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Mittwoch, 19. Dezember 2012

MARTIN HEIDEGGER



* 26.09.1889, Messkirch
+ 26.05.1976, Freiburg/Breisgau

Martin Heidegger ist ein deutscher Philosoph. Er entschied sich nach kurzem Interesse an der Theologie für die Philosophie, galt zunächst als Schüler Edmund Husserls und wurde 1923 Professor in Marburg und  ab 1928 in Freiburg im Breisgau.
Durch sein Hauptwerk "Sein und Zeit. Erste Hälfte"  (1927) wurde er zum führenden Vertreter der deutschen Existenzphilosophie. Das bis heute berühmte Werk sollte eigentlich nur ein Teil der finalen Ausgabe werden, zu einer Fortsetzung kam es aber nie.
Heidegger ging von der aristotelischen Frage nach dem Sinn des Seins aus und wollte diesen Sinn für das menschliche Sein, das Dasein finden. Der ichstarke Heidegger glaubte, in diesem Punkt die europäische Philosophie revolutionieren zu können. In "Sein und Zeit" analysiert er im Anschluss an die Phänomenologie Edmund Husserls die allgemeinen Charakteristika (Existenzialien) menschlichen Lebens.
Das Dasein und damit der Mensch befindet sich im Zustand der Geworfenheit in der Welt des "zuhandenen Zeugs". Es steht in seinen 3 Grundbefindlichkeiten (Stimmung, Verstehen und Rede) unter dem Phänomen der Angst und ist ständig versucht, vor dieser ins "Man", dem uneigentlichen Sinn des Neutrums zu flüchten.
Seine Ganzheit erreicht er jedoch nur, wenn er entschlossen auf sein eigentliches "Sein-zum-Tode" zugeht.
Heidegger versteht Dasein als "Ausser-sich-sein", das nicht in der Zeit steht, sondern ein "Sein als Zeit" hat.
Entscheidendes Charakteristikum des Daseins ist somit die "Zeitlichkeit" als Einheit von Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart.
In seinen späteren Werken befasst sich Heidegger mit dem "Denken der Kehre". Der Mensch soll darauf warten, dass sich das Sein selbst ihm zuspricht. Heidegger wandte sich gegen die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens und sichte in der abendländischen Metaphysik die schicksalhafte "Seinsvergessenheit" aufzuzeigen.
Die "ontologische Differenz" zwischen Sein und Seiendem wird von Heidegger jedoch nicht sachlich begründet, sondern in einer dichterischen Sprache mit Archaismen dargestellt, in der das Sein selbst sich offenbaren, also "entbergen" soll.
Heidegger war auch um politisches Engagement bemüht. Seine Philosophie hing eng mit der Desillusionierung der Deutschen nach dem verlorenen I. Weltkrieg zusammen. In der Nazizeit sympathisierte er stark mit dem Nationalsozialismus, wie sich bereits in seiner berühmten Rektoratsrede 1933 zeigte. Nach dem II. Weltkrieg trat Heidegger dagegen stärker als Technikkritiker in Erscheinung und warnte insbesondere vor den Gefahren des Atomzeitalters.
Heidegger hat einen bedeutenden Einfluss auf diverse philosophische Richtungen ausgeübt, darunter auf die dialektische Theologie (K. Barth, R. Bultmann), die thomist. Heidegger-Schule (K. Rahner, G. Siewerth), auf französische Existenzialisten, auf diverse japanische Denkschulen und sogar auf einige Vertreter der Frankfurter Schule (H. Marcuse), die ihm insgesamt aber kritisch gegenüberstanden.
Der Philosoph Hans-Georg Gadamer, der stark durch Heidegger geprägt war und von ihm in dessen berühmte Berghütte im Südschwarzwald eingeladen wurde, wies darauf hin, dass Heidegger schon als Junge der Typus eines Anführers war, bei Lehrern aber auch als Wichtigtuer galt.

Werke:
Sein und Zeit                               1927
Was ist Metaphysik?                   1929
Holzwege                                    1950
Einführung in die Metaphysik        1953, 1967
Der Satz vom Grund                    1957, 1965
Unterwegs zur Sprache                1959, 1960
Nietzsche                                     1961
Phänomenologie und Theologie     1970

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