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Freitag, 29. November 2013

EWIGES LEBEN



Das ewige Leben gilt als Begriff aus der Philosophie, Metaphysik und Religion. Es wird als Desiderat beschrieben, dass entweder erreichbar ist oder nicht. Bei seiner Definition können wir uns frei bei Wikipedia bedienen: Dort (variabel) wird das ewige Leben beschrieben als Seins-Zustand, in dem ein Lebewesen nie stirbt oder durch den das Leben mit dem biologischen Tod nicht endet. Das ewige Leben kann ein unzeitiger oder ein zeitiger (zeitverschobener) Zustand sein. Im ersteren Fall lebte der Mensch in zeitiger und unzeitiger Wirklichkeit zugleich.

Das ewige Leben scheint ein seit langem existierender Menschheitstraum zu sein. Dementsprechend kommt er in fast allen Religionen vor. Man denke z. B. an den Totenkult der antiken Ägypter. Viele Religionen glaubten, dass der Mensch in anderer Gestalt oder nichtmateriell weiterexistiere. Oft ist dieser Gedanke verbunden mit der Vorstellung einer Selektion, die je nach moralischem Verhalten des Menschen in der Welt entscheidet, ob, wo und wie der Mensch nach dem irdischen Tode weiterlebt.
Bei den Alten Ägyptern wurde das Herz (ib) gewogen, das als körperlicher Kern des menschlichen Empfindens galt. Bei den Griechen gab es Unterweltvorstellungen, die davon ausgingen, dass man über den Fluss Styx in die Unterwelt gelange, in der Hades und Persephone herrschten. Die Unterwelt, ihrerseits Hades genannt, wird vom dreiköpfigen Höllenhund Kerberos bewacht. Die Römer haben dann viele griechische Vorstellungen übernommen oder ihren eigenen angepasst.
Eine heute sehr weit verbreitete Religion, das vom Judentum abstammende Christentum, behauptet, dass es "bald" ein Jüngstes Gericht gebe, dass die ganze bestehende irdische Weltordnung hinwegfegen und ein Reich Gottes einsetzen würde. Damit verbunden wird auch die Rückkehr Jesus als Gottes Sohn.
Nun erscheint aber dieser Gedanke vielen doch lächerlich, weil inzwischen schon über 2000 Jahre vergangen sind und die Verkündungen nicht eingetreten sind.

Lange Zeit hat man sich nicht mit der Frage beschäftigt, ob das ewige Leben auf realistische Weise ("aus irdischer Perspektive") erreichbar ist. Das ist wahrscheinlich ein Fehler.
Durch das Zurückdrängen der Relgionen in einigen Teilen der Erde seit der Aufklärungszeit wird der Glaube an ein ewiges Leben von vielen Menschen als Spinnerei abgetan. Besonders mit Blick auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaft und das Denken an den Zerfallsprozess des biologischen Körpers hält man ein ewiges Leben für unmöglich. Dabei könnte es gerade die Naturwissenschaft sein, die ein ewiges Leben, das aus sich alleine heraus (also aus einer unmanipulierten Natur) nicht möglich ist, irgendwann möglich macht.

Dabei sind verschiedene Möglichkeiten denkbar.
Einmal kann man den Alterungsprozess des Körpers bekämpfen. Das wird auf sehr einfache Weise bereits heute gemacht. Man kann sich gesund ernähren, auf Oxidantien möglichst verzichten, Antifaltencreme benutzen, sich die Zähne versiegeln oder sich den Arsch liften lassen.

Andererseits kann man aber umgekehrt vorgehen. Man kann den Körper bewusst verfallen lassen und stattdessen den Geist retten, bzw. seine Grundlage, das Nervensystem. Bislang ist das technisch aber noch nicht möglich. Wenn es aber gelänge, könnte man den geretteten Geist dann wieder in einen neu geschaffenen Organismus einsetzen, der biologisch, mechanisch (nicht-biologisch) oder beides sein kann.
Wenn man dazu noch neue Planeten oder Monde bewohnbar macht und/oder beim Bau neuer Körper für Menschen raumsparend vorgeht, hätte man auch nicht oder für lange Zeit nicht das Problem einer Überbevölkerung. Die Fortpflanzung müsste vielleicht reduziert, nicht aber eingestellt werden.

Einer der Denker, die für solche Überlegungen und passende Experimente berühmt sind, ist Hans Moravec. Man spricht bei seinen Denkansätzen auch von "Posthumanismus".
Einige dieser Posthumanisten gehen sogar davon aus, dass das ewige Leben schon ab ca. 2050 zur Verfügung stehen könnte.
Warten wir also ab, was die Gemeinde der offiziellen und privaten Forscher hervorbringt.

Interessant ist es aber schon, wie wenige Menschen sich mit solchen wesentlichen und richtungsweisenden Themen beschäftigen. Es ist wohl ein allgemeines Problem, dass sich Menschen zu sehr mit den Trivialitäten des Alltags beschäftigen. Viele Menschen kümmern sich lieber um eine saubere Hauseinfahrt, die Farbe ihres Autos oder den Busfahrplan.
Nicht, dass man den alltäglichen Pflichten nicht nachkommen sollte. Aber es fehlt das Bewusstsein der zeitlichen Abläufe, dass wir auf einem Planeten leben, der seit rund 5 Mrd. Jahren existiert, dass es erst seit wenigen Millionen Jahren Frühformen des Menschen gibt und der Homo sapiens wohl seit < 200.000 Jahren existiert. Eine ausgebildete Sprachfähigkeit ("conditio humana") wird seit ca. 30.000 Jahren angenommen. Die Schrift beherrscht der Mensch in einigen Frühen Hochkulturen seit gut 5000 Jahren (vor 3000 v. Chr.). Danach schritt wenigstens die technische Entwicklung mit einigen Rückschlägen immer weiter vor. Ein Voranschreiten der sozialen Entwicklung ist umstritten.
Ein explosive technische Entwicklung haben wir seit der Industriellen Revolution, die im ausgehenden 18. Jhd. begann.
Angesichts dieser mächtigen Entwicklungen ist die Frage umso spannender, wie die Zukunft wird und wie lange diese sein wird! Wird der Mensch zu seiner eigenen Schöpfung? Und wird er den Tod überwinden?


QUELLEN UND LITERATUR:

Benecke, Mark: Memento Mori. Der Traum vom ewigen Leben; Remda-Teichel 2012
Küng, Hans: Ewiges Leben? München 2002
Moravec, Hans -> diverse Bücher über Robotik und Posthumanismus


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