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Sonntag, 8. November 2015

JUSTINIAN I.

File:Meister von San Vitale in Ravenna.jpg
Mosaikdetail, San Vitale (Ravenna)



* ca. 482 in Tauresium (bei Justiniana Prima)
+ 14.11.565 in Konstantinopel

Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus (Ἰουστινιανός; Justinian) war vom 01.08.527 bis zu seinem Tod am 14.11.565 römischer Kaiser im Osten des Reiches. In einigen Quellen wird er auch als Justinian der Grosse bezeichnet, in orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt.

Justinian gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike, seine Herrschaft markiert aber auch den Übergang zum Mittelalter, in dem man das oströmische Reich auch Byzantinisches Reich nannte. Viele antike Traditionslinien wurden schwächer und der griechische Kultureinfluss stärker. Man betrachtete sich selbst aber immer noch in der Nachfolge des antiken Römischen Reiches.

Justinian versuchte entsprechend seiner Reichsauffassung den Westen des Römischen Reiches, der vorher während der Völkerwanderung untergegangen ist, zurückzuerobern, was ihm teilweise gelang.
Justinian führte erfolgreiche Kriege gegen die Vandalen (Vernichtung des Vandalenreiches in N-Afrika), gegen die West- und Ostgoten im Westen, wobei die Ostgoten in Italien völlig vernichtet wurden, gegen die Slawen im Norden und die Perser im Osten. Damit stellte er in gewissem Ausmaß das römische Weltreich wieder her.

Justinian war auch im Inneren bestrebt, seine Herrschaft zu stabilisieren und auszubauen. Dabei waren seine beiden Hauptstoßrichtungen die Durchsetzung des Christentums als "Staatsideologie" und der Kampf gegen aufständische Gruppierungen.
Im Kampf gegen das Heidentum schloss Justinian 529 die Athener Philosophenschule, die auf eine lange Tradition zurückblicken konnte.
In der innerchristlichen Debatte nahm er schriftstellerisch an dogmatischen Auseinandersetzungen teil und trat später kirchenpolitisch trotz Sympathien für die Monophysiten als Verteidiger der Orthodoxie auf (5. ökumenisches Konzil 553). 
Im Kampf gegen Aufständische bleibt besonders die brutale Unterdrückung des Nika-Aufstandes in Erinnerung, die er im Jahre 532 nach anfänglichem Zögern angeblich auf Anraten seiner Frau Theodora und angesichts der Rückkehr des Feldherrn Belisar durchführte. Dieser Aufstand war der schwerste Zirkusaufstand (Circusunruhe) der Spätantike. Der Zirkus galt nicht nur als Sportstätte und Rennbahn, sondern auch als Artikulationsort für politische Belange - vergleichbar moderner Auseinandersetzungen im Sportstadien. Dieser Aufstand griff dermaßen aus, dass erhebliche Teile der Stadt zerstört wurden. Beim finalen Gemetzel im Hippodrom wurden rund 30.000 Gegner Justinians hingeschlachtet.
Die Drahtzieher der Aufstände konnten nie ganz ermittelt werden. Wahrscheinlich spielten neben einer Volksempörung noch Oppositionsgruppen unter den Senatoren und dynastische Konkurrenten eine Rolle.

Justinian ist auch für seine rege Bautätigkeit bekannt. Besonders bekannt ist die später so genannte Hagia Sophia. Sie blieb aber nicht das einzige architektonische Zeichen seiner Macht.

Justinian gilt der Nachwelt nicht nur als politischer Stabilisator (wenn auch brutal agierend) und als Bauherr, sondern auch als wichtiger Gesetzgeber und Gesetzesreformer. Die Sammlung des "Corpus Juris Civilis" gilt als wegweisend für das römische Recht.


QUELLEN/LITERATUR:

Wikipedia
Meyers Großes Taschenlexikon
-
Prokop(ios) von Caesarea: Geschichtswerke über Kriege, Architektur und die sog. "Geheimgeschichte" (Anekdota)
-
Leppin, Hartmut: Justinian. Das christliche Experiment; Stuttgart 2011
Meier, Mischa: Herrschaft, Reich und Religion; München 2004



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