution" geglückt und so wollte man es nun auch in den Zentren (Zentrum - Peripherie) machen.
Ehemalige Kämpfer der SLA sagten auch offen, dass damals ein Revolutionsoptimismus bestand, nachdem man glaubte, z. B. 1975 den ganzen Südwesten der USA zu erobern und dann 1976 das innere Amerika.
Man Vergleiche diese Vorstellungen nur mal mit der "Förster-Fraktion" innerhalb der RAF: Diese wollte mitten im Schwarzwald eine befreite Räterepublik errichten!
In der Praxis zerschlugen sich aber viele dieser Ideen schon in den 70er-Jahren, obwohl einige Gruppen bis zum Fall der Sowjetunion oder gar bis Ende der 90er-Jahre weiterkämpften. Aus Sicht rechter Kritiker schwächten solche Tendenzen nur die betreffenden Länder und haben andere Länder und Kulturkreise stark gemacht - wie den islamischen - die ihre Macht dann ausweiten konnten und deren innere Struktur noch viel weniger progressiv sei als das des WASP-Amerika. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch das offizielle Großbritannien und die USA sowohl radikalreligiöse Gruppen stärkten, um andere Gegner mit realpolitischen Methoden zu schwächen, also auch linke Rebellen im eigenen mit V-Leuten unterwanderten, um sie zu härteren Aktionen zu motivieren und damit in der Gesamtbevölkerung zu desavouieren.



QUELLEN UND LITERATUR

Wikipedia
diverse Nachschlagewerke aus Papier
Die Chronik des 20. Jahrhunderts
-
Hearst, Patty/Alvin Moscow: Every Secret Thing; 1982
(Patty Hearst: Her Own Story)
Krassner, Paul: The Parts Left out of the Patty Hearst Trial 
Laqueur, Walter: Terrorismus. Die globale Herausforderung; 1987
-
Neverland: The Rise and Fall of the Symbionese Liberation Army; 2004 (Film) 
Guerilla: The Taking of Patty Hearst (Film) 
(www.pbs.org)  




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen